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Die Faszination kennen viele: in den Strohballen-Mieten Höhlen bauen. Aber dass man damit richtige Häuser bauen kann …

„Entdeckt“ wurde diese Bauweise durch die Armut der Siedler in den Steppen von Nebraska. Gebaut wurde dort mit allem. Gleich nach der Erfindung der ersten dampfgetriebenen Strohballenpressen. Und sie hat sich so gut be- währt, dass gegen Ende der 70er Jahre die alternative Szene Amerikas den Baustoff Stroh wieder entdeckte. In allen Teilen der USA und in Kanada entstanden zahlreiche Bauten aus Stroh. Magazine, Vereine und Firmen wurden gegründet, Seminare und Workshops abgehalten, Berichte erschienen im Fernsehen, in Zeitschriften und im Internet. Viele Untersuchungen zu Brandverhalten, Dämmwirkung, Feuchteverhalten und Druckbelastbarkeit wurden durchgeführt.
1994 erschien das Standardwerk für alle Strohballenbauinteressierten:
“The Straw Bale House“ von Athena und Bill Steen, David Bainbridge und David Eisenberg. In der Folge entstanden viele Bauten, die weit über die Einfamilienhäuser der Stroh-Pionierzeit hinausgingen. Die Erfahrungen aus diesen Strohballenbauten wurden in alle Welt „exportiert“. Viele Informationen, Tests, Fotos werden mittlerweile über das Internet verbreitet. Als eines der wichtigsten Medien zum Infoaustausch der amerikanischen Strohbaugemeinde untereinander haben sich Internet-Chatrooms etabliert, in denen beinahe zu jeder Frage rund um das Bauen mit Stroh Antworten gefunden werden können.

Strohballenbau in Europa

Inzwischen hat der Strohballenbau in Europa, insbesondere in Dänemark, Holland, Frankreich und Österreich Fuß gefasst. „Mit Strohballen lassen sich auf einfache Weise hoch wärmegedämmte, umweltfreundliche Wohnhäuser erstellen“, so Dirk Scharmer, Geschäftsführender Vorstand des Fachverbands Strohballenbau (FSB). „Hunderte von gebauten Beispielen, einige über 80 Jahre alt, beweisen: Mit dieser Bauweise lassen sich kostengünstig haltbare, gesunde, mehrgeschossige Bauten errichten.“
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, mit Strohballen Häuser zu bauen. „Grundsätzlich“, so Scharmer, „werden hierbei die Last tragenden Ballen von den nicht Last tragenden unterschieden.“ Bei der Last tragenden Konstruktionsart, die sich aus der historischen Bauweise, dem Nebraska-Style entwickelt hat, übernehmen die Strohballen alle vertikalen Lasten: in der Regel das Dach, manchmal auch die Geschossdecke.
abau5.jpgDabei werden zusätzlich Holzlatten und Bambusstangen auf den Außenseiten der Strohballen angebracht. Hat die Wand die gewünschte Höhe erreicht, wird obenauf ein so genannter Ringanker gelegt. Das ist eine stabile Holzbox oder eine starke Holzlattung, die gegen das Fundament verspannt wird. Dadurch wird die Stabilität der Wand erhöht, ein Absenken vorweggenommen und eine ebene Fläche gebildet, die die Last des Daches gleichmäßig auf die Wand verteilt.
 Fixe Strukturelemente wie Fenster- oder Türrahmen lassen sich nicht komprimieren, daher müssen oberhalb oder unterhalb Zwischenräume gelassen werden. Erst nach vier bis acht Wochen, wenn die Wände sich gesetzt haben, werden sie verputzt. In Strohballen-Ständerkonstruktionen übernehmen Strohballen keine tragende Funktion, sondern werden als Wand bildender Dämmstoff eingesetzt. In beiden Fällen kann der Putz direkt in die Oberfläche der Strohballen eingearbeitet oder auf einen an den Strohballen befestigten Putzträger aufgebracht werden.

„Lehm und Putz ergänzen sich fantastisch“, sagt Otto Merz. Der Architekt hatte schon vor Jahren Erfahrungen im Lehmbau gemacht. Doch für ihn gehören beide Materialien zusammen: „Beim Strohballenbau schützt der Lehmputz das Stroh vor Feuchtigkeit“. Er hat die Fähigkeit, viel davon aufzunehmen und nach draußen freizugeben. Eine andere Sorge, die viele Laien beschäftigt, spielt beim Strohballenbau kaum eine Rolle: die Brandgefahr. Da die Ballen schon aus Gründen der Stabilität und Dämmung stark gepresst werden, sind sie schwer entflammbar.

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