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Die Non-Profit-Organisation (NPO) GiveDirectly plant in Kenia den weltgrößten Versuch, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Dann werden rund 26.000 Menschen in kenianischen Dörfern 12 Jahre lang an einem Experiment teilnehmen, das zeigen soll, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen am besten funktioniert.

In der Schweiz ist ein Volksentscheid zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens 2016 abgelehnt worden. Trotzdem bleibt die Frage der Schweizer Aktivisten bestehen: „Was würdest Du tun, wenn für Dein Einkommen gesorgt wäre?“ Damit brachten die Schweizer Befürworter zugleich die größten Chancen und die größten Risiken eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) auf den Punkt. Gäbe es ein Grundeinkommen, würden dann alle faul zuhause bleiben – oder würde unsere Gesellschaft im Gegenteil aufblühen, weil sich jeder nach den eigenen Vorstellungen frei entfalten kann?

Es gibt bereits seit Jahrzehnten immer wieder Experimente, um diese und andere Fragen zu klären, bei denen einigen Menschen eine Zeit lang ein Grundeinkommen gewährt wird. Finnland ist nur das jüngste Beispiel: Zum Jahreswechsel startete dort ein Testlauf mit 2000 Arbeitslosen, die zwei Jahre lang 560 Euro im Monat bekommen. Nun plant die Non-Profit-Organisation (NPO) GiveDirectly, die sich auf bedingungslose Geldtransfers spezialisiert hat, das weltweit größte Experiment bedingungsloses Grundeinkommen. Sie will 26 000 Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglichen. In Kenia sollen insgesamt 300 Dörfer an dem Experiment teilnehmen. Kosten soll das Ganze auch nur rund 30 Millionen Dollar.

Das ist möglich, weil das durchschnittliche Einkommen in Kenia nur 0,75 Dollar am Tag beträgt – also grob umgerechnet 20 Euro im Monat. Die 300 Dörfer, die an dem Experiment teilnehmen, sollen in vier Gruppen aufgeteilt werden. Und die erhalten nicht alle dasselbe. Eine Kontrollgruppe aus 100 Dörfern erhält gar kein Grundeinkommen, 40 bekommen die 75 Cent am Tag über ganze zwölf Jahre monatlich ausbezahlt. Die beiden anderen Gruppen zu je 80 Dörfern erhalten ebenfalls 75 Cent am Tag – allerdings nur für zwei Jahre. Bei einer von beiden erfolgt die Auszahlung des Geldes zudem nicht monatlich, sondern auf einen Schlag.

Da das Experiment wissenschaftlich begleitet wird, werden verschiedene Daten wie sozioökonomischer Hintergrund, Lebensstil, Risikobereitschaft oder Lebenseinstellung erfasst. Herauskommen soll eine detaillierte Übersicht, welche Form des BGE den größten Nutzen bringt, erste Ergebnisse erwarten die Initiatoren schon nach ein bis zwei Jahren.

Ganz sicher ist der Start des Experiments noch nicht: Derzeit sind lediglich 23,7 Millionen Dollar der angepeilten 30 zusammengekommen. Wer will, kann auf der Website der NPO für den BGE-Versuch spenden. Zu den größten Geldgebern von GiveDirectly zählen „Google.org“, die Wohltätigkeitstochter des Suchmaschinenriesen, die Effektiven Altruisten von „GiveWell“ sowie die Wohltätigkeitsstiftung „Good Ventures“. Auch der Ebay-Gründer Pierre Omidyar unterstützt das Experiment bringt sich mit etwa einer halben Million Dollar ein.

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