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Und: Was macht die Agrarwende?

„Am 22.September wird über die Agrarwende entschieden und damit darüber, ob Deutschland Vorreiter bleibt, was Öko-Landbau betrifft, oder wieder zum Schlusslicht der EU absinkt.“

„Politiker ist, wer an die nächste Wahl, Staatsmann, wer an die nächste Generation denkt.“ (Helmut Kohl)

Zur Zeit werden große Teile Deutschlands von einer Flutkatastrophe heimgesucht. Grüne Politiker und Umwelt-Verbände wie „Greenpeace“, der „NABU“ oder der „BUND“ warnen seit Jahren vor den Auswirkungen des Klimawandels und vor der weiteren Begradigung und Vertiefung von Flüssen. Aber für SPD, CDU/CSU, PDS und FDP waren andere Themen brennender und die Öko-Steuer aus wahltaktischen Gründen ein Stein des Anstoßes. Mit Umweltthemen sind kaum Stimmen zu gewinnen, weil nicht nur Politiker, sondern auch viele Wähler kaum an die nächste und erst recht nicht an die übernächste Generation denken.
Typisch, dass die CDU/CSU noch nicht mal einen Umweltminister in ihrem Schattenkabinett hat. Herr Stoiber möchte sich des Themas selbst annehmen, wenn er gewählt wird, wobei er allerdings bisher nicht durch besondere Sachkenntnis und Engagement hervorgetreten ist. Was nützen eine Gesundheitsreform oder eine sichere Rente, wenn die Norddeutsche Tiefebene überflutet wird und der Rest Deutschlands im Wasser ertrinkt?

Der Nitrofen-Skandal erschütterte Deutschlands Verbraucher. Von konventionell erzeugten Lebensmitteln ist man gewohnt, dass alle paar Wochen oder Monate Lebensmittel-Skandale in der Presse bekannt werden, ob BSE, Dioxin, Antibiotika in Shrimps oder Salmonellen in Fisch. Der Nitrofen-Skandal aber betraf zum ersten Mal ökologisch erzeugte Lebensmittel.

Sind Bio-Waren auch nicht besser als konventionell erzeugte und kann man sich die Mehrkosten dafür dann also auch gleich sparen? Herr Stoiber hat jedenfalls schon angekündigt, dass mit seiner Wahl die Bevorzugung des Öko-Landbaus ein Ende haben wird. Supermarktketten nahmen Bio-Produkte aus dem Regal, und Metzger warben sogar damit, dass ihre Würste „garantiert nicht bio“ seien.
Dabei ist der Nitrofen-Skandal kein Skandal der Bio-Branche, sondern einer der konventionellen Landwirtschaft. Kein Bio-Bauer hat die Halle verseucht, in der das Bio-Futter lagerte. Das verseuchte Futter wurde mittlerweile auch in konventionellen Betrieben gefunden, und 399 Höfe waren vorübergehend gesperrt. Die alten, mafia-ähnlichen Strukturen, in denen in Deutschland Tierfutter und Lebensmittel produziert werden, greifen noch immer. Renate Künast hat schon viel bewirkt, man denke an das einheitliche Bio-Siegel, die Förderung des Bio-Landbaus und die Legehennenverordnung, aber es wird noch einiges an Zeit kosten, den Augiasstall ihrer Vorgänger auszumisten. Die CDU/CSU hat erst einmal das Verbraucherinformationsgesetz gekippt. Mündige, informierte Bürger? Gott bewahre!
Inzwischen reißt die Kette der – konventionellen – Lebensmittel-Skandale nicht ab. „Zum Hauptgang Schnitzel mit Antibabypille und zum Dessert Antibiotika-Pudding“ titelte die „Süddeutsche“. Pharmaabfälle in der Tiernahrung und damit in der Nahrungskette! Eine Firma „Bioland“ in Belgien ist verantwortlich. Fernsehen und Presse berichteten genüsslich, dass wieder mal in „Bio“ nicht das drin ist, was drin sein sollte – Nicht berichtet wurde darüber, dass die belgische „Bioland“-Firma nichts mit dem deutschen Bio-Anbau-Verband „Bioland“ zu tun hat. Der hat jetzt die belgische Namensschwester auf 10 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Auch dies war in den deutschen Medien fast nirgends zu lesen.      
Was bleibt dem Verbraucher zu tun? Wenn Sie in der Nähe eines Bio-Hofes wohnen, kaufen Sie dort ein. Damit unterstützt man regionale Landwirtschaft mit überschaubaren Strukturen. Ansonsten gibt jetzt auch preiswerte Öko-Supermärkte. Investieren Sie in Ihre Gesundheit, die Umwelt und die Ihrer Kinder. Zeigen Sie Ihren Kindern, wie Lebensmittel erzeugt werden, auf den zahlreichen Hoffesten von Bio-Höfen auch in Berlin und Umgebung. Setzen Sie sich dafür ein, dass in den Schulen Ihrer Kinder Nutzgärten angelegt werden und schaffen Sie sich einen Schrebergarten an. Machen Sie Ferien auf dem Bio-Hof, wie zum Beispiel dem Bauckhof in Amelinghausen, wo Kinder Kühe streicheln, beim Melken zusehen und Trecker fahren dürfen. In Berlin gibt es einige Biomärkte: u.a. auf dem Lausitzer Platz, dem Zickenplatz, in Moabit und in der Domäne Dahlem.      

Die Konsumenten ökologisch erzeugter Nahrungsmittel reagierten auf den Nitrofen-Skandal gelassen. Nur um 4 Prozent ging vorübergehend die Nachfrage nach Bio-Produkten zurück. Denn aufgeklärte Verbraucher wissen: was im Bio-Bereich ein unverschuldeter Einzelfall war, ist im konventionellen Bereich die Regel: Belastung von Futter und Lebensmitteln mit Pflanzengiften, dazu kommen die tierquälerische Massentierhaltung, die Auslaugung der Böden und Vergiftung unserer Trinkwasser-Reserven bei irrwitzig hohem Energieverbrauch. Was im Bio-Sektor als „Super-Gau“ betrachtet wird – die Belastung mit gesundheitsgefährdenden Pestiziden – gehört im konventionellen Bereich zum „täglich Brot“.
Pikant: Kanzler-Kandidat Stoiber favorisiert einen Schleswig-Holsteiner Bauern in Rente für den Posten des Landwirtschaftsministers, der zwar Pestizide als „Gifte“ bezeichnet, aber gleichzeitig fordert, dass auch wir die Pestizide, die in Südtirol übers Obst gespritzt werden, verwenden dürfen, anstatt sich auf EU-Ebene für gleichmäßig geringen Pestizideinsatz einzusetzen!
70 Prozent der Fische in der Havel sind mittlerweile weiblichen Geschlechts aufgrund der Östrogenwirkung der Pestizide aus der Landwirtschaft. Und in den USA können sich Frösche nicht mehr vermehren, weil ihnen – durch Pestizideinwirkung – zwei Penisse wachsen.

„Bio“ ist also immer noch die weitaus bessere Alternative wie auch Langzeitstudien über Bodenfruchtbarkeit und Vitalstoffdichte der verschiedenen Anbaumethoden belegen, jüngst in der renommierten „Science“ veröffentlicht, und nachzulesen in meinem Buch „Warum Bio? Gesunde Pflanze, gesunder Mensch“.

Am 22.September wird über die Agrarwende entschieden und damit darüber, ob Deutschland Vorreiter bleibt, was Öko-Landbau betrifft, oder wieder zum Schlusslicht der EU absinkt. Der Nitrofen-Skandal zeigt: es spricht noch viel mehr für „Bio“. Wer aber nur bei den Grünen sein Kreuzchen macht und weiter bei ALDI einkauft, bringt die Agrarwende zu Fall, die nur bei einer entsprechenden Nachfrage gelingen kann.

Literatur und Adressen:

– Barbara Simonsohn, „Warum Bio? Gesunde Pflanze, gesunder Mensch“,
Goldmann, 320 Seiten, 9,90 Euro

– „Ferien auf Biohöfen in Deutschland“ von Annette Methenthin, Eceat.

– Bauckhof, Amelinghausen (Nordheide).
Pension, Ferienwohnungen, Vollpension auf Wunsch.
Hofladen und Versand von Demeter-Produkten,
Tel. 04132-9132,
www.bauck.de,
amelinghausen@bauckhof.de

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