Anzeige

Was ist der Maßstab einer erfolgreichen Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik? Viele Jahre galt der materielle Erfolg als das höchste Ziel und war deshalb auch alleiniger Maßstab – zum Beispiel in Form des Bruttoinlandsprodukts.

Angeführt vom kleinen Staat Bhutan, wo die Mehrung des Glücks seit einigen Jahren das oberste Ziel allen politischen Handelns ist, scheint das materielle Denken nun in vielen Staaten langsam in die Mottenkiste zu wandern. Nun weht auch in der UN der leise Wind eines neuen Bewusstseins: Eine neue UN-Resolution mit dem Titel „Happiness: towards a holistic approach to development“ fordert alle Nationen auf, Glück als wichtige Größe zu berücksichtigen, wenn sie sozialen oder wirtschaftlichen Fortschritt messen und bewerten. Was wäre auch mit einer reichen aber unglücklichen Gesellschaft erreicht?

Bruttonationalglück

Bhutan feiert die Resolution als Erfolg für ihr Konzept des „Bruttonationalglücks“, das Land hatte auf eine entsprechende Resolution gedrängt. Nun ist Glück offiziell Teil der Millenniums-Ziele der UN und überhaupt erstmal ein Gesprächsthema, das vielen Diskussionen einen neuen Rahmen geben kann. Auch wenn man sich praktisch gesehen in den nächsten Jahren nicht allzu viel von der Resolution versprechen sollte, kann die Resolution als Symptom eines Bewusstseinswandels angesehen werden, der nicht mehr zu übersehen ist.

Die Glücksforschung verbreitet sich derzeit immer weiter und ist längst bis in den politischen Mainstream vorgedrungen. Auch in Frankreich, Deutschland und Großbritannien gibt es immerhin kleine Kommissionen, die sich mit dem Thema befassen. Es könnte der zaghafte Beginn eines Umdenkens sein, der unsere Gesellschaft wieder in die Realität zurückholt und Grundlage für eine Gesellschaft von Menschen bietet, die sich als Gemeinschaft versteht – mit dem Ziel gemeinsamen glücklich zu leben.

 

Mehr Artikel zum Thema

Wir müssen Glück fordern: Warum das BIP kein sinnvoller Maßstab mehr ist

Die Glücksforschung in die Praxis umsetzen

Bundestag erwägt Einführung eines Glücksfaktors

Die Verfassung Bhutans — Auszüge

Bruttonationalglück

Statt EU-Vertrag lieber die Verfassung Boliviens

Bhutans Ministerpräsident fordert Glück statt Geld

 

Eine Antwort

  1. WellenbeobachterHH

    Zwar auch nur eine typisch bürgerliche Illusion, die sich an die nächste reiht…aber sie hört sich verbal zumindest netter an.

    Illusion deshalb, weil das sagt Nullkomma gar nichts aus. Nur weil ich den Indikator ändere mit dem ich etwas messe, ändert sich ja nicht die Sache, selbst dann nicht, wenn ich zur Messung andere Parameter heran ziehe. Angenommen „Das neue Glücksbarometer“ zeigt nach unten, weil man endlich realisiert Kapitalismus beutet Menschen aus. Was will die Regierung dann machen? Kapitalisten mit Geldstrafen drohen? Einsperren? Verprügeln? Neue Gesetze erlassen und das verbieten? Oder etwa die Gewerbegenehmigung entziehen und Firmen schließen? Dann nehmen sie noch weniger Steuern ein als eh schon. Die ökonomischen Gesetze des Kapitals lassen sich von anderen Messwerkzeugen, Messparameter oder auch Messmethoden nicht im Geringsten beeindrucken.

    Einzig allein eine Überwindung des Kapitals und der warenförmigen Produktionsweise an sich könnten den Weg frei schaufeln für echtes Glück in Freiheit. Wird das die UN anregen? Wohl kaum, wenn da weiterhin nur die gut bezahlten Vertreter des internationalen Kapitals sitzen…wie gesagt, eine nett klingende Illusion.

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*