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Das Enneagramm als Wegbereiter menschlicher Evolution

Sich selbst und andere verstehen für ein friedliches und kooperatives Miteinander – dabei kann das Enneagramm eine wundervolle Hilfe sein. Es macht konkret erfahrbar: Wenn neun verschiedene Arten, die Welt zu sehen, sich ergänzen anstatt sich zu bekämpfen, beschleunigt sich die menschliche Evolution.

Das Enneagramm birgt vieles in sich: Es ist ein Persönlichkeitsmodell wie auch ein systemisches Modell über die menschliche Wahrnehmung und – was mir wichtig erscheint in diesem Kontext – ein Entwicklungsmodell für menschliches Bewusstsein. Es ist ein Integrationswerkzeug, das es uns Menschen ermöglicht, uns in unserer Unterschiedlichkeit zu sehen und zu achten und unsere jeweiligen höchsten Potentiale für die menschliche Evolution einzusetzen. Es hat eine biologische, eine psychologische und eine spirituelle Wahrheit und es reflektiert den Menschen wie kein anderes Modell, das ich bisher kennen gelernt habe.

Das Enneagramm beschreibt neun unterschiedliche Arten, die Welt wahrzunehmen, und die sich daraus formenden Persönlichkeitstypen. Es befasst sich mit erkennbaren Strukturen, nicht mit der Biografie eines Menschen. Was das Enneagramm interessiert, ist nicht das Woher, sondern das Hier und Jetzt. Genauer gesagt, beschreibt es, wie ein Mensch wahrnimmt, sich verhält, kommuniziert und interagiert. Diese Beschreibung benennt unterschiedliche Persönlichkeitstypen. Diese Typen haben Namen und Nummern erhalten; (in Büchern werden die Kernmotivationen, Leidenschaften und Überlebensstrategien jedes Typs ausgiebig erläutert).

 

Schubladendenken?

Als ich das Enneagramm 1991 kennen lernte, verstand man noch wenig über diese Unterscheidung in Typen und deshalb habe ich, wie viele andere, skeptisch auf die Idee reagiert, dass alle Menschen überhaupt ’typisiert’ werden können. Im Stillen habe ich mich dagegen gewehrt, in eine nummerierte Schublade gesteckt zu werden. Erst als ich begriff, wie umfassend mein Leben durch meinen Typ beeinflusst wurde, erkannte ich meine eigene Wahrnehmungsschublade und wollte sie öffnen, um mehr über mich, andere und das System zu erfahren. Ich war motiviert, in die Lehre zu gehen, zuerst in der mündlichen Tradition nach Helen Palmer und später bei anderen bekannten Enneagrammlehrern.

Als frisch zertifizierte Enneagrammlehrerin beschäftigte mich vor allem die Einordnung der verschiedenen Typen. Ich hatte das Typisieren von Helen Palmer gelernt und fühlte mich halbwegs sicher, dennoch gab es oft unterschiedliche Diagnosen unter meinen Kollegen, und das irritierte mich. Mir schien es ein schwieriger erster Schritt für Enneagramminteressierte, ihren Typ herauszufinden, wenn nicht mal die ausgebildeten Lehrer sich einig waren. Ich war mir sicher, wie es auch in der Medizin zu sehen ist, dass unterschiedliche Diagnosen mit dem Erfahrungs- und Wissensstand des Betrachters zu tun haben, die Krankheit aber immer die gleiche bleibt. Das gilt auch für den Enneagrammtyp. Also machte ich mich auf den Weg, meinen Wissensstand bezüglich der Typen zu vertiefen, und gewann dabei erstaunliche Erkenntnisse.

 

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Drei Intelligenzzentren

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Das Konzept des Enneagramms unterteilt die neun Typen noch einmal in drei Gruppen, die die Welt von drei unterschiedlichen „Intelligenzzentren“ aus wahrnehmen: dem Kopf, dem Herz und dem Bauch. Jeder Persönlichkeitstypus verlässt sich mehr auf ein Intelligenzzentrum als auf die anderen beiden, obwohl alle drei Zentren auf der physiologischen Ebene aufs Engste miteinander über Nervenzell-Netzwerke verbunden sind. Daraus ergeben sich erkennbar unterschiedliches Denken, Fühlen, Verhalten und ein recht unterschiedlicher Kommunikationsstil. Kopftypen (5,6 und 7) hinterfragen das Leben, suchen zuverlässige Informationen, machen Pläne, verlassen sich mehr auf ihre rationale Intelligenz. Begriffe wie Gefahr und Sicherheit haben einen hohen Stellenwert in ihrem Leben, und sie suchen Vertrauen und Loyalität in ihren Beziehungen. Die Herztypen (2,3 und 4), verlassen sich mehr auf ihre emotionale Intelligenz, analysieren Menschen und Beziehungen und sind sensibel für Gefühlsstimmungen. Sie vergleichen sich oft mit anderen und beschäftigen sich viel mit der Frage, „Was halten die anderen von mir?“ Die Bauchtypen (8,9 und 1) haben einen pragmatischen Sprachstil und verlassen sich primär auf ihre Instinkte (Bauchgefühl). Sie wollen richtig und gerecht handeln, denken viel über Strategien, Prioritäten, richtige Entscheidungen nach und reagieren auf Probleme mit der Frage: „Was ist hier zu tun?“

 

Das Enneagramm als biologische Wahrheit

Bald entwickelte ich eine gute Intuition für diese drei so unterschiedlichen Intelligenzen, ein weiteres wichtiges Indiz für die Typisierung. Allmählich wurde mir klar, wie umfassend unsere Wahrnehmung unser Leben bestimmt – ähnlich einem inneren Radarsystem -, denn wir können nur über etwas nachdenken, was wir schon wahrgenommen haben. Inzwischen war ich mir sicher, dass das Enneagramm darum auch eine biologische Wahrheit beschreibt. So wie es Mann und Frau gibt, so gibt es auch diese neun Menschentypen. Als ich folgende Aussage von Dr. David Daniels von der Stanford Medical School las, fühlte ich mich bestätigt: „Weil die Spezies Mensch so komplex ist, braucht es offensichtlich neun ‚Wahrnehmungskapazitäten‘ für eine gesunde Evolution“. Ja, dachte ich, es braucht auch auf menschlicher Ebne eine intelligente Entwicklung und Anpassung der Einzelteile innerhalb einer komplexen Ganzheit. Und diesen Anpassungs- und Entwicklungsweg beschreibt  das Enneagramm für die menschliche Spezies, indem es die menschliche Wahrnehmung aus neun verschiedenen Blickwinkeln darstellt. Alle neun Typen gemeinsam können 360 Grad erfassen, ein Typ allein jedoch gewohnheitsmäßig nur 40 Grad, das sind etwa 11 Prozent, die wir jeweils als „die Wahrheit“ erleben! Jeder Typ „beackert“ ein anderes Feld der weltlichen Realität und entwickelt seine eigene Spezialisierung, und wir brauchen alle neun unterschiedlichen Fertigkeiten für eine gesunde Evolution (und für eine umsichtige Politik).

 

Die enge Wahrheit des Egos

Leider sind wir noch nicht allzuweit auf dem Weg der Integration. Unser Ego behält lieber Recht und verteidigt „seine Wahrheit“ gegen die „Wahrheit“ anderer. George W. Bush beispielsweise teilt die Welt auf in loyale Freunde und gefährliche Feinde, beschäftigt sich überproportional viel mit Gefahr und Sicherheit und verteidigt seine Politik vehement gegen die „Angriffe“ von anderen Wahrnehmungsarten, was auf einen Typ Sechs hinweist, der ziemlich unter Druck steht. Helmut Kohl, Theo Waigel und Hans-Dietrich Genscher (vermutlich auch Angela Merkel) sind alle Bauchtypen, die schnell handeln und ihre Ziele unverdrossen verfolgen, was zwar zu einer schnellen Wiedervereinigung geführt hat – im Nachhinein dachten allerdings viele Menschen, dass sie etwas vorsichtiger hätten sein können, um die Ost-West-Wirtschaft gerechter zu entwickeln. Das hätte einmal bedeutet, stärker die Kopf-Intelligenz einzusetzen, also Fragen zu stellen und Informationen zu sammeln, bevor man in Aktion tritt. Zum anderen hätte die Herz-Intelligenz gefragt, was bestimmte Veränderungen für die Menschen emotional bedeuten könnten. Optimale Entscheidungen werden dann getroffen, wenn alle drei Intelligenzen miteinander im Einklang stehen.

 

Unterschiedlichkeit bereichert

Wenn wir unseren eigenen Typ gefunden und das Prinzip des Enneagramms verstanden haben, erkennen wir auf einer tiefen Ebene, dass andere Menschen ganz andere Wege zu beschreiten haben als wir. Wenn wir unseren eigenen „Diamant“ freilegen, wenn wir spüren, wie etwas in uns leuchtet, dann fangen wir an, den Diamant in anderen zu sehen, dann können wir als Menschen so leben, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit sehen, annehmen, unterstützen und ergänzen, uns durch Unterschiedlichkeit bereichert statt bedroht fühlen. Durch das Enneagramm bekommen wir ein stabiles Fundament für eine achtungsvolle und kooperative Haltung im Leben. In diesem Sinne ist das Enneagramm ein Werkzeug für die menschliche Evolution.

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