Wenn es nach der EU-Kommission geht, sollen in Europa bis zum Jahr 2050 mehr als 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen kommen.

Die EU-Kommission möchte eine klimaneutrale EU bis 2050: Wenige Tage vor der Klimakonferenz in Kattowitz (3. bis 14. Dezember 2018) legt sie eine langfristige Strategie vor, die das Ziel einer klimaneutralen EU bis zum Jahr 2050 festschreibt. Klimaneutral heißt, dass nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden dürfen, als durch natürliche oder künstliche Kohlenstoff-Speicher aufgenommen werden können. Bis dahin wird es ein langer Weg werden, das muss EU-Kommissionsvize Maros Sevcovic auch mit Blick auf bisherige Klimaziele zugeben:

„Die Maßnahmen, die wir jetzt schon eingeführt haben, die werden  auch nach 2030 noch wirken, aber sie werden nur zu einer Reduktion von 60 Prozent bis 2050 führen. Das ist für die EU zu wenig, um zu den Zielen von Paris, die Erderwärmung zu reduzieren, beizutragen.“

Damit die Erderwärmung auf unter zwei Grad, besser nur 1,5 Grad begrenzt werden kann, müssen also mehr Anstrengungen unternommen werden. Die EU-Kommission skizziert Szenarien für mehrere Sektoren. Was also ließe sich in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen, bei der Gebäudedämmung verändern, um Klimaneutralität zu schaffen?

Die Kommission moniert, dass gegenwärtig fossile Energien wie Erdöl, Gas oder Kohle für mehr als 75 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU sorgen. Im Jahr 2050 sei daher anzustreben, dass mehr als 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Als Schwerpunkt auf dem Weg zur Klimaneutralität wird die Gebäudedämmung genannt. Im Jahr 2015 hätten Gebäude mehr als 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs ausgemacht. Gegensteuern ließe sich zum Beispiel mit intelligenten Gebäude-Einrichtungen, die den Strom nach Bedarf regulieren können.

Die EU-Kommission rechnet außerdem vor, dass jährlich aktuell zwei Prozent der Wirtschaftsleistung in Strom und Energieinfrastruktur gesteckt würden. Dieser Beitrag müsste auf bis zu 2,8 Prozent klettern. Das wären dann bis zu 575 Milliarden Euro zusätzliche Ausgaben im Jahr. Das Geld soll vor allem aus der Wirtschaft kommen.

Die Kommission sieht ihr Strategiepapier als Impulsgeber für eine tiefgreifende, wirtschaftliche Transformation, die sozial gerecht ausgestaltet werden soll und auf sinkende Gesundheitskosten und neue Arbeitsplätze setzt. Klimakommissar Miguel Arias Canete zeigt aber auch die Grenzen des neuen Vorschlags auf: „Die Strategie sieht nicht vor, neue Maßnahmen einzuleiten, auch sollen die Klimaziele von 2030 nicht revidiert werden. Wir wollen die Richtung der Klimapolitik und einen Rahmen vorgeben, für eine langfristige Strategie, die helfen soll, die Klimaziele von Paris umzusetzen.“

Die Klimaziele von Paris einzuhalten, scheint allerdings schon jetzt mit den mittelfristigen Zielen der EU schwierig zu werden. Der Umweltverband WWF kritisiert, wenn die EU bei den bisherigen Zielen und Maßnahmen für 2030 stehen bleibt, dann würde sie bis 2050 nur 60 Prozent einsparen können. Bis 2030 ist bislang vorgesehen, die C02-Emissionen um mindestens 40 Prozent zu senken.

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