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Islands Wähler haben dem politischen Establishment bei den Kommunalwahlen in Reykjavik den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt. Mit 34.7% gewann eine aus Musikern, Schauspielern und Comedians bestehende Spaß-Partei die Wahlen und schrammte dabei nur zwei Sitze an der absoluten Mehrheit vorbei.

Die Partei, deren Name sich grob mit „Die Beste Partei“ übersetzt, trat mit dem Wahlslogan „Egal was klappt“ an und hatte vor allem eine zentrale Forderung: Eisbären für den städtischen Zoo! Parteivorsitzender Jon Gnarr, der bekannteste Comedian Islands, steht nun kurz davor Bürgermeister Reykjaviks zu werden.

Der Sieg kam für alle überraschend. Gnarr sagte, das Ergebnis habe eine „neue Option für die Politik eröffnet“, er müsse nun „an der Infrastruktur der Partei arbeiten, damit die Leute eine Chance haben zu verstehen, wofür die beste Partei steht und was die Vorzüge dessen sind, was wir ‚Anarcho-Surrealismus‘ nennen“. Und er werde natürlich umgehend anordnen, ein Eisbären-Gehege im Zoo errichten zu lassen.

Schock für die etablierte Politik

Für die etablierten Parteien ist das Ergebnis ein Schock. Ein deutlicheres Zeichen, dass die Isländer genug von einem gebrochenen politischen System haben, hätten sie kaum setzen können. Alle Hoffnungen, dass die beste Partei nur Spaß macht, räumte Gnarr gleich nach der Wahl aus: Er werde es bis zum Ende durchziehen, dies sei der beste Weg den „lächerlichen Zustand des traditionellen politischen Systems“ zu entblößen.

Island ist eines der Länder, die bisher am härtesten von der Finanzkrise getroffen wurde. Die Krise sprengte ein nationales Bankensystem, dass mit Kreditgeschäften etwa das 10-fache des isländischen BIP umsetzte. Im Zuge der Krise wurden ein Netz an Verflechtungen von Politik und dem Bankensektor und weit verbreitete Korruption enthüllt, was das Vertrauen in die Politik massiv erschütterte. Die Wahlentscheidung der Isländer zeigt, dass sie offenbar trotzdem noch Humor haben.

 

 

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