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Irja Kass ist eine fröhliche, lebensmutige Frau, der man kaum ansieht, dass sie todkrank ist. Als sie nach einem überstanden geglaubten Brustkrebs Lebermetastasen bekam, gaben die Ärzte ihr nur noch wenige Monate zu leben. Das war vor fünf Jahren. Jörg Engelsing wollte wissen, was das Leben und die Hoffnung auf Heilung heute für sie bedeutet.

 

 

Seit ihrer Krebsdiagnose sieht Irja Kass das Leben mit neuen Augen. Aber auch den Tod, ihren ständigen Begleiter, lernte sie bei einer Grenzerfahrung 2008 in Thailand völlig neu kennen.

Sie hatte eine letzte Reise in ihr Lieblingsland unternommen, bei der sie acht Tage allein und hilflos in einem Bungalow lag. Wegen eines Hand-Fuß-Syndroms löste sich ihre Haut an mehreren Körperpartien ab. Vor Schmerz, Angst und Einsamkeit, Durst und Hunger verlor sie fast den Verstand und auch ihr Leben.

Als sie es nach unmenschlichen Strapazen endlich nach Hause schaffte, war sie so traumatisiert, dass sie niemandem darüber erzählen konnte. Stattdessen begann sie, das Geschehene niederzuschreiben. Entstanden ist ein offenes, spannendes Buch, das neben der eigentlichen Geschichte neuartige Einblicke in das Gefühlsleben eines todkranken, aber selbstbestimmten Menschen bietet, und den Leser wider Erwarten oftmals sogar zum Lachen bringt. „Das ganze Leben ist so absurd, da weiß ich oft auch nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Warum sollte es dem Leser anders gehen?“ sagt sie selbst dazu. Trotz des morbiden Titels „Tot auf Probe“ geht es in ihrem Buch weniger um den Tod als vielmehr um das Leben, in all seinen Facetten. Ein paar davon erläutert sie im Interview.

Als man dir vor fünf Jahren mitteilte,  dass du aller Voraussicht nach in ein paar Monaten nicht mehr leben würdest – hast du in dem Moment Wut auf die Welt gespürt? Was hat sich mit dieser endgültigen Diagnose verändert?
Irja Kass: Wut auf die Welt hatte ich nicht eine Sekunde. Genauso wenig wie ich gefragt habe: Warum ich? Was kann denn die Welt für meinen Krebs? Und selbst wenn sie dafür verantwortlich wäre – was sollte ich machen? Die Welt verklagen – auf dass sie mir mein Leben und meine Gesundheit wiedergibt? Nein, die Welt zu hassen, nur weil man sie bald verlassen muss, während die anderen bleiben dürfen – das halte ich für verrückt. 

Bei mir ist das Gegenteil der Fall: Ich fühle mich heute mehr eins mit der Welt als je zuvor, weil ich erkannt habe, dass sie alles ist, was ich habe und je haben werde. Und gleichzeitig werde ich gewissermaßen immer mehr zum staunenden Kind, angesichts der ganzen Wunder, die uns tagtäglich umgeben und oft nicht wahrgenommen werden. Ich bin zwar auch früher nicht gerade mit Tomaten auf den Augen durchs Leben gegangen, aber es berührt mich alles viel mehr noch als früher.

Deine Eltern sind an Krebs gestorben, als du Anfang Zwanzig warst. Erleichtert das deinen Umgang mit dieser Krankheit oder macht es das eher schwerer?
Gerade weil ich mit eigenen Augen gesehen habe, wie die liebsten Menschen meines Lebens daran starben – und das war wirklich kein schöner Tod –, war Krebs immer der absolute Horror für mich. Danach hatte ich beschlossen (beziehungsweise einen Wunsch ins Universum geschickt): Ich selbst werde bitte an egal was sterben, nur nicht an Krebs. Leider gehen unsere Wünsche dem Leben oftmals am Allerwertesten vorbei.

Aber man kann ja bekanntlich alles aushalten, was einen nicht umbringt. Bis es tatsächlich soweit ist, gehe ich immer noch meinen eigenen Weg, wenn auch durch ganz andere Landschaften als geplant und mit dieser Krankheit im Huckepack. Und ich lasse mich nicht mehr so leicht vom Weg ablenken wie früher, weil ich keine Zeit und Kraft mehr für Nebensächlichkeiten habe. Früher habe ich viel Zeit mit Pläneschmieden vergeudet, oftmals irgendwie provisorisch gelebt. Da begriff ich aber mit einem Schlag: Die Theorie ist vorbei, jetzt geht es ums Ganze – um das ganze Leben und den ganzen Tod. Und nichts mehr zu verlieren zu haben verleiht einem ja auch eine gewisse Freiheit.

Wie siehst du den Tod heute?
Eigentlich hat mich die Aussage: „Der Tod ist ein natürlicher Teil des Lebens“ schon immer irritiert. Das sagt man doch immer nur, wenn man vom Tod der anderen spricht, aber für denjenigen, der stirbt, ist Tod eben nicht ein natürlicher Teil des Lebens, sondern vor allem sein Ende. Sterben müssen wir zwar alle, die einen früher, die anderen später. Aber den meisten fällt es schwer, sich damit auseinanderzusetzen. Ich musste und muss es zwangsläufig tun, denn nur so kann ich meine Angst bekämpfen. Ich will auf meinen Tod nicht wie ein Kaninchen auf die Schlange starren, sondern ihm ins Auge blicken, sonst kann ich nicht leben. Er ist immer da und blickt zurück, aber er beherrscht mich nicht von morgens bis abends.
Durch meine Grenzerfahrung in Thailand habe ich mich allerdings ein wenig mit dem Tod versöhnt. Natürlich freue ich mich nach wie vor nicht auf ihn, aber ich habe gesehen, dass er – wenn er will – noch grausamer sein kann als in meinen kühnsten Phantasien. Und dass er mich nicht fern der Heimat in völliger Isolation, unter unterträglichen Schmerzen, Durst und Hunger, Angst und Verzweiflung ereilt hat, rechne ich ihm hoch an.

Du sagst in deinem Buch: „Reisen verlängert mein Leben. Je mehr ich erlebe, desto mehr lebe ich auch.“ Wie meinst du das?
Denk doch mal an einen imaginären Museumswächter, der 40 Jahre lang durch die immergleichen Gänge schlurft. Wenn man ihn nach seinem Arbeitsleben fragt, kommt es ihm im Nachhinein vermutlich vor, als wären es vier Monate gewesen, weil nichts passierte. Er hat also 39 seiner 40 Arbeitsjahre gar nicht wirklich gelebt. Ich versuche es umgekehrt zu machen: Aus vier Monaten gefühlte vier Jahre zu zaubern. Dazu begebe ich mich in neue Situationen, und die erlebe ich am einfachsten auf Reisen. Die Situationen müssen nicht immer angenehm sein, wichtig ist nur, dass sich etwas in mir regt. Und wenn man zum Beispiel am Grand Canyon steht, wird es einem klar, welch unglaubliche Ehre es eigentlich ist, an diesem Spiel der gewaltigen Kräfte und Zeiträume der Erde und des Universums teilhaben zu dürfen, und es tut gut, sich manchmal so klein und unbedeutend zu fühlen.

Aber es müssen gar nicht immer große Erlebnisse sein, die einem den Atem stocken lassen vor Glück. Mein letztes, für mich trotzdem gigantisches Erlebnis war letzte Woche, als ich eine Meise, die sich in mein Wohnzimmer verirrt hatte und in dem kleinen Spalt zwischen Wand und Sofa festsaß und vor Angst hechelte, befreien konnte. Ich baute ihr einen Tunnel aus Kissen und Möbeln, damit sie in Panik nicht gegen das Fenster knallte, und schaute ihr nach, wie sie von dannen zog. Sie war glücklich und ich war glücklich, ich hatte nicht nur ihr, sondern auch mein Leben verlängert.
   
Hat sich dein Umgang mit Menschen geändert? Wie gehen deine Freunde mit dir um?
Meine Freunde wissen mittlerweile längst, dass mein Name nun weder Krebs noch Tod ist, sondern immer noch Irja, und dass Lachen in meiner Gegenwart nicht nur nicht verboten ist, sondern sogar erwünscht. Das schließt gemeinsames Weinen nicht aus. Aber manchmal gibt es Momente, in denen meine und ihre Welt kollidieren und ich mich plötzlich einsam fühle. Zum Beispiel wollte ich kürzlich mit Freunden ins Kino. Der Film war ausverkauft, da sagte einer: „Dann holen wir uns eben die DVD in einem halben Jahr.“ Ich sagte nichts, um niemandem die Laune zu verderben, dachte aber: „Ja, ihr vielleicht. Ich vermutlich nicht mehr – was weiß ich, was in einem halben Jahr ist und ob ich da noch lebe.“ Oder wenn ich im März eingeladen werde: „Im Juni ist mein Vierzigster, ich akzeptiere kein Nein, du musst kommen!“ Dann sage ich zwar: „Klar komme ich! Freu mich drauf!“ Aber insgeheim denke ich: „Sehe ich auch so, dass ich unbedingt kommen muss. Aber vielleicht bin ich im Juni tot. Oder ich lebe zwar noch, kann aber das Bett nicht mehr verlassen. Aber danke für die Einladung.“

Hast du noch Ziele, besondere Wünsche, die du dir erfüllen möchtest? Was erwartest du noch vom Leben?
Ich finde, das Leben ist nicht dafür zuständig, unsere Wünsche und Erwartungen zu erfüllen. Wenn man sich vom Leben etwas erwartet, heißt es für mich, dass man eigentlich von sich selbst etwas erwartet und dafür etwas tun muss. Und selbst wenn man sich dafür den Hintern aufreißt, heißt es ja noch lange nicht, dass der Wunsch in Erfüllung geht. Das Leben erfordert eine ziemlich hohe Frustrationstoleranz. Es sei denn, man ist wirklich ein Glückskind. Wobei ich so gut wie alle Menschen für Glückskinder halte, die ein „normales“ Leben führen dürfen – mit Gesundheit, Familie, Kindern, Job, und das auch noch in unserer verwöhnten Hemisphäre. Nur sie selbst halten sich nicht unbedingt für Glückskinder.

Nervt es dich deshalb, wenn diese „Glückskinder“ über Kleinigkeiten jammern?
Es ist ja nicht so, als ob ich selber niemals jammern würde. Auch ich schimpfe mal übers Wetter und erst im zweiten Moment fällt mir ein: Dafür habe ich gerade überhaupt keine Schmerzen. Also: Mieses Wetter, aber toller Tag! Im Grunde ist Jammern über Kleinigkeiten ein Zeichen für ein gutes Leben, denn das bedeutet, dass man nichts Großes zum Jammern hat. Und ich wünsche jedem Menschen ein gutes Leben, also: gutes Jammern! Schade ist nur, wenn es nicht dadurch ausgeglichen wird, dass man sich über ebenso kleine Dinge freut.

Abgesehen davon bin ich mir nicht mal sicher, ob ich nicht doch sogar selber ein Glückskind bin. Ich weiß, das hört sich verrückt an, weil mein Leben den meisten Menschen schrecklich und kaum lebenswert erscheint. Dabei würde ich (fast) alles tun, um dieses mein Leben noch ein wenig länger führen zu dürfen. Ich habe halt kein anderes. Und ich finde, der alte Spruch hat schon seine Richtigkeit: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“. Ich schmiede mir mein Glück eben aus Schrott und Altmetall zusammen und sage mir immer wieder: „Träume nicht von rostfreiem Stahl, wenn der für dich sowieso unerreichbar ist.“

Vor drei Jahren lag ich mit Freunden an ihrem Bauernhof auf der Wiese unter einer unbeschreiblichen Sternennacht, wie es sie auch in dünnbesiedelten Gebieten selten gibt. Ich war mir sicher: Einen solchen Sternenhimmel werde ich nie mehr erleben, nur die anderen. Und was war? Ich habe in den Jahren danach noch mehrere außergewöhnliche Sternennächte sogar mit ebendiesen Freunden erlebt. Manchmal kann ich mein Glück nicht fassen.

 

 

 

Irja Kass: Tot auf Probe, Rowohlt 2010

4 Responses

  1. Hotelier

    Neuauflage als Taschenbuch:

    „DEN TAGEN MEHR LEBEN GEBEN“
    Der Starkoch vom Hospiz und seine Gäste
    Herder ISBN: 978-3-451-06609-2

    Antworten
  2. Hotelier

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    zum gegebenen Thema, möchte ich Ihnen ein besonderes Buch, das sich auf den Hospizleitspruch von Dame Cicely Saunders bezieht, vorstellen: „Den Tagen mehr Leben geben“. Es handelt von einem außergewöhnlichen Koch und seinen sterbenskranken Gästen.

    Im Foyer des Hospizes „Leuchtfeuer“ hängt der Spruch: „Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben.“ Ruprecht Schmidt, früher Küchenchef in einem Nobelrestaurant, hat diese Maxime zutiefst verinnerlicht. Er weiß, dass er das Leben der Sterbenden nicht verlängern kann, aber er kann es lebenswerter machen. Der Hospizkoch erfüllt jeden kulinarischen Wunsch und schenkt seinen Gästen nicht nur die Geschmackserlebnisse, sondern auch Erinnerungen an glücklichere Zeiten.

    Der Fernsehjournalistin und Autorin Dörte Schipper ist ein bemerkenswert spannendes und überraschendes Buch gelungen über das Sterben – und das Geheimnis eines erfüllten Lebens. Dem Buch vorausgegangen ist eine Fernsehdokumentation in der ARD (Der Luxuskoch vom Hospiz), für die die Autorin mit dem Erich-Klabunde-Preis ausgezeichnet wurde.

    Ich hoffe ich kann Sie zu einer Buchvorstellung, bzw. Empfehlung in Ihrem Site begeistern.

    Dörte Schipper
    DEN TAGEN MEHR LEBEN GEBEN
    Vorwort von Udo Lindenberg
    ISBN 978-3-7857-2385-2

    „Ich definiere mich als Koch nicht mehr darüber, wie viel gegessen wird, sondern, ob ich die Menschen damit erreiche.“ Früher war er Küchenchef in einem Nobelrestaurant. Heute kocht er im „Leuchtfeuer“, einem Hamburger Hospiz. Die meisten seiner Gäste haben Krebs im Endstadium.

    Ob Steak, Labskaus, Coq au Vin oder eine aufwändige Torte, Ruprecht, der Koch, erfüllt jeden kulinarischen Wunsch. Tagtäglich erlebt er aufs Neue, wie wichtig es den Bewohnern im Hospiz ist, noch einmal ihre Lieblingsgerichte genießen zu können. Kräuter, Gewürze, den individuellen Geschmack zu treffen, ist für den Koch nicht immer leicht. Oft geht es nur um Nuancen, und er braucht mehrere Anläufe. „Wenn ich es schaffe, ein Essen genau so zu kreieren, wie ein Sterbenskranker sich das vorgestellt hat, kann ich mich jedes Mal aufs Neue darüber freuen.“

    Seit der Gründung des Hospizes vor elf Jahren ist Ruprecht Schmidt sein eigener Chef de Cuisine in einem Zuhause für Todkranke. Mitten in St. Pauli bietet das Hospiz Platz für elf Bewohner. Die meisten leben hier nicht länger als ein paar Wochen. In der Eingangshalle hängt in großen Buchstaben der Leitspruch des Hauses: „Wir kön-nen dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben.“ Diese Worte hat der Koch verinnerlicht. Das Leben der Kranken verlängern kann er nicht, es versüßen schon.

    Als Ruprecht Schmidt vor elf Jahren den Job annahm, wurde er öfters gefragt, ob es nicht absurd sei, für Todkranke zu kochen. Er selbst hat sich diese Frage nie gestellt. Die Bedeutung, die Essen haben kann, ist ihm durch die Arbeit im Hospiz immer klarer geworden. Seine Erkenntnis klingt so einfach, fast banal: „Essen heißt, ich lebe noch!“ Der Job von Ruprecht Schmidt ist einzigartig, seine Motivation auch. Viele Jahre hat er in der gehobenen Gastronomie gearbeitet. Als Spitzenkoch hätte er weiter Karriere machen können… Doch seine Arbeit hat ihn nicht befriedigt, er vermisste den Kontakt zu den Menschen, die er bekochte. Im Hospiz zu arbeiten ist für ihn wie ein Sechser im Lotto – nicht finanziell, aber menschlich betrachtet.

    Rolf Führing hat Bauchspeicheldrüsenkrebs. Nach wochenlanger Appetitlosigkeit im Krankenhaus, wird er schon am ersten Tag im Hospiz Ruprechts hungrigster Gast. Seitdem Horst Reckling im Hospiz ist, möchte er immer nur seinen Lieblingsquark. Erst seit neun Jahren ist er mit seiner geliebten Beate verheiratet. Die Beiden hätten sich so gerne noch etwas mehr Zeit miteinander gewünscht. „Es mag verrückt klingen“, sagt Gudrun Fischer, „aber ich verbringe jetzt am Ende meines Lebens Ferien wie in einem Grandhotel. Mit fast allem, was Freude bereitet.“ Ausgerechnet ihr, die sie ihr Leben lang gut und gerne aß, drückt ein riesengroßer Tumor auf den Magen. Vor vier Monaten zog es Renate Sammer den Boden unter den Füßen weg: Lungenkrebs im Endstadium. Ihr Leben lang hatte sie sich alleine durchgeboxt, jetzt plötzlich ist sie von anderen abhängig. Den Koch schließt sie ins Herz. Sein Steckrübenmus ist ein Gedicht. Für eine kurze Zeit werden die Todkranken für den Hospizkoch vertraute Gesichter. Er erfährt einen kleinen und gleichzeitig letzten Ausschnitt ihres Lebens. Die Bewohner erzählen von sich, ihrer Vergangenheit, ihrem Umfeld, ihren Sorgen, Ängsten und Freuden. Über das Essen wird Ruprecht Schmidt ihr Vertrauter, ein außergewöhnlicher Sterbebegleiter.

    Mit dem Einzug ins Hospiz rückt für die sterbenskranken Menschen das Endgültige immer näher. Vorbei mit: „Das kann ich noch nächstes Jahr machen.“ Es gilt nur noch das Heute und Jetzt. So unterschiedlich, wie sie gelebt haben, gehen die Menschen auch mit der Gewissheit um, bald sterben zu müssen.Viele fühlen sich wie zu Hause und gut aufgehoben in der familiären Atmosphäre des Hospizes. Einige fühlen sich abgeschoben und lassen ihren Frust genau an den Menschen aus, die sie am meisten lieben. Für die einen ist der Tod ein Tabu, andere reden pausenlos über das Sterben – mit schwarzem Humor, Ironie, oder abgeklärt und nüchtern. Manche finden Trost in der Religion, manche im Sarkasmus. Begriffe wie Harmonie und Dankbarkeit werden plötzlich wichtig. Zwischenmenschliche „Baustellen“, die schon seit Jahren gären, sollen unbedingt noch schnell bereinigt werden. Es können sich aber auch neue auftun. Verhalten, Wünsche und Gedanken der Menschen verändern sich, je näher der Tag rückt. Wer heute noch Scherze macht, kann morgen unendliche Angst haben, verbittert sein oder umgekehrt. Trotz der extremen Gefühlsschwankungen, zeigt sich bei den Bewohnern eines durchgehend: Auch wer unwiderruflich weiß, seine Tage sind gezählt, kann noch genießen, lachen und Momente des Glücks erleben.

    Lebensbejahend, wie die Atmosphäre im Hospiz, ist auch das Buch. Es erzählt über einen außergewöhnlichen Koch und die Lebensgeschichten seiner Gäste.

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  3. Petra

    Liebe Irja, Du bist ein Glückskind wie wir alle – gerade jetzt auf diesem Planeten leben zu dürfen. Und ich wünsche Dir Erfolg auf all Deinen Wegen; viele weitere außergewöhnliche Sternennächte, viele verpasste Kinofilme, die Du Dir dann in einem halben Jahr auf DVD ansiehst und viele Geburtstagseinladungen von Freunden, deren Festtag erst in einem viertel Jahr ist. Und unterstützen möchte ich meine guten Wünsche mit einer aus meiner Sicht wichtigen Buch-Empfehlung: Martin Weber „Der Mensch im Gleichgewicht“ und zwei Fragen, deren Antwort Dir weiterhelfen können: Wodurch fühltest Du Dich so ca. 2 bis 3 Jahre vor Ausbruch Deiner Krankheit zutiefst verletzt? Und möchtest Du dieser Situation/ Person jetzt aus tiefstem Herzen vergeben?
    In Liebe Petra

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  4. leo

    ich verstehe das jetzt nicht. hat sie noch krebs, oder nicht?
    wenn nicht, wäre es auch interessant zu erfahren, was sie für ihre getan hat?

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