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Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat heute ein bahnbrechendes Urteil gefällt: Honig, der mit Pollen des Gen-Maises MON 810 verunreinigt ist, darf nicht in den Verkehr kommen. Das hat nicht nur Auswirkungen für den Honigmarkt in ganz Europa, sondern auch für die Zukunft des Gentechnik-Anbaus. Grund für das Urteil, das „Rechtsgeschichte“ schreiben wird ist die Klage eines einzelnen Imkers.

 

Imker gegen Bayern

Der süddeutsche Imker Karl-Heinz Bablock hatte 2005 in seinem Honig Spuren von des Genmais MON 810 nachgewiesen, den das Land Bayern zu Testzwecken neben seinen Bienenkörben angebaut hatte. Dieser Mais ist zwar als Tierfutter, nicht aber als Nahrungsmittel zugelassen, da die Auswirkungen auf den Menschen bisher ungeklärt sind. Bablock hatte den Honig daraufhin vernichtet und vor Gericht auf Schadenersatz geklagt. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof gab den Fall wegen ungeklärter Rechtslage an den EuGH weiter.

Dieses bestätigte nun die Auffassung des klagenden Imkers: Jedes Lebensmittel, das Material aus genmanipulierten Pflanzen enthält, unterliegt dem europäischen Gentechnikrecht. Es darf ohne Sicherheitsprüfung und Zulassung nicht in den Verkehr gebracht werden. Das gilt auch dann, wenn nur geringfügige Mengen ungewollt in den Honig oder andere Lebensmittel gelangt sind.

Damit weist der EuGH die Auffassung der EU-Kommission zurück. Sie vertritt die Ansicht, der Honig benötige keine Zulassung, da die Verunreinigung unbeabsichtigt und ohne menschliches Zutun in den Honig gelange. Imker ebenso wie Landwirte, die Gentechnik ablehnen, müssten demnach unerwünschte Rückstände in ihren Produkten in Kauf nehmen. Da Verunreinigungen nicht zu verhindern sind, wäre der Gentechnik Tür und Tor öffnet.

„Gentechnikfreie Landwirtschaft und Agro-Gentechnik können nicht nebeneinander existieren„, sagt auch der Greenpeace-Biologe und Gentechnikexperte Dr. Dirk Zimmermann. „Bienen unterscheiden nicht zwischen genmanipuliertem und anderem Blütenstaub. Am Ende landet der Gen-Pollen im Honig und somit auch auf dem Butterbrot der Verbraucher.“

Nun bleibt zu klären, wie Imker entschädigt werden sollen, wenn sie ihren Honig nicht mehr verkaufen können. Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner kann vor den Problemen, die Gen-Pflanzen für die Imker verursachen, nicht länger die Augen verschließen. Sie muss jeglichen weiteren Anbau von riskanten genmanipulierten Pflanzen unterbinden und sich stärker für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Landwirtschaft einsetzen, fordert Zimmermann.

 

Urteil mit Folgen

Der Fall zeigt noch einmal, dass es ein Irrtum ist zu glauben, dass der Anbau von Gen-Gemüse – auch nur zu Testzwecken – keine Auswirkungen auf die Natur habe. Tatsächlich zeigt die Erfahrung in Amerika und Asien, dass die gentechnische Verunreinigung nicht aufzuhalten ist – bis hin zu unserer Nahrung.

Nach dem Urteil wird der Anbau solcher Pflanzen in der EU zu einem berechtigten Risiko: Verunreinigungen sind nicht zu vermeiden, nun aber steht der Gen-Industrie eine Reihe von Schadensersatz-Klagen bevor.

Noch ist nicht abzusehen, welche Bedeutung das Urteil für Honig aus aller Welt hat. Deutschland importiert 80 Prozent seines Honigs, einen Großteil davon aus Gentechnik-Anbauländern wie Argentinien, Brasilien oder Kanada. Große Teile des gehandelten Honigs könnten ihre Verkehrsfähigkeit einbüßen: In diesen Ländern findet Gen-Pollen, der nicht für Lebensmittel zugelassen ist, zuverlässig seinen Weg in den Honig – ob es Pollen von Biosprit-Gen-Pflanzen ist oder von Gen-Pflanzen im Versuchsanbau.

 

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Text mit Material von Greenpeace.de

Eine Antwort

  1. Jesus

    Ich mf6chte mich bei ALLEN bedanken, die miolthegfen haben, dass dieser Anlass durchgeffchrt werden konnte. Mein Dank richtet sich genauso an all die Imker und Imkerinnen (die den Weg nach Grangeneuve unter die Re4der genommen haben), wie den beiden Referenten Jochen Pflugfelder und Vincent Dietemann (die das Ganze sehr kompetent und kurzweilig geleitet haben), als auch an all die helfenden He4nden, die im Verborgenen gewirkt haben. Es braucht alle, damit ein solcher Anlass gelingen kann.Herzlichen Dank.Ich denke, der Weg, den wir gehen sollten ist aufgezeigt worden und es wird uns einiges an Arbeit, Ideen, Mithilfe und Zeit kosten, diesen gemeinsam zu erwandern.Packen wir es an. Dabei sollten wir nicht vergessen, zwischendurch inne zu halten um zu reflektieren, ob wir noch auf dem richtigen Weg wandern und Pausen einzulegen, damit uns der Atem nicht ausgeht.Ich ze4hle auf Eure Mithilfe.

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