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Merkel redet – und alle so: Yeaahh!

Was als kleine Plakatverschönerung begann, macht die Bundeskanzlerin derzeit wahrscheinlich insgeheim wahnsinnig. Bei ihren Reden in Hamburg und Mainz wurde jeder ihrer Sätze mit einem lauten „Yeeeeeeaaaah!!“ kommentiert – und zwar von Hunderten Zuschauern. Diese hatten sich über Blogs, Twitter und Facebook zu einem sogenannten „Flash-Mob“ verabredet.

Auslöser der Yeah-Welle auf deutschen Marktplätzen war ein Foto, das in der Online-Bilderdatenbank Flickr veröffentlicht wurde. Es zeigte ein CDU-Plakat mit der Ankündigung des Merkels-Besuchs in Hamburg. Daneben hatte ein Unbekannter die Worte gekritzelt: „Und alle so: Yeaahh.“ Das Foto verbreitete sich auf Blogs und in Online-Netzwerken und ein Kommentator auf Spreeblick.de hatte schließlich die Idee zu den Flash-Mobs.

Soviel Begeisterung hatte Merkel sicher bisher selten bei ihren Wahlkampf-Auftritten. In Mainz wiederholten die Protestler sogar einzelne Wörter aus Merkels Rede. „Wachstum!“ und „Hintertür!“ schallte es da immer wieder. In Hamburg forderte der Flashmob minutenlang „Zugabe!“ – die gab es allerdings nicht. Überhaupt reagierte die Kanzlerin in Hamburg nichtmal minimal auf den jubelnden Protest und las mit strammer Mine ihren Text herunter.

 

Zwischen Spaß und Ernst

Für einen Teil der Flashmobber ist es einfach ein großer Spaß, für andere transportiert die Aktion durchaus eine wichtige Botschaft: Das hohle Wahlgerede, die Lügen und falschen Versprechen sollen durch die bedingungslose Begeisterung mit Humor entlarvt werden – das Volk stellt sich einfach mal so dumm, wie die Politiker es gerne hätten. Vor allem soll das „Yeah!“ der Kanzlerin eines klarmachen: „Wir lassen uns nicht mehr verarschen!“

Statt auf „Buh“-Rufe oder faule Eiern und Tomaten setzt diese Form des Protests also auf Humor. Das ist nicht nur gewaltfrei, sondern auch ein verdammt großer Spaß!

Und gewirkt hat es: Sogar der Spiegel titelte über den Merkel-Besuch: Merkel in Hamburg – und alle rufen „Yeaahh“ – bezeichnete die Aktion aber als puertär.

Die Aktion soll nun auch mit Flashmobs zum Merkel-Besuch in Berlin am Samstag, 26. September 2009 – 12:00, Berlin, Arena Treptow fortgesetzt werden.

 

Links

Video des Hamburg-Flashmobs

 

Ein Augenzeugenbericht der Hamburg-Aktion von pop64.de

 

4 Responses

  1. Claus

    Wer die Hohlfloskeln in Merkels Darstellungen („Wachstum als Patentlösung, AKWs als „Brückentechnologie“ [wohin?!] usw.) nicht als solche identifiziert, muss sich doch freuen über die engagierte Yeeeeaahh-Zustimmung… Oder?

    Antworten
  2. David

    @Mario

    Merkel konnte ausreden und war während ihrer gesamten Rede gut zu hören. Ansatz der Aktion war gerade NICHT wie gewöhnlich die Rednerin durch „Ausbuhen“ oder Trillerpfeifen zu übertönen, sondern ihne ausreden zu lassen und ausgiebig zu bejubeln.

    Gruß
    David

    Antworten
  3. Mario

    Ich kann dem Spiegel nur Zustimmen. Meinungsäußerung hin oder her, ich habe noch gelernt dass man seinen Gegenüber ausreden lässt.

    Ordentliche Diskussionen scheinen leider nicht mehr zeitgemäß zu sein.

    Ich kann hier auf der Seite doch schließlich auch nicht euren Artikel mit „X-en“ überschreiben, sondern im Anschluss einen Kommentar hinzufügen. Bei allen Kontroversen Meinungen sollte ein Grundanstand erhalten bleiben. Und egal bei welcher Partei oder welcher Meinungsäußerung — ein wenig mehr zuhören und weniger stören trägt ungemein zu Verständigung bei. Vielleicht läßt sich der ein oder andere ja auch eines Besseren belehren. So wie oben beschrieben jedoch sicher nicht.

    Daher empfinde ich das Markieren des letzten Absatzes als Aufruf und bin sehr verwundert, dass ausgerechnet eine Seite die stetig moralische Grundwerte in den Vordergrund rückt, sich zu Unterstützern einer solchen Bewegung macht.

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