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Marshall B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, wurde am 6. Oktober 1934 in Ohio, Usa, geboren. Nach dem Umzug der Familie nach Detroit war er bereits als Kind mit lang andauernden, schweren Rassenkonflikten konfrontiert, in denen über 30 Menschen umkamen. Rosenbergs Familie war so verängstigt, dass sie drei Tage lang das Haus nicht verließ – ein Ereignis, was sich tief in das Gedächtnis des Kindes einbrannte. Hinzu kam, dass er aufgrund seines jüdischen Nachnamens in der Schule beleidigt und misshandelt wurde. Aber zur gleichen Zeit erlebte er auch seinen Onkel, der stets mit freundlicher Anteilnahme die Großmutter pflegte. Sind wir gut oder böse? – Der kleine Marshall begann, über die Menschen nachzudenken.

Später formulierte er seine Überlegungen mit zwei Fragen: “Was geschieht genau, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns schließlich gewalttätig und ausbeuterisch verhalten? Und umgekehrt, was macht es manchen Menschen möglich, selbst unter den schwersten Bedingungen mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben?”

Die Suche der Antworten auf diese Fragen prägen fortan Rosenbergs Leben und Werk. Er promoviert 1961 in Psychologie und wird 1966 zum offiziellen Prüfer in klinischer Psychologie. Inspiriert durch die Arbeit Carl Rogers und dessen klientenzentrierter Gesprächstherapie, wird ihm bewusst, dass die Art, wie wir mit uns selbst und anderen reden, ein wichtiger Schlüssel für das menschliche Miteinander ist.

Rosenbergs entwickelt schließlich die GFK, die Gewaltfreie Kommunikation, die auf der Kernthese basiert, dass erfolgreiche Kommunikation und friedliche Beziehung nur im echten empathischen Kontakt gelingen. Die Erfolge, die er mit der Gewaltfreien Kommunikation erzielte – etwa bei der Vermittlung in interkulturellen Konflikten in Israel und bei klärenden Gesprächen mit rebellierenden Schülern und revoltierenden Häftlingen – sprachen für sich.

Rosenberg selbst sagte, dass sein Konzept nichts Neues beinhalte: „Alles, was in die GFK integriert wurde, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, das wir bereits kennen – nämlich daran, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war.“ Die Ziele der GFK liegen in der Auflösung der alten Muster von Verteidigung, Rückzug und Angriff. Durch Interesse am Wunsch des Gegenübers, durch das Nachempfinden desselben könnten Wertschätzung und Verständnis entstehen.

Die GFK (englisch: Nonviolent Communication – NVC) stellte sich als wirkungsvolles Werkzeug bei persönlichen, beruflichen und politischen Konflikten heraus und wurde als Methode zur Verbesserung des zwischenmenschlichen Miteinanders weltbekannt. Marshall Rosenberg machte es sich zur Lebensaufgabe, in jedem Land 10 Trainer auszubilden, die die GFK weitergeben und verbreiten. Sie wird inzwischen von über 300 Trainern weltweit gelehrt und in Familien, Schulen, bei der Psychotherapie und in der Beratung, in Organisationen und Firmen und bei diplomatischen und geschäftlichen Verhandlungen angewandt.

GFK mit Wolf und Giraffe

Über drei Jahrzehnte unterrichte Rosenberg die GFK selbst. Dabei veranschaulichte er seine Methode mithilfe der Handpuppen Wolf und Giraffe, die die beiden Sprachmodelle zu demonstrieren.

Die Giraffe gilt als Vorbild für die gelungene GFK, sie spricht die Sprache des Herzens und beherrscht die lebendige Kommunikation. Sie kann die Kommunikationssituation einschätzen, spricht offen über ihre Gefühle und Bedürfnisse, sie ist einfühlsam, handelt und kommuniziert verantwortlich und kann mit einem Nein umgehen.

Der Wolf dagegen spricht die „Herrschaftssprache“, er zeigt stattdessen lieber „die Zähne“, aber keine Gefühle, er riskiert nichts, wertet ab, klagt an und lehnt die Verantwortung an der Situation ab. Somit ist die Wolfssprache oft die Sprache der Gewalt. Ziel in Konflikten wäre es also, aus jedem Wolf eine Giraffe zu machen.

Im folgenden Video „Liebst du mich“? kann man Marshall Rosenberg noch ienmalin Aktion mit Wolf und Giraffe erleben (deutsche Untertitel kann man über die Youtube Einstelleiste aktivieren):

Marshall Rosenberg lebte zuletzt heute mit seiner Frau Valentina in Albuquerque, New Mexico, Usa. Am 7. Februar 2015 verstarb er friedlich im Kreis seiner Familie.

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