Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen Jahren weiter beschleunigt. Dies berichtet der Weltklimarat in einem Sonderbericht zum Stand der Ozeane und der Eiswelten.

Beunruhigende Nachrichten: Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen Jahren laut Weltklimarat weiter beschleunigt. Von 2006 bis 2015 legte er mit fast vier Millimetern pro Jahr bedeutend schneller zu als in den Jahrzehnten zuvor. Bis 2100 könnte sich der Anstieg im schlechtesten Fall noch einmal vervierfachen und insgesamt fast einen Meter erreichen. Das ist das Ergebnis des Sonderberichts des Weltklimarats zum Stand der Ozeane und der Kryosphäre (Eiswelten).

Das Papier warnt zudem vor dem Absterben von Ökosystemen und vor einer starken Erwärmung der Meere. Weltweit würden die Eismassen schmelzen: An den Polen, aber auch in Gebirgen und Permafrostböden. Annahmen und Prognosen von vielen Klimaforschern haben sich bestätigt oder sogar zugespitzt. Für den Bericht arbeiteten sich mehr als hundert Forscher aus 36 Ländern zwei Jahre lang durch Tausende Untersuchungen – allein 7000 Studien tauchen als Referenzen in dem Report auf. Der Sonderbericht ist damit eine Art Metastudie, bei der sich die Forscher auf den aktuellen Stand gebracht haben. Er soll auch der Politik Druck machen. Im Dezember 2019 treffen sich die Staats- und Regierungschefs wieder zur jährlichen Uno-Klimakonferenz, um das Weltklimaabkommen umzusetzen.

„Für den Anstieg des Meeresspiegels macht es einen Unterschied, ob wir 1,5 oder 2 Grad Erwärmung haben“, erklärt einer der Autoren. Drei Faktoren kommen zusammen:

  • Einerseits erwärmt sich das Meer durch den globalen Temperaturanstieg – an der Ozeanoberfläche bis heute schon um etwa ein Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.
  • Durch die Erwärmung dehnt sich das Wasser aus, das Volumen der Meere nimmt dann zu.
  • Hinzu kommen die Zuflüsse aus abschmelzenden Gletschern, die durch die Flüsse ins Meer fließen, und der Eintrag durch Eisschilde in Polarregionen.

Doch nicht überall steige der Meeresspiegel gleich an – es gebe sogenannte Hotspots, beispielsweise in den tropischen Regionen – dort ist der Anstieg um etwa zehn Prozent höher als im Mittel – oder an der Ostküste der USA. Dort könnte der Anstieg sogar um 20 bis 30 Prozent stärker ausfallen. Auch wenn die regionalen Folgen im Südpazifik, Nordatlantik oder im Indischen Ozean unterschiedlich ausfallen, gibt es einen gemeinsamen Trend: In allen Weltmeeren steigt der Meeresspiegel an, der Sauerstoffgehalt geht fast überall zurück und der pH-Wert sinkt. Letzteres führt zu einer Versauerung der Weltmeere, was unter anderem zum Absterben von Meerestieren wie Korallen führt.

Zwar schlucken die Ozeane auch viel Wärme und CO2 und puffern dadurch die Folgen des menschengemachten Klimawandels ab. Es zeigt sich aber, dass die negativen Einflüsse klar überwiegen: Ob Tourismus, Fischerei oder küstennahe Lebensräume – schon jetzt kämpft man dort mit Verlusten. Einziger Gewinner ist die Schifffahrt, die nun über längere Zeiträume durch eisfreie Meere, etwa in der Arktis, schippern kann.

Dass der Meeresspiegel im Extremfall auch noch stärker steigen könnte, liegt laut Bericht vor allem an den Schmelzprozessen in der Antarktis. Der südlichste Eiskontinent gehört zu den gefährlichen Kipp-Elementen des Klimasystems. Wenn die Durchschnittstemperaturen zu stark steigen, könnten die Eismassen instabil werden und ins Meer abfließen. Dadurch könnte der Meeresspiegel sogar um bis zu drei Meter steigen.

Fakt jenseits von Prognosen ist: Der antarktische Eisverlust ist weiter gestiegen. Laut dem letzten Sachstandbericht von 2013 verlor der antarktische Eisschild zwischen 1992 und 2001 im Schnitt 147 Gigatonnen pro Jahr – von 2006 bis 2015 waren es nun schon 155 Gigatonnen jährlich. Das entspricht ungefähr dreimal dem Wasservolumen des Bodensees (enthält rund 50 Gigatonnen).

Den vollständigen Sonderbericht gibt es unter www.de-ipcc.de/252.php

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*