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Ist das Gehirn tatsächlich das Organ des Bewusstseins, als welches die moderne Wissenschaft es betrachtet? Sind unsere Gedanken, unser Ich und unsere Erinnerungen wirklich im Gehirn zu finden? Oder erliegt die Wissenschaft einem großen Irrtum, wenn sie das Bewusstsein durch das Gehirn zu erklären versucht, als wäre es Bewusstseins-Maschine und Erinnerungs-Festplatte zugleich?

1. Wo ist das Bewusstsein?

So viel die moderne Hirnforschung auch über das Gehirn verstanden haben mag, die zentrale Frage bleibt nach wie vor gänzlich unbeantwortet: Was ist Bewusstsein und wie hängen Gehirn und Bewusstsein zusammen? Grundsätzlich stehen sich hier wohl zwei Positionen gegenüber:

Die materialistische Sichtweise geht davon aus, dass Bewusstsein ein Produkt rein chemischer und elektrischer Vorgänge im Gehirn ist. Das Gehirn würde das Bewusstsein also generieren und all seine Inhalte enthalten.

Die spirituelle Sichtweise geht davon aus, dass das Gehirn vielleicht so etwas wie ein Radio ist: Es empfängt und sendet Informationen aus und in ein immaterielles Bewusstseins-Feld. Dieses energetische Informationsfeld wäre dann der eigentliche „Ort“ des Bewusstseins, das Gehirn nur mehr ein Empfänger, eine Art „Arbeitsspeicher des Bewusstseins“, in welchem temporär Informationen verarbeitet werden.

Neben dem individuellen Bewusstseinsfeld kennt zum Beispiel die Philosophie des Yoga in diesem Zusammenhang auch das Akasha-Feld, in welchem kollektive Informationen gespeichert werden und welches potenziell allen Menschen zugänglich ist.

Die spirituelle Sichtweise verlagert natürlich das philosophische Problem des Bewusstseins eigentlich nur – denn wie ein immaterielles Feld so etwas wie Bewusstsein hervorbringen oder sein kann, wäre nach wie vor völlig unklar. Trotzdem scheint die Frage, wo Bewusstsein zu suchen ist, zentral für unser Selbstverständnis als Menschen: Sind wir biophysikalische Maschinen, oder gibt es eine energetische Realität des Bewusstseins, jenseits des Körpers? Das Verständnis des Gehirns scheint hier eine zentrale Stellung einzunehmen.

Die letzten Jahre der Hirnforschung scheinen zunächst die materielle Sichtweise zu bestätigen: Die Neurologie weiß heute ungefähr, welche Art von Erfahrungen wo im Gehirn verarbeitet werden, und versteht recht gut, wie verschiedene Hirnschädigungen das Gehirn beeinträchtigen. Auf den zweiten Blick jedoch widersprechen diese Erkenntnisse erstens nicht notwendig der spirituellen Sichtweise und zweitens gibt es noch so viele Rätsel um das Gehirn, dass wir letztlich doch noch recht wenig wissen.

Wenn wir beim Radio-Beispiel bleiben, können wir uns vorstellen, dass ein Schaden am Radio die Ausgabe Musik verzerrt. Das heißt aber nicht, dass das Radio dieses Signal erzeugt, oder dass das Signal selbst beschädigt wäre. Wir können auch die Elektrizität innerhalb des Radios messen und für jemanden, der nichts vom Radio-Signal weiß, müsste es aussehen, als würde die Musik irgendwie im Radio entstehen. Unter Umständen ist es deshalb vielleicht gar nicht möglich, durch eine Erforschung des Gehirns, die eine oder andere Theorie zu beweisen oder widerlegen.

Ein Beweis für die spirituelle Sichtweise ist derzeit überhaupt nur schwer denkbar. Sie erhielt im letzten Jahr aber überraschende Unterstützung ausgerechnet von einem renommierten Hirnforscher der Havard University. Es scheint fast wie göttliche Ironie, dass ausgerechnet der Neurochirurg Eben Alexander, der vormals eine eher materialistische Sichtweise des Gehirns vertrat, seine Meinung durch eine Nahtod-Erfahrung revidieren musste. Sieben Tage lag Alexander im Koma und erlebte eine der wenigen „echten“ und wissenschaftlich dokumentierten Nahtod-Erfahrungen, echt deshalb, weil sein Neokortex tatsächlich keinerlei Aktivität mehr zeigte – nach der materialistischen Sicht des Gehirns, sind Denken und Erleben in diesem Zustand absolut unmöglich. Aber Alexander dachte und erlebte eine Menge – sein Erfahrungsbericht ist eine der spannendsten spirituellen Lektüren der letzten Jahre, da hier jemand berichtet, der das Jenseits aus erster Hand erlebt hat. „Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass der Tod des Körpers und des Hirns nicht das Ende des Bewusstseins sind, dass der Mensch Erfahrungen macht über den Tod hinaus“, schreibt Eben Alexander. Womöglich sind Gehirn und Bewusstsein also doch zwei sehr verschiedene Dinge.

Auch außerkörperliche Erfahrungen werden oft als Indiz angeführt, dass das Bewusstsein nicht im Körper ist, diese könnten jedoch auch eine Illusion des Gehirns sein, wie viele Forscher vermuten, weshalb echte Nahtod-Erfahrungen bisher das vielleicht beste Indiz darstellen, dass Bewusstsein unabhängig vom Gehirn existieren kann.

 

2. Was sind Erinnerungen?

Ein weiteres großes Rätsel, welches die Hirnforschung derzeit beschäftigt, ist das Gedächtnis. Denn bis heute wissen wir nicht, wie das Gedächtnis eigentlich funktioniert, wo und wie Informationen gespeichert sind und wie sie wieder abgerufen werden. Zwar hat die Hirnforschung herausgefunden, wo bestimmte Informationen womöglich „im Gehirn gespeichert“ sein sollen und konnten auch beobachten, wie Synapsen sich verstärkten, wenn Informationen „abgespeichert“ wurden. Wie, ist aber völlig unklar.

In diesen Forschungen hat sich gezeigt, dass die Neuronen, die beim Abrufen einer Erinnerung aktiv werden, exakt jene sind, die beim tatsächlichen Erleben einer Situation aktiv waren. Das Gehirn bildet also die Erfahrung so ab, wie sie erlebt wurde. Dabei hat sich auch gezeigt, dass einzelne Neuronen scheinbar sehr komplexe Dinge abzuspeichern scheinen, was das Rätsel eher größer als kleiner gemacht hat. Wie kann eine einzelne Nervenzelle durch ein paar chemische Botenstoffe komplexe Informationen abspeichern?

Was genau macht das Gehirn da? Wie hängen die Synapsen mit der Erinnerung zusammen? In welcher Form sind sie gespeichert? Und vor allem: Wie rufen wir sie allein durch unseren Willen ab? Was ist mit Erinnerungen, die nie stattgefunden haben? Oder Vorstellungen von der Zukunft, die ähnlich zu funktionieren scheinen? Warum vergessen wir Dinge und wie funktioniert das? Auf all diese Fragen gibt es bisher keine eindeutige Antwort.

Dazu gibt es zahlreiche Phänomene, die sich die Hirnforschung bisher noch nicht erklären kann. Zum Beispiel das hyperthymestische Syndrom: Menschen, die sich an ausnahmslos alles in ihrem Leben erinnern können – jeden einzelnen Tag, in allen Details. Das Phänomen wirft die Frage auf, ob das Gedächtnis wirklich so funktioniert, wie wir derzeit glauben. Denn nach der gängigen Theorie verläuft das Gedächtnis in Stufen: Eine Erinnerung wird zunächst im Kurzzeitgedächtnis gespeichert – wo und was immer das ist – und verschwindet wieder, wenn sie nicht regelmäßig aktiviert wird. Wird sie jedoch regelmäßig abgerufen, verstärkt sich die Verbindung der beteiligten Neuronen. Die Erinnerung ist nun im Langzeitgedächtnis, lässt sich leicht abrufen und verblasst nur noch sehr langsam. Ob etwas in dieses Langzeitgedächtnis übernommen wird, hängt davon ab, ob das Erlebnis von starken Emotionen begleitet ist – sowohl stark positive als auch negative Emotionen scheinen der Indikator zu sein, ob eine Information als relevant eingestuft wird.

Das hyperthymestische Syndrom stellt genau diese Theorie nun wieder infrage. Erstens zeigt es, dass das Langzeitgedächtnis verblüffenderweise unbegrenzt zu sein scheint, aber es wirft auch die Frage auf, warum diese Menschen alles erinnern können, ohne dass eine Stabilisierung der Synapsen stattgefunden hat. Professor Giuliana Mazzoni von der Hull University in England ist sich sicher, dass diese Forschungen zum Gedächtnis noch einige Überraschungen bergen werden:

„Dieser Zustand ist atemberaubend. Wenn eine Frau in ihren 40ern oder 50ern jeden einzelnen Tag ihres Lebens erinnern kann, dann ist die Kapazität unseres Gedächtnisses quasi unendlich. Und das legt nahe, dass es da noch eine Menge herauszufinden gilt. Die große Überraschung dieses Syndroms ist, dass es ein sehr altes Modell des Gedächtnisses stützt – das es nämlich reproduktiv ist, dass Begebenheiten buchstäblich ‚aufgenommen‘ werden.“

Vielleicht sind Erinnerungen also gar nicht in den Synapsen gespeichert, sondern werden dort nur er-innert – wieder ins innere Erleben geholt. Je öfter wir diese Informationen aus dem Feld abrufen oder er-innern, desto mehr optimiert sich das Gehirn auf das Abrufen und die Verarbeitung dieser Erinnerung. Gespeichert wäre nach dieser Theorie jedoch ausnahmslos alles – nur das es uns nicht bewusst zugänglich ist.

Auch in der Forschung an Tieren gibt es Überraschungen: So können geköpfte Plattwürmer ihren Kopf samt Erinnerungen regenerieren, wie Forscher der Tufts University herausgefunden haben. Plattwürmer können ihren Kopf samt Gehirn nachwachsen lassen – und dabei kehren auch die Erinnerungen wieder. „Es bedarf nur ein klein wenig Übung, und alles, was die Würmer vor dem Köpfen konnten, war wieder vollständig vorhanden“, erläutern die Forscher. Zwar bedurfte es einer einzelnen Trainingseinheit, um die Fähigkeit wieder zu aktivieren, dieses Erinnern ging jedoch wesentlich schneller als das ursprüngliche Erlernen. Wie das möglich ist, ist unklar. Eine Erklärung ist, dass Erinnerungen auch in anderen Teilen des Körpers gespeichert werden, eine andere, dass die Erinnerungen das Zentralnervensystem selbst verändert haben, welches dann wiederum die Regeneration des neuen Hirns beeinflusst hat. Die Forscher hoffen, durch das Verstehen der Plattwürmer endlich auch dem Gedächtnis des Menschen auf die Schliche zu kommen.

Denn besonders Krankheiten wie Demenz und Alzheimer bleiben bisher noch Rätsel für die Wissenschaft, die sich auch bewusst ist, dass es noch einen langen Weg zu gehen gilt, bis das Gedächtnis auch nur annähernd verstanden ist. „Wir sind gerade mal an den Ausläufern eines gewaltigen Gebirges angelangt“, beschreibt Nobelpreisträger Eric Kandel die aktuelle Situation der Gedächtnis-Forschung.

3. Was sind Träume?

 

Ebenso rätselhaft, wie das Gedächtnis sind für die Forschung Vorstellung, Kreativität und Träume. Nicht nur wissen wir nicht, warum wir träumen, tatsächlich wissen wir bisher nichtmal, warum wir überhaupt schlafen müssen.

Zwar wissen wir, dass Schlafentzug extrem schädlich ist, aber nicht warum – eine Frage, an der sich die Wissenschaft bisher die Zähne ausbeißt. Eine Theorie ist, dass das Gehirn Ruhe braucht – wieso, ist aber nicht klar. Und wenn es Ruhe braucht – warum träumen wir dann so intensiv – eine Zeit höchster Aktivität für das Gehirn? Es gibt derzeit vier Thesen, warum wir schlafen müssen.

a. Der Körper braucht die Zeit, um beschädigte Zellen zu reparieren. Diese Theorie wird von der Tatsache gestützt, dass Tiere ums so mehr schlafen müssen, je höher die Rate ihres Metabolismus ist.

b. Der Körper braucht die Zeit, um Energie „aufzutanken“. Heißer Kandidat ist hier ATP – das Molekül, dass Energie im Körper transportiert.

c. Schlaf könnte zum Lernen da sein. Forschungen haben gezeigt, dass das Gehirn die Herausforderungen des Tages im Schlaf erneut durchspielt und so im Schlaf weiterlernt. Tatsächlich scheint Schlaf sogar eine sehr wichtige Rolle im Lernprozess zu haben, wie verschiedene Experimente zeigen.

d. Schlaf könnte der Organisation und Formung von Erinnerungen dienen – also der Stärkung oder Auflösung von Synapsen. Dies würde das Mysterium der Träume erklären: Träume könnten der Organisation und Verarbeitung von Erinnerungen dienen. Das Gehirn ruft scheinbar wahllos Erinnerungen ab, um diese „frisch zu halten“, zu sortieren und zu verbinden. Diese Theorie erklärt, warum Menschen durch Schlafentzug Halluzinationen bekommen: Ohne die Verarbeitung im Schlaf, dringen die Träume sozusagen ins Wachbewusstsein ein.

Selbst unter Wissenschaftlern gelten all diese Theorien jedoch als reine Spekulation, vermutet wird eine Kombination aus allen Thesen. Ungeklärt ist dabei wie bei der Kreativität die Frage, warum wir Dinge träumen können, die wir nie erlebt oder gesehen haben und welche Funktion solche Träume haben. Vielen Wissenschaftlern gelten Träume als reine Zufallsprodukte eines wahllos Eindrücke produzierenden Gehirns. Viele Psychologen hingegen sehen das sehr anders.

Träume und Schlaf sind auch in der spirituellen Sichtweise ein spannendes Thema. Im Yoga lautet die Theorie, dass sich das Bewusstsein der Seele während des Tiefschlafes vom Körper zurückzieht und sich in ihren Urgrund als reines Bewusstsein zurückzieht. Dadurch „tankt die Seele Kraft“, die sich im täglichen Leben erschöpft, sofern nicht eine bewusste Verbindung zu ihrem Seinsgrund dauerhaft aufrecht erhalten wird.

Verschiedene Yogis sind der Ansicht, dass das Bedürfnis zu schlafen mit der Erleuchtung stark nachlässt, da die Seele permanent in ihrem Urgrund ruht. Auch der Zustand des Yoga Nidra, in welchem der Yogi auch dem Tiefschlaf völlig bewusst bleibt, wird in mehreren Schriften sowohl hinduistischer als auch tibetischer und buddhistischer Traditionen beschrieben und ist auch wissenschaftlich belegt.

1971 bewies der Yogi Swami Rama in Versuchen der Menninger Foundation unter Laborbedingungen, dass es ihm möglich ist, alle bekannten Bewusstseinszustände auf Zuruf willentlich herbeizuführen. Den Zustand des Traumbewusstseins (Theta-Wellen) bezeichnete er dabei als „Eintritt in das Unterbewusstsein“, das er als unangenehm chaotisch und voller Erinnerungen und archetypischer Bilder beschrieb. Schließlich demonstrierte er, dass er sogar spontan in den Tiefschlaf eintreten konnte (Delta-Wellen) und dabei sein volles Bewusstsein behielt. Obwohl sein Bewusstsein während dieser Zeit nach eigener Aussage völlig ohne Inhalt war (und er sogar schnarchte), beschrieb er sich als absolut wach und konnte das gesamte Gespräch der Forscher während dieser Zeit wiedergeben.

Träume wiederum werden im Yoga, Ayurveda und auch im Buddhismus als das Auftauchen des Unbewussten in Abwesenheit des Wachbewusstseins beschrieben. Durch die Analyse der Trauminhalte können verborgene unbewusste Eindrücke (Samskaras, Karma) aufgedeckt und aufgelöst werden. Auch zu kollektiven, archetypischen Inhalten haben wir im Traum vielleicht Zugang, wie auch C. G. Jung schon postulierte. Hier kommen sich moderne Psychologie und mystisches Wissen sehr nah.

Ein etwas rätselhafteres Feld sind die luziden Träume, bei welchen sich der Träumende völlig bewusst ist, dass er träumt und die Träume teilweise sogar bewusst steuern kann. Dieser Zustand unterschiedet sich von Yoga Nidra, da in Letzterem der traumlose Schlaf bewusst erlebt wird, während es beim luziden Träumen eben die Traumwelt ist. Luzides Träumen wird in fast allen mystischen Traditionen beschrieben und wurde auch wissenschaftlich intensiv erforscht, ohne es man hierbei zu abschließenden Schlüssen gelangt wäre.

Wie die meisten Menschen aus eigener Erfahrung wissen, ist Traum nicht gleich Traum. In den taoistischen, tantrischen buddhistischen Traditionen wird zumeist zwischen verschiedenen Formen des Träumens unterschieden: Karmische Träume, deren Inhalte sich aus Eindrücken vergangener Leben, der Jugend oder der jüngeren Vergangenheit herrühren und Träume des wachen Geistes.

Karmische Träume versuchen Spannungen im Bewusstsein des Träumers abzubauen und werden sowohl im Buddhismus als auch im Ayurveda zur Diagnose der Ursachen psychologischer und körperlicher Erkrankungen herangezogen. Sie rühren von Erlebnissen her, die Spuren von unerlöster emotionaler Anspannung im Bewusstsein des Menschen hinterlassen haben.

Bei Träumen höherer Ordnung hingegen ist es nach dieser Lehre möglich, Inspiration aus höheren Spähren zu empfangen, mit dem Bewusstsein an ferne Orte und sogar in der Zeit zu reisen. Auch kollektives und kreatives Wissen aus höheren Sphären wird in solchen Träumen zugänglich. So wurde dem buddhistischen Namkhai Norbu Rinpoche in seinen Träumen Musik und eine komplexe Tanz-Choreographie für 36 Tänzer übermittelt, die sich durch einen Zufall später als teilweise identisch mit dem „Ghost Dance“ einer nordamerikanischen Schamanen-Tradition herausstellte.

Zahllose solcher Berichte von Menschen, die zum Teil reale Begebenheiten oder gar zukünftige Ereignisse geträumt haben wollen, werfen große Fragen auf, wenngleich sie sich wegen ihrer stark anekdotischen Natur nicht wissenschaftlich erforschen lassen.

Das Gehirn – ein überschätztes Organ?

Die moderne Wissenschaft ist sich bewusst, dass sie beim Verständnis des Gehirns noch ganz am Anfang steht – und in Bezug auf das Bewusstsein selbst nicht mal angefangen hat, zu verstehen. Bislang hält sich jedoch die materialistische Sicht, die versucht, Bewusstsein rein mechanisch aus den physikalisch-chemischen Vorgängen des Gehirns zu erklären. Etwas anderes bleibt einer rein wissenschaftlichen Vorgehensweise auch vorerst gar nicht übrig, da die von der spirituellen Sicht postulierten feinstofflichen Informationsfelder sich bisher weder nachweisen noch erforschen lassen.

Einige Forscher haben die Hoffnung, dass die Quantenphysik vielleicht eines Tages eine wissenschaftliche Sicht auf Bewusstsein möglich werden lässt. Aber selbst einige spirituelle Lehrer halten es für unmöglich, Bewusstsein mit physikalischen Methoden zu erforschen, da Bewusstsein in ihrer Sichtweise dem Materiellen übergeordnet ist. In dieser Sichtweise ist die einzige Methode zur Erforschung des Bewusstseins eben das Bewusstsein selbst – physikalische Methoden wären auf die physikalische Welt beschränkt. Aber auch eine solche Erkenntnis hätte wissenschaftlichen Wert, da es das reichhaltige Wissen aus den verschiedenen mystischen Traditionen als eine eigene Form der Wissenschaft anerkennen würde, wie es ja auch schon teilweise der Fall ist.

Wenn man bedenkt, welche Fortschritte die Hirnforschung in den letzten 100 Jahren gemacht hat und wie sehr sich diese Entwicklung seither beschleunigt, ist zu hoffen, dass wir einer spannenden Zeit entgegensehen. Es bleibt abzuwarten, ob das Gehirn die hohen Erwartungen der materialistischen Sicht erfüllt, oder sich herausstellt, dass das Gehirn ebenso überschätzt wurde, wie einst die Gene.

Eine wirkliche Vereinigung von Wissenschaft und Spiritualität scheint kaum denkbar, solange Bewusstsein nicht als eine vom Gehirn unabhängige Größe anerkannt wird. Es wird sich zeigen, ob uns die Hirnforschung vielleicht an genau diesen Punkt führt. Bisher jedenfalls bleiben die wichtigsten wissenschaftlichen und philosophischen Fragen genauso unbeantwortet, wie vor Tausenden Jahren: Was ist Leben? Was ist Bewusstsein?

 

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Bilder: Kopf mit Gehirn – © Dr Michel Royon / Wikimedia Commons; Buddha – dola.das85 /Wikimedia

5 Responses

  1. Elisabeth

    Neben eigenen Überlegungen auch gemäß diesem soeben gefundenen Link http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_00/natur/artikel2/index.html schlussfolgere ich folgendermaßen: Da RNA-Moleküle als Speicher der genetischen Information fungieren können oder an der Reifung anderer RNA-Moleküle beteiligt sind, aber auch sogar katalytische Aktivität besitzen können, wie sonst nur Enzyme (daher Ribozyme) und sich wahrscheinlich selbst vermehren können, plädiere ich dafür, dass unsre Erinnerungsfähigkeit am ehesten in diesem Bereich zu suchen ist. Betrachtet man das Beispiel mit den Plattwürmern, wo selbst nach abgetrenntem und wieder nachgewachsenem Kopf die Erinnerung abgerufen werden kann, so ist es m.E. doch schon sehr naheliegend, auch hier an die DNS bzw. RNA-Fähigkeiten zu denken.
    Nur am Rande erwähnen möchte ich die möglicherweise symbiosenhafte Tätigkeit unseres Mikrobioms, bestehtend aus 100 Billionen freundlichen uns dienenden Bakterien, die selbst über enorme Speicherkapazität verfügen und sogar wird in Erwägung gezogen, Bakterien als moderne Speichermedien zu nutzen. Bakterien leben in gewisser Weise ewig und speichern genauso lange auch aufgenommene Information. Ich persönlich arbeite derzeit an der Hypothese, dass RNA und Mikrobiom über die Fähigkeit konstruktiver und organisatorischer Kommunikation verfügen und die RNA-Schaltertätigkeit wesentlich beeinflussen.

    Was das Träumen betrifft, so gehe ich davon aus, dass zum Zeitpunkt unserer Zeugung unsere Anlagen eigentlich schon „wussten“, wo es lang geht, wo sie ihre optimale Weiterentwicklung finden und wie das geschehen soll.
    Angenommen einem Menschen wird komplett die Weiterentwicklung auf normalem Weg genommen, indem keine sozialen Kontakte ihm als Korrektiv für seinen Charakter dienen können, so muss dieses Gehrin sich eben selbst kompensativ weiterhelfen durch Traumarbeit, wo Situationen, die fürs Weiterentwickeln nötig wären, zusammen geträumt werden, wo Irrtümer, Einsichten, Aha-Erlebnisse, Schreckens- und Leiderfahrungen nachgestellt werden, um dem Menschen die Möglichkeit zu geben, zu reagieren und an sich zu arbeiten.
    Wir alle würden gemäß unserer individuellen Anlagen ganz bestimmte Wege beschreiten und mit ganz bestimmten Menschen zusammentreffen, wenn die entsprechende Förderung uns diese Wege geebnet hätte. Da dies auf die wenigsten zutrifft, entfernen wir alle uns mehr oder weniger von unserem eigentlichen Anlage-Weiterentwicklungsweg. Ich glaube, dass ein Großteil unserer Träume ganz einfach vorwiegend diese Ab- und Umwege kompensiert. Sobald Klein-Klaus oder Klein-Anna überaus verwöhnt aufwuchsen und nie konfrontiert wurden mit anderen Kindern und somit keine Erfahrung in Auseinandersetzungen und Sozialkompetenz sammeln konnten, erledigen den Ausgleich für diese Defizite halt ihre Träume. Sie träumen sich das zusammen, was ihnen gem. Anlagekapazität fehlt. Ob in Symbolsprache oder wie real im Film. Auch, was täglich aus der Umwelt oder aus den Medien wie z. B. dem Fernsehen ins Unterbewusstsein aufgenommen wird, um als Traum-Requisiten hervor gekramt zu werden, richtet sich nach der individuellen Anlage-Konstellation.

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  2. Hans Grathwohl

    Hallo
    Schreibe selten Kommentare…doch dies mal eine Ausnahme.
    Ich hatte nähmlich das Gefühl den vor 20 Jahren schon gelesen zu haben.
    Beim Träumen z.B… wo sind die Ergebnisse? wird irgendwas in der Schule gelehrt ?
    Nein! Und das wichtigste beim Bewusstsein nicht mal erwähnt… Die Aufmerksamkeit.
    hat jeder und kann nicht damit umgehen…
    und haben nicht schon viele im Konzert erlebt wie die Musik einen davon trägt und man 2 Erinnerungen hat? die von einem Schlafenden Körper und der in Musik getragene Erinnerung ?
    Man sollte mehr darüben miteinander Reden….ohne was lächerlich zu machen…
    in diesem Sinne…
    Hans Grathwohl

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  3. WellenbeobachterHH

    Klasse Artikel!!! Vielen Dank!!!

    Mir fällt dazu noch ein, dass ich einer wissenschaftlichen TV-Dokumentation mal gesehen habe, dass man aufgrund der elektrischen Vorgänge in den Nervenzellen inzwischen annimmt, dass dort im Inneren der länglichen, röhrenartigen Nervenzellen – Vorgänge auf der Quantenebene ablaufen.

    Das würde ansatzweise erklären, wie es möglich ist, dass eine unsichtbare Verbindung zwischen biologischen und physikalischen Vorgängen in lebenden Zellen zu einer (möglicherweise) höheren Dimension oder anderen Ebene der Existenz geben könnte, auf der sich das Bewusstsein bildet bzw. quasi seinen Sitz hat. Vielleicht ist das so ähnlich wie beim Phänomen der Quantenverschränkung. Da gibt es möglicherweise zahlreiche Zusammenhänge, von denen wir noch nichts wissen.

    Hat man es irgendwann entschlüsselt, was nur eine Frage der Zeit (und unserer Denkweise) ist, wo, wie und wonach wir eigentlich suchen müssen, dann ist die Erklärung sicherlich gut nachvollziehbar, genauso wie wir uns heute Blitze aus dem Himmel erklären können. Dieser Artikel gibt für die Suche gute Hinweise.

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  4. Oliver

    Wie schon im Artikel angedeutet, kann man sich schon fragen: Wie kommen wir auf die Idee, uns von einer Wissenschaft wie der Hirnforschung über unser Bewusstsein aufklären zu lassen, die sich gar nicht mit unserem Bewusstsein beschäftigt sondern mit köperlichen Vorgängen? Wir sind Bewusstsein, nicht aber das, was in bildgebenden Verfahren zu sehen ist.

    Ähnlich verfahren wir immer wieder: Wenn wir uns selbst verstehen wollen, fragen wir Genetiker, Biologen, Soziologen, Psychologen und sonstige -logen, die oft eins gemeinsam haben: Sie verwandeln uns selbst in etwas anderes. Wir sind dann keine Menschen mehr sondern z.B einen Haufen Gene, die sich fortpflanzen wollen, ein Zusammenspiel von Hormonen, das Produkt gesellschaftlicher Prozesse oder das Ergebnis von Lernvorgängen etc.
    Mit all dem sehen wir natürlich Nützliches, nicht aber uns selbst.

    In all diesen Fällen verwandeln wir uns selbst in ein Objekt, das uns, die wir dieses Objekt angeblich sind, zutiefst fremd ist. Sehr eigenartig.

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  5. Roswitha Schmitt

    Spontan sind mir zu diesem Artikel die Bücher von Robert A. Monroe eingefallen. In den Fünfziger Jahren stellte er fest, dass er seinen Körper spontan und willentlich verlassen konnte. Am Anfang fand er diese Erlebnisse sehr bedrohlich – vor allen Dingen gab es eine Episode, in der er sich von „Etwas“ verfolgt fühlte, das er lange Zeit nicht identifizieren konnte. Eines Tages stellte er fest, dass es sich dabei um seinen eigenen physischen Körper handelte, von dem er sich soeben gerade getrennt hatte … Er stellte sich dann auch die Frage, wo das Bewußtsein sitzt und fand auch gleich die passende Antwort: NICHT in der Physis, sondern in unserem Geistigen Körper.
    Alle drei Bücher sind leicht zu lesen und sehr empfehlenswert!
    Roswitha

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