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Langsam blicken sie durch: Ganz nach dem Vorbild von Bhutan, wo die Mehrung des Bruttonationalglücks schon seit Längerem die oberste Maßgabe aller politischen Entscheidungen ist, erwägt nun auch eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten, ob das Bruttoinlandsprodukt künftig durch einen Glücksfaktor erweitert werden sollte.

BIP ist kein sinnvoller Maßstab mehr

Derzeit wird der Erfolg der Lebensgemeinschaft Deutschland durch das BIP gemessen – das heißt dem wirtschaftlich umgesetzten Geld. Ob dies für Panzer, Fast Food oder Kindergärten ausgegeben wird, ist dabei unerheblich.

So langsam dämmert es wohl auch den Bundestagsabgeordneten, das man damit kaum irgendwas messen kann, was man wirklich Erfolg nennen kann. Viel wichtiger ist doch die Frage: Wie geht es den Menschen? Sind wir glücklich?

Und so gibt es im Bundestag nun tatsächlich eine Glückskommission, die nun eine Alternative zum BIP finden oder dieses zumindest um einen Glücksfaktor ergänzen soll.

„Dieser Indikator soll Richtschnur für die Politik werden, um zu zeigen, wo steht unsere Gesellschaft, geht es den Menschen besser oder schlechter“, sagt die SPD-Politikerin Daniela Kolbe, die der Glückskommission vorsitzt. Der Faktor solle „die subjektiv von den Menschen erfahrene Lebensqualität und Zufriedenheit“ abbilden und damit ein realistischeres Bild davon zeichnen, ob Politik erfolgreich ist, oder nicht.

BIP ist kein Maßstab für Wohlergehen

Das Gleiche hat man auch auf Europaebene schon erkannt: Das BIP kann durchaus steigen, während die Menschen immer unglücklicher werden. Die EU-Kommission erklärte schon vor Jahren das BIP allein sei „nicht länger eine maßgebliche Größe des Wohlergehens“ – und sucht seither ebenfalls nach einer Möglichkeit, das Glück zu messen.

Wie misst man Glück? Was macht Menschen glücklich? Wie kann man Glück fördern? Vielleicht ist es nun wirklich bald soweit, dass sich unsere Politiker mal ernsthaft mit diesen Fragen auseinandersetzen.

Bis dahin arbeitet nun immerhin schon eine kleine Glückskommission im Hinterzimmer an solchen Dingen – ob und wann deren Ergebnisse in die Politik einfließen werden, wird die Zeit zeigen. Letztlich liegt es aber auch an uns allen, uns nicht länger mit dem Status Quo abzufinden, sondern zu sagen: „Wir sind menschliche Wesen, keine Produktionsfaktoren und Konsumenten! Wir haben ein Recht auf Glück, Selbstentfaltung und Freiheit!“

 

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Bild: Armin Kübelbeck /wikimedia

 

 

Eine Antwort

  1. WellenbeobachterHH

    …dann müsste die „Glückskommission“ – wenn sie es ehrlich meint – derart viele Dinge auf den Prüfstand stellen – da bliebe hier nicht viel übrig. Wirklich Freiheit liegt außerhalb der Marktwirtschaft. Würde sie die abschaffen wollen? Wenn ja, dann müsste Geld abgeschafft werden. Logischerweise. Diese Idee wurde hier ja auch schon in einigen Artikel zu Recht vorgestellt.

    Hier gibt es nichts mehr zu reformieren. Man bräuchte schon eine ernsthafte Revolution, um Kapitalismus in eine höhere Gesellschaftsordung zu transzendieren.

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