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Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands bezahlen Anleger den Bund dafür, ihm Geld leihen zu dürfen. Der deutsche Staat verdient Geld mit dem Schuldenmachen: Am 09.01 lieh der Bund sich 3,9 Milliarden Euro bei Anlegern. Anders als normal musste er für den Kredit jedoch keine Zinsen zahlen, sondern bekam nach Reuters-Berechnungen eine Prämie von rund 242.000 Euro von den Anlegern obendrauf. Der Grund: Erstmals in der Geschichte waren die Zinsen für Bundeswertpapiere mit kurzen Laufzeiten negativ.

 

Suche nach sicheren Geldanlagen

Was wie völliger Irrsinn aussieht, ist tatsächlich weit weniger verrückt, wenn man die aktuelle Lage der Finanzmärkte bedenkt. Anleger sind derzeit fieberhaft auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihr Geld mit möglichst geringen Verlusten anzulegen. Das sagt natürlich einiges darüber aus, wie desolat die Lage wirklich ist.

Während Länder wie Spanien also mittlerweile horrende Zinsen für ihre Anleihen bieten müssen, geht es Deutschland andersherum, da Deutschland in Europa zusammen mit Dänemark als der sicherste Ort gilt. Vor dem Ausbruch der Systemkrise 2008 betrug der Zins für deutsche Anleigen noch über drei Prozent und sinkt nun ständig.

Geld wird also nur noch geparkt: Das Geld überhaupt wiederzubekommen ist wichtiger, als etwas für das Geld zu bekommen. Auch bei der EZB parkt derzeit viel Geld – 464 Milliarden Euro zu 0,25 Prozent Zinsen. Das zeigt einerseits, dass die Angst an den Märkten groß ist und andererseits, dass die Banken völlig aufgehört haben, sich gegenseitig zu vertrauen. Denn normalerweise würden Banken „überschüssiges“ Geld nicht zu solch miesen Konditionen parken, sondern es sich gegenseitig leihen. Nun aber trauen sich die Banken nicht mehr über den Weg.

Eine solche Situation gab es zuletzt 2008 – kurz vor der Lehmann-Pleite.

 

 

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