Anzeige

Umstrittenes Desertec-Projekt startet

Das gigantische Energieprojekt „Desertec“, das in der Sahara produzierten Solarstrom nach Europa importieren soll, ist tatsächlich gestartet.

In zehn Jahren soll schon der erste Strom fließen. Und in spätestens fünfzehn Jahren will man mit dem Wüstenstrom bereits wettbewerbsfähig gegenüber anderen Energieträgern sein.

Das Konsortium von zwölf Unternehmen, darunter die Firmen E-on, RWE, Siemens und Münchner Rück gründete Ende letzter Woche die Planungsgesellschaft „Desertec Industrial Initiative GmbB“ – diese soll in den nächsten drei Jahren ein Konzept erarbeiten und dann soll schon der Bau beginnen. Das Projekt wird etwa 400 Milliarden Euro kosten.

 

Sehr umstritten

Das Projekt ist sehr umstritten. Neben der Frage der Machbarkeit wird den beteiligten Energie-Riesen vor allem vorgeworfen, mit allen Mittel eine Energie-Autarkie verhindern zu wollen. Die Kritiker fordern, die nötigen 400 Milliarden lieber in die Entwicklung dezentraler Lösungen zu stecken, dies wäre schneller und billiger. So schreibt der Kommentator Muhad auf Telepolis:

„Die Hauptangst der Energiekonzerne und der von ihnen geschmierten Politiker ist doch, dass in nicht allzu ferner Zukunft sich jedes Haus quasi selbst mit Energie versorgen kann. Um dieser Entwicklung den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat man jetzt in aller Eile dieses Großprojekt aus dem Boden gestampft.

Was für Fortschritte wären wohl zu erzielen, wenn man 400 Milliarden Euro dafür ausgeben würde, dass deutsche Haushalte eben überhaupt nicht mehr auf Energielieferanten angewiesen wären? Und das ist eben genau das Ziel des Wüstenprojekts. Die Entwicklung zur unabhängigen Energieerzeugung soll so weit wie möglich ausgebremst werden. Und gleichzeitig werden neue Abhängigkeiten geschaffen. In 40 Jahren ist es dann eben nicht mehr das Erdgas aus Russland sondern der Solarstrom aus Afrika. Und der wird natürlich weiterhin über die Energiekonzerne bezogen, deren Kassen dann weiter kräftig klingeln.“

Andere Autorensind jedoch der Meinung, dass sich eine dezentrale Energieversorgung für Privathaushalte und derartige Großprojekte keineswegs ausschließen und wir gerade im Hinblick auf die vielleicht bald zu versorgenden Elektroautos dringend solche Riesen-Kraftwerke brauchen.

Diese Position vertritt auch Desertec selbst, die in ihrem FAQ ausfürlich auf diese Frage eingeht.

„Im Kampf gegen Klimawandel und Preislawinen ergänzen sich dezentrale und international vernetzte Erneuerbare Energien ideal,“ heißt es dort. „Großkonzerne vom Klimaschutz auszuschließen ist kein wirklich sinnvolles Ziel. Monopolistische Strukturen sind für DESERTEC nicht zwingend erforderlich. Die nachhaltige Versorgung der weltweit schnell wachsenden Großstädte ist mit kleinteiliger, dezentraler Versorgung und Effizienz allein nicht erreichbar. Vielmehr geht es um eine sinnvolle und notwendige Ergänzung derselben.“

Vor allem aber sei der mögliche Ertrag in der Wüste einfach um ein vielfaches höher, als in Europa, so dass erheblich weniger Landmasse zur Erzeugung von Energie benötigt wird. So können in Europa, egal mit welcher Technik, derzeit maximal 50 GWh/km² pro Jahr erzeugt werden – in der Wüste sind bis zu 250 GWh/km² möglich.

 

Weitere Artikel zum Thema:

Energie aus der Wüste

Wüstenstrom – Von der Vision zur Wirklichkeit

Kommentar von Eurosolar zum DESERTEC-Projekt

Antwort von DESERTEC auf Eurosolar

 

 

 

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*