Bei einem Kohlendioxidausstoß von noch 480 Gigatonnen besteht eine 50-zu-50-Chance, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Wieviel Kohlendioxid darf die Menschheit noch in die Atmosphäre pusten, bis der „Point of no Return“ erreicht ist? Forscher vom Imperial College in London haben berechnet, wie viel weiteres Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen darf, um die Klimaziele einhalten zu können und die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Klimaschutz verlangt vorausschauendes und vor allem rechtzeitiges Handeln, denn das Treibhausgas Kohlendioxid ist in der Atmosphäre ziemlich stabil. Das hat zur Folge, dass ein CO2-Molekül, das heute dort oben ankommt, für Hunderte, gar Tausende Jahre unseren Planeten aufheizen wird. Deshalb arbeiten Forscher seit einiger Zeit mit dem Konzept eines sogenannten Treibhausgas-Budget. Das Budget soll aufzeigen, wie viel des langlebigen Kohlendioxids und anderer Treibhausgase die Menschheit noch ausstoßen kann, wenn sie die Erwärmung auf 1,5 oder 2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzen will.

Zahlreiche Studien haben in den vergangenen Jahren zu ergründen versucht, wie groß dieses Treibhausgas-Budget noch sein dürfte. Wichtig dabei ist, dass die weltweite Durchschnittstemperatur bereits um ein Grad gestiegen ist: Bleibt also weniger Spielraum für den noch verbleibenden CO2-Ausstoß. Das 1,5-Grad-Ziel gilt als ausgesprochen schwierig zu erreichen, dafür müsste später in diesem Jahrhundert wohl in großem Stil CO2 aus der Atomsphäre entfernt werden. Neben dem Einsatz technischer Geräte könnte die massenhafte Aufforstung mit Bäumen eine Rolle spielen.

Die Forscher vom Imperial College in London bringen nun etwas Systematik in die verschiedenen Schätzungen für das verbleibende Treibhausgas-Budget. Dabei beziehen sie auch bisher unterschätzte Faktoren wie das verstärkte Auftauen des arktischen Permafrosts und die daraus resultierende Freisetzung von zusätzlichem Kohlendioxid mit ein. Damit dürfte der Spielraum, den die Menschheit noch hat, kleiner werden als bisher gedacht.

Auch die aktuelle Arbeit liefert kein definitives Ergebnis, wie viel Treibhausgase die Menschheit noch ausstoßen darf, wenn sie die Ziele des Klimavertrags von Paris einhalten will. Die Forscher arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten. Sie haben ausgerechnet, dass bei einem Kohlenstoffausstoß von noch 480 Gigatonnen eine 50-zu-50-Chance besteht, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Zur Einordnung: Aktuell pustet die Menschheit weltweit etwa 41 Gigatonnen CO2 pro Jahr in die Atmosphäre.

Blieben die Emissionen also auf dem derzeitigen Stand, ist das verbleibende Treibhausgas-Budget nach zwölf Jahren aufgebraucht. Andere Studien hatten das verbleibende Budget für das 1,5-Grad Ziel zum Teil höher angesetzt. Unsicherheiten ergeben sich unter anderem aus der Frage, welche Rolle bei der Erderwärmung Emissionen von anderen Treibhausgasen wie Methan spielen. Hier gehen die Forscher davon aus, dass die für das Budget verfügbare Menge an CO2 je nach Entwicklung um 250 Gigatonnen größer oder kleiner sein kann.

Infos zur Studie: www.nature.com/articles/s41586-019-1368-z