Eine Langzeit-Studie der Universität Mainz zeigt: Das Vertrauen in die Medien ist am Ende des Corona-Jahres 2020 deutlich gestiegen.

Im Corona-Jahr 2020 ist das Vertrauen in die Medien gewachsen. Waren es im Jahr 2015 nur 28 Prozent, die den etablierten Medien vertrauten, stieg dieser Wert um das Doppelte auf 56 Prozent im Jahr 2020. Und es gibt auch weniger Menschen, die den Medien vorwerfen, sie systematisch zu belügen. Das geht aus den Daten einer Langzeitstudie hervor, die die Universität Mainz in Zusammenarbeit mit der Universität Düsseldorf im Jahr 2008 begonnen hat.

Das Vertrauen in die Medien nimmt offenbar in Krisenzeiten zu, lautet ein vorläufiges Fazit der Forscher. Ihre Studie ergab, dass die Menschen den etablierten Medien vertrauen, wenn es um Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren und politische Krisen oder Skandale geht.

In der Corona-Krise ging der Informations- und Orientierungsbedarf in der Bevölkerung offenbar mit wachsendem Vertrauen in die Medien einher. Nur 16 Prozent der Deutschen sagten im Jahr 2020, man könne den Medien „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ vertrauen, 28 Prozent äußerten sich ambivalent („teils, teils“).

Gesunken ist der Anteil an Menschen, die extrem kritisch bis feindselig auf die etablierten Medien blicken: Insgesamt bejahten elf Prozent der Deutschen die Aussage, dass die Bevölkerung in Deutschland von den Medien systematisch belogen werde. In den Vorjahren lag die Zustimmung zwischen 13 und 19 Prozent. Zwei Drittel weisen den „Lügenpresse“-Vorwurf in der neuen Befragung zurück – dies ist der bisher höchste gemessene Wert in der Langzeitstudie. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei anderen Aussagen. So stimmten im Jahr 2020 nur noch 15 Prozent der Aussage zu: „Die Medien arbeiten mit der Politik Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren.“ 2019 waren es 23 Prozent. Insgesamt weisen mehr Menschen als in den vergangenen Jahren Aussagen zurück, die den Medien absichtliche Manipulation vorwerfen.

Vertrauen in die Medien

Der Berichterstattung der etablierten Medien zur Corona-Pandemie bringen 63 Prozent der Deutschen großes Vertrauen entgegen. Lediglich zwölf Prozent schätzen die Berichterstattung als nicht vertrauenswürdig ein, 23 Prozent ordnen sich in der Mitte ein. 65 Prozent der 1200 Befragten gaben an, die Medienberichterstattung helfe ihnen dabei, zu verstehen, was gerade passiert. Nur 16 Prozent stimmten dieser Aussage nicht zu. Allerdings finden 26 Prozent, dass Informationen fehlen, und 21 Prozent haben den Eindruck, dass Medienberichte den Informationen widersprechen, die sie aus anderen Quellen erhalten haben. 25 Prozent der Deutschen findet die Berichterstattung zu Corona übertrieben. Diesen stehen 47 Prozent gegenüber, die das nicht so sehen. Bei vielen Menschen zeigt sich allerdings ein Überdruss am Thema und der medialen Berichterstattung: 40 Prozent finden, dass die Medien zu viel über Corona berichteten, 34 Prozent teilen diesen Eindruck nicht, 25 Prozent beziehen hier keine klare Position („teils, teils“).

Beim Vertrauen in unterschiedliche Mediengattungen zeigen sich in der Corona-Krise die gleichen Muster wie in den Vorjahren. Das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist mit 70 Prozent am größten (in den Vorjahren lag es zwischen 65 und 72 Prozent). Danach folgen Regionalzeitungen – diesen vertrauen rund zwei Drittel der Deutschen (Vorjahre: 63 bis 65 Prozent). Überregionalen Tageszeitungen vertrauen 56 Prozent der Bevölkerung (Vorjahre: 49 bis 55 Prozent). Das private Fernsehen (23 Prozent) und Boulevardzeitungen (7 Prozent) werden auch in der Corona-Krise nicht als besonders vertrauenswürdige Medien wahrgenommen.

Social-Media-Angebote werden von den meisten Deutschen auch in der Corona-Krise nicht als vertrauenswürdige Nachrichtenquellen angesehen. Nur fünf Prozent der Befragten vertrauen Nachrichten auf sozialen Netzwerken (Vorjahre: 3 bis 10 Prozent). Nachrichten auf Videoportalen finden zehn Prozent vertrauenswürdig (Vorjahre: 4 bis 8 Prozent). Und alternative Nachrichtenseiten halten 14 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für vertrauenswürdige Nachrichtenquellen (Vorjahre: 12 bis 14 Prozent). Auch geschlossene Gruppen auf Messenger-Diensten, deren Rolle in der Corona-Pandemie kontrovers diskutiert wird, halten nur fünf Prozent der Bevölkerung für vertrauenswürdige Nachrichtenquellen. Mit 53 Prozent weisen diese unter den Social-Media-Angeboten den höchsten Anteil an Befragten auf, die diese Nachrichtenquelle als nicht vertrauenswürdig empfinden.

Infos unter https://medienvertrauen.uni-mainz.de/

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Eine Antwort

  1. Ralf

    https://m.youtube.com/watch?v=wbrpc95SSUU&t=156s

    Kann nicht schaden, wenn man es anhört, rückt einige Dinge an die richtige Stelle.

    Antworten

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