Die Organisation The Ocean Cleanup hat nun mehr als 200.000 Kilogramm Plastik aus dem Pazifischen Ozean gefischt.

Seit 2013 verfolgt das Projekt The Ocean Cleanup eine Mission: Es will den Plastikmüll aus den Ozeanen fischen und sie so – wie der Name schon sagt – reinigen. 2021 konnte die Organisation in einer mehrwöchigen Testphase mit einem Plastikmüll-Fänger bereits knapp 29 Tonnen Plastikmüll von der Meeresoberfläche einsammeln. Bei dem Müllfänger handelt es sich um eine 800 Meter lange Netzkonstruktion, die von zwei Schleppern in U-Form langsam durch das Meer gezogen wird. Der Müll, der sich in den Netzen sammelt, wird auf die Schiffe geladen und an Land recycelt.

Jetzt hat The Ocean Cleanup eigenen Angaben zufolge einen weiteren Meilenstein erreicht: Die Organisation hat nun mehr als 200 Tonnen Plastik aus dem Pazifischen Ozean gefischt.

Das Great Pacific Garbage Patch im Pazifischen Ozean ist ein besonders für seine erhöhte Konzentration von Plastikteilen bekanntes Gebiet des Nordpazifikwirbels zwischen Nordamerika und Asien. Studien haben ergeben, dass sich dort auf einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern etwa 1,8 Billionen Plastikteilchen befinden.

Im Pazifischen Ozean treiben schätzungsweise 1800 Milliarden Müllteile mit einem Gesamtgewicht von 80 Millionen Kilogramm. Dagegen will die Non-Profit-Organisation des niederländischen Gründers Boyan Slat vorgehen. Der 28-Jährige entwickelte seinen Plan, die Ozeane und Meere zu säubern, bereits als er noch zur Schule ging.

Der erste Müllfänger von The Ocean Cleanup war im September 2018 von San Francisco aus in die See gestartet. Allerdings wurde die Anlage bei ihrem Testeinsatz beschädigt, weswegen sie den Müll nicht wie geplant festhalten konnte. Bei der Entwicklung des Projekts, das von Unternehmen und Universitäten unterstützt wird, gab es zahlreiche Fehlschläge. Zudem hagelte es insbesondere zu Beginn Kritik an der Effektivität und Nachhaltigkeit des Systems.

Bislang zeigt sich, dass das Projekt vergleichsweise uneffektiv ist. Nach Kritikermeinung verbrauche man viele Ressourcen, sei weder klimafreundlich noch nachhaltig orientiert. Fraglich sei auch, ob die Geräte den harschen Bedingungen der Meeresrealität über längere Zeit standhalten. Hinzu komme ein schwerer ökologischer Rucksack. Sönke Hohn, ein auf mathematische Modellierung spezialisierter Biologe am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung, ist einer der vielen Skeptiker des Ocean Cleanup. Letztes Jahr veröffentlichte Hohn in Zusammenarbeit mit Forschern aus dem England und Deutschland eine Analyse darüber, wie viel es kosten würde, wenn das Ocean Cleanup nur das schwimmende Plastik in den fünf größten Müllstrudeln einsammeln würde.

Hohn und seine Kollegen nahmen die derzeitige Menge an Plastik im Meer, addierten die jährlichen Einträge und verglichen sie mit der Menge an Plastik, die durch das erfolgreiche Pilotprojekt von Ocean Cleanup gesammelt wurde. Hohns Berechnungen ergaben, dass die Bemühungen des Ocean Cleanup in geschätzten 20 Jahren keine spürbaren Auswirkungen auf die Plastikmenge im Meer haben würden. Um auch nur einen Bruchteil von einem Prozent der Gesamtmenge zu reinigen, müsste das Ocean Cleanup bis 2150 ununterbrochen laufen. Selbst als Hohn die Flotte künstlich auf 200 Ozean-Filter vergrößerte, konnte das Projekt nur fünf Prozent des schwimmenden Plastiks auffangen.


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