Die Welt ist in der Corona-Krise ein wenig ruhiger geworden. Seismologen aus verschiedenen Teilen der Erde berichten davon, dass ihre Seismometer weniger Hintergrundrauschen aufzeichnen.

Menschliche Aktivitäten haben in der Corona-Krise abgenommen, deshalb berichten Seismologen aus verschiedenen Teilen der Erde davon, dass ihre Seismometer weniger Hintergrundrauschen aufzeichnen. Entsprechende Messungen gibt es unter anderem aus Belgien, Italien, der Schweiz und von der US-Westküste. Die Welt ist in der Coronakrise ein wenig ruhiger geworden.

Das Hintergrundrauschen entsteht durch menschliche Aktivitäten, etwa durch Industriebetriebe, den Straßenverkehr, Flugzeuge oder eine Waschmaschine im Schleudergang. Es gibt auch natürliche Quellen für seismisches Hintergrundrauschen: Wellen im Meer etwa, erst recht, wenn Wirbelstürme sie aufpeitschen. Forscher nutzen das Hintergrundrauschen unter anderem dazu, mehr über das Innere der Erde zu erfahren.

Die Ruhe hat für die Forschung Vorteile: So berichten verschiedene Seismologen, dass sie jetzt auch seismische Wellen von kleineren oder weit entfernten Erdbeben besser erkennen können: „So wie man in einer Bibliothek sein Telefon besser hört als bei einem Rockkonzert, kann man Erdbeben besser erkennen, wenn das seismische Rauschen geringer ist.“

Ein Erdbebenforscher an der königlichen Sternwarte Belgiens in Brüssel machte als einer der Ersten auf das Phänomen aufmerksam. Der Website des Wissenschaftsmagazins Nature hat er erklärt, wie sich die Ruhe in der Praxis auswirkt: Ein Messgerät nahe der Erdoberfläche, das sonst oft stark durch menschliche Aktivitäten gestört werde, liefere derzeit ungefähr so gute Ergebnisse wie eines, das in einem hundert Meter tiefen Bohrloch abgeschirmt sei.

Für den Schweizerischen Erdbebendienst in Zürich sind die Messungen eine wundervolle Demonstration für den Einfluss des vom Menschen generierten seismischen Hintergrundrauschens. An den Messungen des Seismometers in Bern ist den Erdbebenforschern etwas besonders Interessantes aufgefallen: Nicht nur die Durchschnittswerte für die seismischen Störungen tagsüber haben abgenommen. Auffällig sei auch, dass das Lärmniveau in den Wochenendnächten deutlich niedriger sei als sonst: „Man kann sehen, dass die Leute ihre Aktivitäten im städtischen Wochenendnachtleben stark zurückgefahren haben.“

Von den ruhigen Wochen, die die Corona-Krise mit sich bringt, könnten wohl auch Physiker profitieren, die mit kilometerlangen Laserinterferometern nach Gravitationswellen suchen. Die Jagd nach diesen winzigen Erschütterungen der Raumzeit wird ebenfalls von irdischen Erschütterungen gestört. Doch die Forscher haben ihren aktuellen Suchlauf vorläufig beendet – aus Personalmangel.


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