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Studie: Sitzenbleiben kostet Milliarden und bringt nichts

Das Geld, das die Regierungen jährlich für das Sitzenbleiben ausgeben, ist sehr schlecht angelegt, da die Maßnahme keine pädagogische Wirkung zeigt. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse mehrerer aktueller Studien, die von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben wurde.

Ein Vergleich der Schulstatistiken bezifferte zudem erstmals die Kosten, die durch das Sitzenbleiben jährlich entstehen. Berücksichtigt man die dadurch notwendigen zusätzlichen Personalausgaben für Schulen und ihre Verwaltung sowie Sach- und Investitionskosten, ergibt sich alleine in Deutschland eine Summe von 931 Mio. Euro pro Jahr. „Es ist empirisch bewiesen, dass Sitzenbleiben teuer ist und nichts bringt“, betont Anette Stein, Bildungsexpertin bei der Bertelsmann-Stiftung.

 

Stress und Druck sind schlechte Motivation

Das widerspricht dem Bild des Sitzenbleibens in den Köpfen der Bevölkerung. „Die Mehrzahl sieht es immer noch als festen Bestandteil des Schulsystems und will nicht davon abrücken. Sitzenbleiben bei schlechten Noten gilt als wirksames letztes Mittel der Leistungsmotivation“, so Stein.

Diese Ansicht gehe an der Realität völlig vorbei. „Schon lange zeigt uns die Neurowissenschaft, dass Angst, Stress und Druck die denkbar schlechtesten Vorbedingungen für Lernen und Wissensvermittlung sind. Die Leistung der Betroffenen verbessert sich durch die Wiederholung des Schuljahres nicht.“

Studien hätten außerdem gezeigt, dass auch die Schüler, die im Klassenverbund bleiben, durch das Sitzenbleiben der Leistungsschwächsten keine Vorteile haben. Deshalb hält Stein auch nicht vielvon der Ansicht, dass ein möglichst homogenes Niveau innerhalb einer Lerngruppe zu den besten Ergebnissen führt: 

In Wahrheit lernt jeder Schüler anders. Ein heterogener Klassenverband, wie er sich in anderen Ländern schon als erfolgreich gezeigt hat, würde allerdings eine hohe Herausforderung an die Lehrer darstellen und erfordert zusätzliche Ressourcen. Diese könnten durch die Einsparungen, die sich aus dem Abschaffen des Sitzenbleibens ergeben würden, zumindest teilweise abgedeckt.“

Einige deutsche Bundesländer – unter ihnen Bremen, Hamburg und Berlin – überlegen laut Stein bereits ernsthaft, auf das Sitzenbleiben zu verzichten.

 

Text: pressetext.de
Bild: Ildar Sagdejev / Wikimedia

 

Eine Antwort

  1. Fritz Mecker

    Würden alle Sitzenbleiber ab morgen nicht mehr zur Schule gehen,
    würde man nicht eine Klasse einsparen und nicht eine Unterrichtsstunde.
    Trotz etwas weniger Korrigierarbeit bekommen die Lehrer noch immer
    das gleiche Geld.

    In diesem idealisierten Szenario werden 0 Euro gespart. Im echten
    Leben verschwinden Sitzenbleiber nicht einfach, das Einsparpotential
    liegt also sogar unter 0 Euro!

    Keine Ahnung, was die Bertelsmänner da gerechnet haben.

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