Skandinavische Länder und Großbritannien gehören im Weltranking zu den besten Klimaschützern, das zeigt der Klimaschutz-Index von Germanwatch.

Schweden ist einsame Weltspitze beim Vermeiden von CO2-Emissionen und dem Voranbringen der Energiewende. Laut dem aktuellen Klimaschutz-Index der Organisation Germanwatch sogar das vierte Jahr in Folge. Schon 2030 könnte das Land klimaneutral werden. Der jährlich erscheinende Bericht bewertet die Klimapolitik der 57 emissionsstärksten Länder und der EU. Seit seinem ersten Erscheinen vor 15 Jahren sind die ersten drei Plätze frei, weil sich laut der Autoren kein Land ausreichend für die Begrenzung der Erderwärmung engagiert.

Unter den Gewinnern des Rankings sind auffallend viele skandinavische Staaten: Neben Schweden (Platz 4) auch Dänemark (Platz 6), Norwegen (Platz 8) und Finnland (Platz 11). Das dänische Parlament stimmte vergangene Woche dafür, künftig keine neuen Lizenzen für Öl- und Gasbohrungen zu vergeben. Das Land ist das größte Förderland der EU und will allein bis 2030 den CO2-Ausstoß um 70 Prozent senken und hat zusammen mit Schweden die weltweit strengsten Klimaziele. Erstmals ist auch Großbritannien unter den ersten fünf Plätzen. Der Gastgeber der nächsten Uno-Klimakonferenz rangiert gleich hinter dem Musterland Schweden (Platz 5). Besonders punktet das Land bei der Absenkung von CO2-Emissionen aber auch beim Ausbau von erneuerbaren Energien – und hohen Investitionen in Klimaschutz.

Deutschland hingegen liegt weit abgeschlagen auf Platz 19 – trotz Kohleausstieg und Klimapaket. Der für 2021 vereinbarte CO2-Preis war der Jury des Klimaschutz-Index zu wenig ambitioniert, um das Land zumindest unter die Top 10 zu heben. Immerhin verbesserte sich Deutschland im Vergleich zum Vorjahr von Platz 23 auf Platz 19. Noch vor zehn Jahren lagen die Deutschen im unteren einstelligen Bereich – fielen dann aber immer weiter zurück. Besonders besorgniserregend finden die Autoren den weiterhin hohen Pro-Kopf-Ausstoß und hohen Energieverbrauch der Deutschen. Auch beim Verkehr ist keine Trendwende zu erkennen. Im Gegenteil: Diesel und Benziner bleiben dominant trotz höherem Absatz von E-Autos.

Den letzten Platz und damit die schlechteste Gesamtnote bekommen die USA. Grund dafür ist nicht nur der Rückzug aus dem internationalen Klimaabkommen durch Präsident Donald Trump, sondern auch der mangelhafte Ausbau von erneuerbaren Energien. Das könnte sich nun aber unter dem neu gewählten Präsidenten Joe Biden wieder ändern. Auf den hinteren Plätzen sind außerdem noch jene Klimasünder, die weiterhin an ihrer Kohle-Öl- und Gasabhängigkeit festhalten: Saudi-Arabien (vorletzter Platz 60), Kanada (58), Australien (54) oder Algerien (43).

Seit 2005 bietet der Klimaschutz-Index jährlich ein unabhängiges Kontrollinstrument, um die Klimaschutzbemühungen der untersuchten Länder zu messen. Damit verbessert er die Transparenz in der internationalen Klimapolitik und ermöglicht einen Vergleich der Klimaschutzleistungen und Fortschritte der einzelnen Länder. Er betrachtet in den einzelnen Staaten vier Bereiche: Treibhausgas-Emissionen (40 Prozent der Gesamtwertung), Erneuerbare Energien (20 Prozent), Energieverbrauch (20 Prozent) und Klimapolitik (20 Prozent). Zudem wird die Frage beantwortet, inwieweit das jeweilige Land in den Bereichen Emissionen, Erneuerbare Energien und Energieverbrauch adäquat handelt, um die Pariser Klimaziele erreichen zu können.

Der vollständige Bericht: https://germanwatch.org/de/19552

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