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Es klingt wie eine Meldung zum ersten April, passiert aber tatsächlich: 40 US-Milliardäre haben sich verpflichtet, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Auslöser des zwar längst überfälligen aber doch unerwarteten Schrittes ist eine Initiative von Microsoft-Gründer Bill Gates und Investoren-Legende Warren Buffet. Die „The Giving Pledge“ getaufte Initiative sammelt selbst kein Geld ein, möchte aber mehrere hundert der 403 US-Milliardäre dazu bewegen, große Teile ihrer Vermögen für beliebige wohltätige Zwecke zu spenden. Und 40 haben jetzt schon eingewilligt.

„Wir haben gerade erst angefangen, aber das Feedback ist bereits riesig“, äußerte sich Warren Buffet erfreut. „Mit der Initiative wollen wir auch eine Debatte über Reichtum anregen, über Vermögen und den Umgang damit. Wir sind froh, dass sich so viele Menschen daran beteiligen und sogar weit mehr geben wollen als das Minimum von 50 Prozent ihres Vermögens.“

Umdenken?

Was ist denn da passiert? Haben die Herrschaften tatsächlich eingesehen, dass 50 Milliarden Dollar auf der Bank keinen sinnvollen Nutzen erfüllen? Oder wollen sie im Angesicht eines drohenden Wirtschaftszusammenbruchs doch lieber noch etwas Sinnvolles mit ihrem Geld anfangen, bevor es einfach verschwindet? Sollte die Kluft zwischen Arm und Reich nun langsam aber sicher auch für Herrn Gates ein Stück zu weit auseinanderklaffen? Hat ihm gar vielleicht jemand Drogen in sein Getränk getan? Man weiß es nicht. Aber es scheint, diese Zeit ist immer wieder für eine Überraschung gut. Und vielleicht erleben wir hier tatsächlich die ersten Wellen eines allgemeinen Umdenkens.

Früh kommt die Einsicht jedenfalls nicht, schon im Jahre 1889 schrieb Andrew Carnegie in seinem Buch „Das Evangelium des Reichtums“: „Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande“ und regte andere Reiche dazu an, ihr Vermögen sinnvollen Zwecken zuzuführen. Und das Prinzip des Teilens ist ohnehin so alt wie die Menschheit – vielleicht setzt es sich jetzt ja endlich mal durch.

 

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5 Responses

  1. Z.A.Müller

    Besten Dank für Punkt 2 und 3.

    Unsere konservativen Zeitungen pflegen Geberlaune:

    – Selbst das Denkmal sein. Interview über spendende Milliardäre. Der Ökonom Birger Priddat im Gespräch mit Harry Nutt über das Verständnis von Stiften und gesellschaftlicher Teilhabe in den USA und der Bundesrepublik. In: Frankfurter Rundschau vom 10.8.2010

    – Knut Bergmann: Ehre, wem Ehre gebührt. Eine andere Anerkennungskultur könnte auch in Deutschland mehr Menschen zum Mäzenatentum motivieren. Allerdings gilt auch beim Geben: Gemeinsam erreicht man mehr. In: Die Welt vom 16.8.2010

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  2. WellenbeobachterHH

    Ich stimme Z.A. Müller 100%ig zu. So löblich es vielleicht auch sein mag, dass sich in den Köpfen der Protagonisten ein positiver Wandel vollzogen hat – gilt hier ganz besonders:

    1. sicher ist das keineswegs, denn die Dinge sind nicht immer so, wie sie nach Außen hin den (schönen) Anschein haben. Das Wesen der Aktion kann auch ganz anders sein (Eigenpromo, Imagekampagne, Rettung des Nominalwertes, bevor er ganz der Inflation anheimfällt und weitestgehend verfällt), nämlich sehr eigennützig und egoistisch

    2. die Gelder gehen zunächst einer Stiftung zu, welche diese erneut an den internationalen Finanzmärkten anlegt, um sie kapitalistisch zu verwerten. Es müssen also erstmal wieder Menschen ausgebeutet werden, bevor dann endlich die Gewinne an soziale Projekte gehen.

    3. das gespendete Kapital liegt nicht allein in der Geldform vor. Es dürfte Jahre dauern, bis alles verkauft, also in die Geldform zurück verwandelt werden konnte, um es dann der Stiftung zukommen zu lassen, anstatt es direkt zu spenden, was wirklich kurzfristig Menschen in der Krise helfen könnte. Von unbürokratischer Hilfe kann keine Rede sein.

    4. die Geschäftsmodelle der Spender laufen weiter. Sie können die Spenden in den USA zu 100% absetzen, entscheiden also quasi, ob sie Steuern zahlen oder spenden. Damit verlagert sich die Verfügungsgewalt von den (zumindest formal ) demokratisch legitimierten Institutionen auf die Willkür der Reichen, die dann über den (zumindest groben) Sinn und Einsatz der Gelder entscheiden

    Fazit: auch wenn es hoffentlich positive Effekte haben wird…es mutet gerade irrational an, das Problem von Arm und Reich genau mit der Logik (Verwertung des Wertes) lösen zu wollen, welche das Problem ursächlich geschaffen hat!!!

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  3. cali

    ach die ganzen multis haben doch nur angst vor dem wütenden mob der sie bestenfalls enteignen wird.. bzw der politischen kehrtwende.. für mich hört sich das alles nur nach einer taktik an, die auch verbrecher kurz vor der verurteilung nutzen um weniger haft zu bekommen: beichten und reue zeigen… gebet den leuten den kleinsten teil mit dem sie leben können.. und schön ruhig bleiben sie… das is doch alles nur ne riesen show…………..

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  4. Z.A. Müller

    Alle betreffenden „Wohltäter“ ließen nicht verlauten, dass sie etwas ändern wollen an ihrer Geld-Erwerbsmethode. Mit einer Änderung moralicher Werte hat das Ganze also nichts zu tun.
    Es gibt keinen Grund, sich über solche Spenden zu freuen; sie sind die Fortsetzung des amerikanischen Welfare-Systems, welches u.a. ein gigantisches Steuerentzugs- und -vermeidungssystem ist. Es ist auf wachsende Armut geradezu angewiesen und trägt zum Abbau des Sozialstaats bei, wie auch zur Privatisierung des öffentlichen Sektors bzw. (Gemeinde-)eigentums.
    Vielleicht kann investigativer Journalismus herausfinden, um welche „wohltätigen Zwecke“ es sich handelt, wer davon letztlich profitiert und worin der Nutzen für die „Spendenen“ besteht.
    Ob das Ganze „besser“ ist als die „Strafzahlungen“, die bspw. Bill Gates an die EU zahlte, ist noch fraglich. Auch von diesem Geld wäre spannend zu wissen, wo es blieb.

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  5. Looking

    Hmm, wenn man sich ausserhalb der Mainstreammedien über die tatsächlichen Zustände, Hintergründe und Sachverhalte in der Welt informiert kommt man nicht umhin, sich sofort nach dem Haken zu erkundigen. Denn der ist irgendwo zu finden, da bin ich mir sicher.
    Die inneren Zustände in den USA sind teilweise katastrophal.
    Dennoch bliebe abzuwarten wohin, in welche Organisationen etc. die Spendengelder fliessen sollen…
    Wenn man an Bill Gates (weitgehend unbekannte) Äusserungen über notwendige Bevölkerungsreduzierung etc denkt, sieht man die „tolle“ Spendenaktion und überhaupt alles mit endlich geöffneten, kritischen Augen.

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