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Das Grundeinkommen im deutschen Praxistest

 

Die Stuttgarter Breuninger-Stiftung will das Bedingungslose Grundeinkommen einem Realitätstest unterziehen. In Brandenburg und Stuttgart sind zwei Feldversuche zum Grundeinkommen nach dm-Gründer Götz Werner geplant: Je 100 Menschen sollen monatlich 800 Euro erhalten.

Wenn die Zeit einer Idee gekommen ist, wird auch der Unwillen der Politik sie nicht dauerhaft aufhalten. Dass die Bundesregierung dem Grundeinkommen in näherer Zukunft eine Chance geben wird, ist nicht sehr wahrscheinlich – trotz aller Petitionen und der Tatsache, dass uns die Realität ohnehin langfristig keine andere Wahl lassen wird.

Statt der großen Politik will deshalb nun eine Stiftung die Idee in der Praxis testen. Der Versuch der Breuninger-Stiftung soll zeigen, ob Menschen auch trotz des Grundeinkommens noch sinnvollen Tätigkeiten nachgehen, oder sich ganz der Faulheit hingeben, wie immer wieder behauptet wird.

 

Das Grundeinkommen startet 2010

Je 100 Teilnehmer an zwei deutschen Standorten sollen für zwei Jahre ein bedingungsloses und festes Grundeinkommen erhalten: monatlich 800 Euro netto, zuzüglich der Beiträge zur Sozialversicherung. Um das Ergebnis nicht zu verzerren, soll in zwei Testgebieten mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft getestet werden: Ein Versuch soll im wirtschaftlich starken Stuttgart stattfinden, der andere in einer strukturschwächeren Gemeinde in Brandenburg.. Losgehen soll es schon Mitte 2010. Teilnehmen können Hochschulabsolventen mit schlechten Jobperspektiven genauso wie Mütter nach der Babypause, Frührentner, Hartz-IV-Empfänger oder Langzeitarbeitslose.

Etwa sieben Millionen Euro soll das Projekt kosten – einen Teil davon kann die Stiftung selbst aufbringen, es sollen aber auch weitere Stiftungen dazu bewegt werden, sich an dem Versuch zu beteiligen.

 

Zu kurz?

Fraglich ist, ob ein Versuch wie dieser tatsächlich viel über die Idee des Grundeinkommens aussagt, denn durch die kurze zeitliche Begrenzung ist es kein besonders realistisches Szenario. Einerseits ist für manche die Versuchung, diese Zeit als eine Art „bezahlten Urlaub“ zu sehen vielleicht tatsächlich vorhanden. Bei anderen wiederum dürfte vielmehr die Angst vor der Zeit nach dem Versuch genau das verhindern, was das Grundeinkommen eigentlich will: angstfreie Entscheidungen ermöglichen. Darüber hinaus fehlt natürlich die gesamtgesellschaftliche Einbindung, so dass ein wirkliches Umdenken der Teilnehmer eigentlich fast nicht möglich ist.

Realistischer wäre sicherlich eine Laufzeit von mindestens 10 Jahren – das wäre allerdings für eine Stiftung tatsächlich unbezahlbar. Und in zehn Jahren sollte das Grundeinkommen eigentlich eh schon Realität für uns alle sein. Erst bei einem solchen Zeitraum ist es aber realistisch anzunehmen, dass sich die Teilnehmer eine wirkliche Aufgabe suchen. In zwei Jahren kann man weder einen Beruf erlernen, noch wirklich etwas aufbauen, so dass man zwangsläufig immer auf die Zeit nach dem Versuch ausgerichtet bleibt. Kaum jemand wird viel Zeit und Energie in eine Idee investieren, wenn absehbar ist, dass sie aus wirtschaftlichem Druck nach wenigen Monaten wieder aufgegeben werden muss. Und dass man dann auch wieder einen „Geld-Job“ braucht, oder sich mit der Arbeitsagentur rumschlagen muss.

Deshalb: Schön, dass man es ausprobiert – aber wahrscheinlich viel zu kurz. Vielleicht ergibt sich trotzdem ein positives Ergebnis.  Und hoffentlich können wir dann auch schon bald auf die Einführung des Grundeinkommens zurückblicken wie die Menschen in diesen schönen Videos.

 

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