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In Almere in den Niederlanden wird an dem ersten Dorf gebaut, das sich komplett selbst versorgt. Das sogenannte ReGen-Village soll in den Bereichen Nahrungsmittel-, Wasser- und Energieversorgung und natürlich Müllentsorgung komplett versorgungsunabhängig und Ende 2017 bezugsfertig sein.

Der Strom stammt von regenerativen Energien, das Essen wächst in Gewächshäusern vor der eigenen Haustür, das Wasser wird direkt in der Nachbarschaft gesammelt, und der Müll ist kaum existent, weil es eine nahezu vollständige Kreislaufwirtschaft gibt. Was sich nach einer fernen Utopie anhört, wird in Almere in den Niederlanden seit dem Sommer 2016 in die Praxis umgesetzt. Mit dem ReGen-Village wird an dem ersten Dorf gebaut, dass in den Bereichen Nahrungsmittel-, Wasser- und Energieversorgung und natürlich Müllentsorgung komplett autark sein soll. Das regenerative Dorf soll in 18 Monaten bezugsfertig sein und bis zu 100 Bewohnern in 25 Häusern Platz bieten.

Das Dorf ist so angelegt, dass Wohnbereiche und jene, die zur Versorgung genutzt werden, unmittelbar in Berührung stehen – anders als heute in Städten üblich, wo Wohnen und Produzieren weit voneinander entfernt stattfinden. Die 25 unterschiedlich großen Wohnhäuser (durchschnittlich 120 Quadratmeter Wohnfläche) des Modell-Dorfs werden im Kreis angeordnet, während Gewächshäuser, Gärten, Weiden und Aquaponics im Zentrum liegen – umgeben von Gemeinschaftseinrichtungen wie einem Spielplatz, einem Park und einem Schwimmbad. Auch mit selbst produziertem Ökostrom geladene Elektroautos soll es geben.

Die Selbstversorgung im ReGen-Village

Wie funktioniert die Selbstversorgung? Der Erfinder des ReGen-Village, der US-Amerikaner James Ehrlich hat zusammen mit dem dänischen Architektenbüro „Effekt“ die vier Kreisläufe Lebensmittel, Energie, Wasser und Müll zu einem komplexen autarken System kombiniert.

Für das Essen gibt es im ReGen-Village zahlreiche Produktionsstätten: normale saisonabhängige Gärten, über den 120 Quadratmeter Wohnfläche bietenden Gebäuden installierte, beheizte Gewächshäuser, Vertical Farms, Viehhaltung und Aquaponik. Bei Aquaponik handelt es sich um eine Fischzucht, die mit Pflanzenanbau in Hydrokultur kombiniert wird, indem die Exkremente der Fische als Dünger für die Pflanzen genutzt werden. Gefüttert werden die Fische mit Fliegenlarven.

Da die Fliegen sich genauso wie die zur Fleischproduktion gehaltenen Nutztiere von kompostiertem Abfall ernähren, überschneiden sich an dieser Stelle die Kreisläufe der Nahrungsmittelproduktion und der Müllentsorgung.  Der unkompostierbare Bestandteil des Mülls wird dagegen zur Energieproduktion verbrannt – die nächste Überschneidung im Kreislaufsystem des ReGen-Village. Die restliche benötigte Energie soll durch Solaranlagen und Biogasanlagen gedeckt werden. Überschüssige Energie wird gespeichert und versorgt das Dorf, auch wenn gerade keine produziert wird.

Eine Aquaponic-Anlage benötigt nur etwa ein Zehntel des Wassers, das konventionelle Landwirtschaft verbraucht. Weil beim Vertical Farming in die Höhe gegärtnert wird, ist der Ertrag zehn bis zwanzig Mal höher als auf einer durchschnittlichen Ackerfläche. Besonders effizient soll der Anbau zudem sein, weil er auf erdlose Aeroponik- und Permakultur setzt. Mit dem neusten Stand der Agrartechnik wollen die Macher des Zukunftsdorfes einen zehnfachen Ernteertrag mit 90 Prozent weniger Wassereinsatz erzielen.

Auch der Flächenverbrauch soll sinken. Lediglich 639 Quadratmeter Land soll zur Versorgung einer dreiköpfigen Familie genutzt werden. Nach Angaben der Effekt-Architekten wird aktuell bei herkömmlicher Landwirtschaft mit 8.100 Quadratmetern ein Vielfaches davon benötigt werden.

Da der Andrang auf das Dorf groß ist – es haben sich bereits 6.500 potentielle Bürger als Bewohner beworben – planen die Macher des ReGen-Village ähnliche Projekte in Dänemark, Norwegen und Deutschland.

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6 Responses

  1. Max
    Die richtige Richtung

    Mich interessiert nur, warum wieder nur die Effizienz optimiert werden soll und nicht auch die Gesundheit? Warum muss sich denn immer alles rentieren? Habe wir nicht bereits vor etlichen Jahren den Punkt überschritten, an dem ein steigendest Wirtschaftswachstum mehr Nutzen als Kosten bringt? Für mich ist das Dorf der Zukunft nicht eines, das sich selbst versorgt, sondern eines, dass einen komplett neuen Standart in Richtung Gesundheit setzt.
    Dieser Entwurf ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch unlängen vom „Dorf der Zukunft“ entfernt.
    Fahrräder statt E-Autos, keine Nutztierhaltung oder eine, die den Nutztieren ihre natürlichen Nahrungsquellen ermöglicht (Gras).
    Zudem sollten sich die Löhne angleichen, sodass handwerkliche, körperlich schwere und reinignde Tätigkeiten gleichermaßen entlohnt werden, wie Bürojobs(siehe Norwegen).
    Wie gesagt, ein schöner Ansatz und der richtige Weg, doch vieles wird meinerseits noch vermisst.

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  2. Hans Riebe Riebesehl
    Informiert mich !

    Wo gibt es Infos zur geplanten Umsetzung in DE ?
    Da hätte ich gerne Informationen !
    hansriebe@gmx.de
    Danke,

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  3. Nico
    Ökobilanz?

    Eine schöne Idee, vor allem um den wirtschaftlichen und ökologischen Folgen der Globalisierung und des Kapitalismus entgegenzuwirken. Allerdings fragt man sich auch hier (ähnlich bei den E-Autos), welche Ökobilanz die Herstellung und Wartung dieses Dorfes, Anlagen usw. aufweisen. Ab wann rentiert sich ein solches Dorf?
    Werden die Bewohner des Dorfes die anfallenden Arbeiten selbst durchführen?
    Wo finde ich Informationen bzgl. der geplanten Umsetzung in DE?
    LG Nico

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    • EuroTanic

      Sehr gute Fragen Nico. Alle die sich im Status Quo „selbstversorgen“ haben sich vorher mit Energien von Aussen vollgepumpt (Brain, Rohstoffe, Maschinen…). Auch später wird, wie sie richtig vermuten, das Enrgieniveau von aussen zugeführt „hochgehalten“ (Wartung, Brain, Rohstoffe, Maschinen). Ein Taschenspielertrick. Ein guter zwar, aber ein Trick.

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