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Der Crash von 2008 hat gezeigt: Wenn Akteinkurse fallen, ist das die eine Sache, aber wenn große Banken fallen, ist es eine ganz andere. Bisher sonnten sich die Banken in der Gewissheit, sie wären „zu groß, um pleite zu gehen“ und gingen entsprechende Risiken ein – faktisch konnten sie immer darauf zählen, dass die Regierungen sie bei Fehltritten retten würden, weil ihr Scheitern das ganze System gefährden würde.

Angst bei den großen Banken

Nun zeichnet sich ab, dass dieser Kurs vielleicht nicht beibehalten werden kann und die Angst vor dem Scheitern von Großbanken geht um. Das Interbankengeschäft wird immer schwieriger, denn die Banken leihen sich gegenseitig kein Geld mehr. Die Bank of China hat Geschäfte mit einigen europäischen Banken aus Angst vor einem Crash ganz gestoppt.

Das sehen sogar die sonst eher schönfärbenden Rating-Agenturen mittlerweile auch global nicht anders: Moody stufte gerade US-Banken-Riesen wie Bank Of America und Citigroup herab, was deren Aktien kurzzeitig in den Sturzflug schickte. Die Begründung: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat die Institute im Falle von Schwierigkeiten retten könne, sei immer geringer. Moodys rechnet also mit der Pleite von Großbanken. Und wahrscheinlich zu Recht: Die Bilanzen fast aller Banken stecken voller Sprengstoff.

Die Ratingagentur S&P hatte gerade schon Italien als Staat herabgestuft – die drittgrößte Wirtschaft Europas – und stufte nun auch noch sieben italienische Banken herunter. Acht weitere könnten in naher Zukunft herabgestuft werden. Auch wenn man von Ratings halten mag, was man will: Eine solche Serie von Bedeutsamen Herabstufungen lässt erahnen, wie es um das System steht.

Der IWF meint: „In den vergangenen Monaten sind die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems erheblich gestiegen.“ Und das tun sie auch weiterhin.

Crash-Potenzial steigt

Die Bruchstellen werden immer größer. Nicht nur sind diverse europäische Länder nahe an einem Bankrott, auch für die Großbanken wird es langsam ernst.

Das Analysten-Team von Leap2020 schreibt dazu:

„Zwei einfache Ideen sind dabei, sich bei den Eliten und den öffentlichen Meinungen in Euroland durchzusetzen:
1. Die Rettung von privaten Banken trägt nichts zur Überwindung der Krise bei.
2. Es ist unabdingbar, dass die „Märkte“, was nichts weiter ist als eine Umschreibung der großen Finanzinstitute von Wall Street und der [Londoner] City, für ihre Risiken einstehen und nicht weiter darauf vertrauen können, von den Regierungen gerettet zu werden.

Jeden Tag überzeugen diese einfachen Überlegungen mehr Menschen, gewinnen mehr Unterstützung. Natürlich löst dies bei den Banken und Investoren an Wall Street und in der City Panik aus. Diese Ideen haben die Zündschnur in Brand gesteckt, die im vierten Quartal [2011] die Kernschmelze der globalen Finanzwerte auslösen wird.“

Die Kernschmelze wurde ja nun schon einige Male angekündigt und ist bisher ausgeblieben. Was sich jedoch abzeichnet, ist ein schleichender Verfall und Untergang des gängigen Systems. Und das wird mittlerweile auch ganz öffentlich in allen Medien diskutiert.

Wie viel Sinn macht es noch, für und in einem System zu arbeiten, dass keine Zukunft hat? Und was sind die Alternativen? Wenn dieses System geht, was kommt danach? Was ist wirklich wichtig?

5 Responses

  1. WellenbeobachterHH

    Hier als Ergänzung noch der Bezug zwischen drei aktuellen geschichtlichen Ereignissen – dem Papstbesuch, dem interview der Bundeskanzlerin in der ARD und dem heute beschlossenen EU-Rettungsschirm:

    http://www.hh-violette.de/politik/des-papstes-rotkappchen-und-der-bose-wolf.html

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  2. WellenbeobachterHH

    IRRTUM. Es gibt keine echten „Alternativen“ innerhalb der Logik des Kapitals. Echte Freiheit liegt außerhalb von Marktwirtschaft / Kapitalismus durch Abschaffen der Warenform und damit des Wertschöpfungsdenkens an sich.

    Nur durch das Hin- und Her-Schieben von Geld entsteht kein Wert und somit kein Mehrwert. Das jahrzehntelange Verlängern von Kreditketten durch Umschuldung und Finanzderivate, um das mangels Wachstum dennoch am Laufe zu halten, funktioniert nicht ewig, weil darunter im Kern die Wertschöpfungskrise der 1970er Jahre liegt. Die hat sich seit dem sogar noch drastisch vergrößert, was bei der Diskussion, wie in diesem Artikel stets ausgeblendet bleibt.

    Die Form des Geldes (Bargeld, Giralgeld, Regionalgeld, Freigeld, Weltgeld) spielt dabei überhaupt keine Rolle, denn Geld zirkuliert selbst und ändert damit ständig seinen Wert durch die Dynamik des Kapitals und seines Selbstzwecks der Verwertung des Wertes durch „abstrakte Arbeit“. Erst das hat geschichtlich zum Neoliberalismus und seiner „Deregulierung der Finanzmärkte“ geführt

    Jetzt wird der ganze Budenzauber nur noch notdürftig durch das Verlagern auf Staatskredite zusammengeflickt. Sobald auch das kollabiert (wie in den 70er Jahren auch) wird es spannend, wie man darauf reagieren wird.

    Die Logik der Marktwirtschaft (kapitalistische Produktionsweise!!!) geht geschichtlich so oder so dem Ende entgegen. Die inneren Widersprüche differenzieren sich aus und lassen sich immer weniger verbergen. Die Wahrheit kommt ans Licht. Alle Versuche das zirkulationstheoretisch verkürzt zu denken und lösen zu wollen sind typisch kleinbürgerliche Illusionen und Ideologien (Zinskritik, Regionalgeldbewegungen, Geldreformbewegung usw.). Ebenso blind diesbezüglich sind Ideen der „Postwachstumsökonomie“ oder einer „Gemeinwohlökonomie. Solange die Produkte des Menschen der Warenform unterliegen, ändert sich grundlegend gar nichts.

    Mein Lesetipp zu Fachartikel und Büchern: exit-online(.)org

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  3. Bianca

    Die Alternativen, wenn dieses System geht, liegen natürlich im Bereich der Spekulation. Wenn wirklich fertige Pläne in den Schubladen liegen, sollten wir uns aber auch selbst mit den Alternativen beschäftigen – denn wie sollen wir erkennen ob uns dann vernünftige Alternativen geboten werden oder nur wieder neue haarsträubende Lügen … wie bei der Einführung des Euro etwa.

    Es muss zwar nicht so kommen, Gefahren sehe ich aber auch:

    http://www.wissensmanufaktur.net/abschaffung-des-bargeldes

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  4. defg

    Ich selbst arbeite in einer Bank, kann daher einige Dinge, die hier geschrieben stehen ganz gut einschätzen. Schön wäre es natürlich, wenn es schon einen geheimen Plan gäbe für ein neues System….

    Doch ich stelle mit zunehmendem Erschrecken fest, dass es den Banken i.d.R. nur um die Verteidigung der eigenen Position geht. Das heißt jeder schaut wie komme ich hier gut durch? Wie kann ich meine derzeitige Machtposition noch weiter ausbauen oder zumindest halten? Die Ego-Komponente spielt eine enorme Rolle.

    Und nach wie vor handeln viele Banker so als müssten sie die Risiken im Ernstfall nicht tragen, weil der Staat ja einspringen wird… Da jede Bank so handelt ist es verständlich, dass Ratingagenturen zu dem Schluss kommen, dass diese Risiken nicht mehr durch Staaten getragen werden können. Auch in Anbetracht der Verschuldung einzelner Staaten ist das nicht mehr möglich.

    Ein weiterer Schritt, die Einlagensicherung hat die Grenze bis zu der die Einlagen privater Kunden gesichert sind von 1,5 Mio. EUR auf etwa 440 TEUR herab gesetzt… Das sind mal locker 1 Mio. EUR weniger, auch hier bin ich skeptisch, ob das wirklich der Realität entspricht.

    Es gibt viele Zeichen… eine Lösung oder gar einen Plan, nein, den gibt es nicht! Sollte es zu einem Crash kommen wird jeder nur noch auf sich schauen und versuchen zu retten was zu retten ist. Wie auch immer das dann aussehen mag.

    Der Mensch denkt erst um, wenn Dinge wirklich an der Wand kleben… und keine Sekunde davor. Leider.

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  5. abacab

    ‚Und was sind die Alternativen? Wenn dieses System geht, was kommt danach? Was ist wirklich wichtig?‘

    Ich bin überzeugt, daß fertige Pläne schon in diversen Geheimtresoren lagern.
    Die Plumpheit und Schamlosigkeit mit der dieses Sytem gegen die Wand gefahren wird, läßt m.E. keine andere Schlußfolgerung zu.
    Wirklich wichtig wäre nur zu wissen, wie sehen diese neuen und schon vorhandenen Pläne aus.

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