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San Francisco, das Tor zum Silicon Valley, verbietet Coffee-to-go-Becher und hat damit einen weiteren Schritt zu einem ehrgeizigen Ziel gemacht: Die amerikanische Stadt mit ihren 865.000 Menschen möchte als erste Stadt der Welt im Jahr 2020 müllfrei sein.

Angesichts einer explodierenden Bevölkerungszahl und immer größer werdenden Mülldeponien haben San Franciscos Politiker 2002 beschlossen, dass ihre Stadt bis zum Jahr 2020 müllfrei sein soll. Schon jetzt bringt „Recology“, die beauftragte private Firma in Arbeitnehmerhand, einen Großteil des Mülls in die Wiederverwertung: Papier, Dosen und Plastikflaschen. Sämtliche organischen Materialien werden kompostiert und als Dünger  verkauft. Auch für die Baubranche gilt, dass ausschließlich recycelte Materialien für die Straßendecken verwendet werden. Neben dem Verbot von dem Coffee-to-go-Becher untersagte San Francisco außerdem den Verkauf von kleinen Plastikflaschen sowie die Ausgabe kostenloser Plastiktüten in Geschäften. Schon jetzt landet anteilig weniger Müll auf der Kippe als in jeder anderen Stadt der Vereinigten Staaten.

Mit dem Verbot von Coffee-to-go-Bechern und anderen Styropor-Produkten, dass zum 1. Januar 2017 in Kraft tritt, kommt die Stadt ihrem Ziel, bis 2020 müllfrei zu sein und 100 Prozent zu recyceln, einen großen Schritt näher. Styropor ist in den USA (noch) weiter verbreitet als in Europa und wird dort für viele Wegwerfprodukte wie Kaffeebecher und Einweggeschirr verwendet. Weil das Material extrem leicht ist und schnell in kleine Teile zerfällt, wird es oft mit dem Wind in Gewässer und Meere geweht. Meereslebewesen und Seevögel nehmen den Kunststoff dort oft mit oder anstelle der Nahrung auf; viele verenden daran.

Laut Schätzungen von Umweltexperten werden pro Jahr weltweit rund 23 Milliarden Einwegbecher verkauft – und anschließend zu Müll, weil die leeren Becher aufgrund der isolierenden Kunststoffbeschichtung nicht wie normales Papier recycelt werden können und auf der Müllhalde landen – wo bei der Verbrennung jede Menge Methan und CO2 freigesetzt wird.

In Deutschland landen nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) jährlich 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher im Müll. Pro Tag wären das 7,6 Millionen oder 320.000 Stück pro Stunde. Wie viele Ressourcen das kostet, hat die Umwelthilfe ebenfalls ausgerechnet: Für die Herstellung sind unter anderem 1,5 Milliarden Liter Wasser, 64.000 Tonnen Holz und 22.000 Tonnen Rohöl nötig, denn Recyclingmaterialien dürfen für Lebensmittelverpackung nur eingeschränkt verwendet werden. Der Energieverbrauch entspricht dem jährlichen Strombedarf einer Stadt mit 100.000 Einwohnern.

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Eine Antwort

  1. Der Webwandler
    step by step ohhhh baby

    Oslo soll in einigen Jahren autofrei werden:
    https://www.wired.de/collection/latest/die-innenstadt-von-oslo-soll-komplett-autofrei-werden

    Alllllllllerdings sind solche Effekte quantitativ ein Witz, der sich allein durch seine Vorbildwirkung hervorhebt.

    San Francisco liegt nicht weit von Los Angeles, LA hat nicht mal ein brauchbaren öffentlichen Nahverkehr und daher echt viel Luftverschmutzung mit 12 bzw. 18 Mio Einwohnern. Und auch das ist nur eine Stadt auf der Welt, und…

    ja und so weiter. Lokal ist es bestimmt ganz nett, auch als Standortvorteil, die etwas teureren Ökohandys werden sich weiterverteilen. Aber mal ehrlich, Symbolik verliert gegen Logik, und eine dieser Logiken heisst nun mal Eigennutz.

    So lange die Menschen nicht zu viel von solchen Maßnahmen erwarten ist das ja alles ok.

    Nur eine Art Müll werden die Menschen nicht los. Im Tenderloin Viertel gibt es wie in vielen Straßen Amerikas komplette no-go-Zonen, wenn man da nicht beraubt wird, rutscht man wahrscheinlich auf den Spritzen aus, human waste ist da etwas, dass in seinem tiefen Maß an Drogenelend kaum im Schland bekannt ist:

    https://www.youtube.com/results?search_query=tenderloin+san+francisco+drugs+

    Die creative industries, die „Loha“s, die „Bobo“s, all diese Lifestyle Gruppierungen die die Gentrifizierung für sich gepachtet haben werden mit dem Ökostadtumbau zufrieden sein, aber das sind eben nicht alle.

    Zehntausende Studierende sind in dem Bundesstaat obdachlos, wohnen in Autos oder bei Bekannten weil sie die Miete dank ihrer Studienkredite nicht zahlen können.
    https://duckduckgo.com/?t=disconnect&x=%2Fhtml&q=kalifornien+student+obdachlos+studienkredite&ia=web

    Gegen die Todesstrafe konnten sich die Ökos auch nicht durchsetzen. Die Steppe Kaliforniens dört weiter aus, denn die Städte haben massive Wasserprobleme, L.A. kauft angeblich schon Grundstücke um die ihnen zustehenden Wasserkontingente zu erhöhen.

    Was lässt sich sozial über San Franscisco sagen? Bilden sich andere Formen des zusammenlebens heraus?
    Wenn ich mir Friscos schwule Chrystal Meth Parties ansehe (YT, vice.com?) befürchte ich, dass es um Fragen wie Freundschaft im anything goes capitalismus recht eng bestellt ist. Vice hat einen Typen begleitet, der als einziges Kleidungsstück eine Socke um seinen Penis trägt und davon lebt, dass er seine Freier online anturnt, dass er sich Spritzen setzt.

    Bei sowas wird der Glaube an vielfalt bei mir auf die Probe gestellt, vielleicht ist es wirklich ok.

    Ansonsten ist dieser postmoderne Kram nur ein tolles Gimmick wie der Schalldämpfer für einen kurdischen Scharfschützen: Nice to have, aber nicht mehr.

    Wer an einem ausführlichen Talk über die Wirtschaft des guten Gewissens interessiert ist, kann den folgenden Link als Sprungbrett nutzen um mit einem mp3 vielleicht nicht durch den Raum, aber doch durch die Zeit zu reisen: https://tinyurl.com/gp26htk.

    Also anschnallen und ab into the future!!!

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