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„Jede Person, jeder Ort und jedes Objekt wird verknüpft sein“

Die mexikanische Großstadt Leon will zur sichersten Metropole der Erde werden. Ein großes Netz aus Iris-Scannern, das Kriminelle, aber auch unbescholtene Bürger auf Schritt und Tritt verfolgt, soll dieses gewagte Unterfangen bewerkstelligen. In einer zentralen Datenbank werden zunächst nur Kriminelle automatisch erfasst. Alle anderen Bürger, die von Vorteilen wie bargeldlosem Bezahlen ohne Karte oder sonstigen identitätsbezogenen Services profitieren wollen, können sich freiwillig registrieren.

Die wahnsinnige Vision lässt diverse „Verschwörungstheorien“ wahr werden und liest sich wie eine gruseliger Science-Fiction-Albtraum.

 

In Europa undenkbar

„Ein derartiges Projekt ist in Deutschland bzw. Europa angesichts des vorherrschenden Datenschutzrechts nicht denkbar“, erklärt Dietmar Müller, Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten, im Gespräch mit pressetext. Der allgemeine Datenhunger sowie die technische Entwicklung schreite aber au ch hierzulande rasant voran. Dazu komme, dass viele sehr großzügig – etwa in sozialen Netzen – mit ihren Daten umgehen, warnt Müller.

Auch das mexikanische Projekt setzt abgesehen der verurteilten Rechtsbrecher zunächst auf Freiwilligkeit. Das südamerikanische Biometrie-Unternehmen Global Rainmakers, das für die Bereitstellung der Iris-Scanner verantwortlich zeichnet, lässt aber keinen Zweifel an der künftigen Marschrichtung. „Jede Person, jeder Ort und jedes Objekt werden in zehn Jahren miteinander verknüpft sein“, so der Chefentwickler Jeff Carter im einem Interview mit Fast Company.

 

Verweigerung keine Option

Carter ist optimistisch, dass in Zukunft ohnehin alle mitmachen werden. „Wenn ein Großteil der Leute freiwillig mit dabei ist, hilft es wenig sich zu verweigern. In Wahrheit zieht man in so einem Fall mehr Aufmerksamkeit auf sich, als wenn man nur Teil des Systems ist“, meint Carter. Banken, Telcos, aber auch Facebook verfolge den Großteil des Privatlebens jedes Einzelnen bereits jetzt, ist sich Carter sicher.

Bei den Scanner kommen Geräte unterschiedlicher Größe zum Einsatz. Die sogenannte Hbox, die etwa auf Flughäfen eingesetzt wird, kann 50 Personen pro Minute scannen. Kleinere Scanner erfassen zwischen 15 bis 30 Personen pro Minute. Als Besonderheit gilt, dass auch Personen im Vorbeigehen erfasst werden können. Ein Stehenbleiben beim Scannen soll nicht notwendig sein.

 

Iris als Universal-Schlüssel

Neben dem Sicherheitsaspekt sollen alle Bürger von der biometrischen Identifizierung profitieren. Die eigene Iris fungiert dabei als Universal-Schlüssel, der Reisepass, Bankomat- und Kreditkarte oder auch ein Zugticket obsolet macht. Aber auch die Werbewirtschaft darf sich freuen. Der gesamte Zyklus einer Marketingmaßnahme, von der Google-Websuche am Beginn bis zum Kauf des Produkts in einem realen Geschäft kann zukünftig individuell zurückverfolgt werden – so zumindest die Vision des Biometrieunternehmens.

 

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