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Barack Obama hat den Friedensnobelpreis bekommen. Das allein wäre ja schon Ironie genug, seine Rede bei der Übergabe des Preises in Oslo setzte der ganzen Sache jedoch die Krone auf. Wer je daran gezweifelt hat, dass Worte und Taten des amerikanischen Präsidenten miteinander kaum zu vereinen sind: Hier ist der Beweis.

Seine Rede verteidigt die Idee eines „gerechten Krieges“ und rühmt die USA und ihre Mission Freiheit und Frieden in der ganzen Welt zu verbreiten. Frieden stiften durch Gewalt. Was meint er damit? Hat er den Irak vor Augen, wo durch die grausame (und illegale!) Uranmunition der US-Streitkräfte heute missgebildete Kinder zu Welt kommen?

Oder etwa so „gerechte Kriege“, wie in Afghanistan? Kriege, die allein durch Lügen gerechtfertigt werden und gegen das Völkerrecht verstoßen? Wovon redet dieser Mann? Das Obama wortgewandte Reden-Schreiber hat, ist nicht zu übersehen, dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nichts als leere Worte sind. Die USA betreiben Foltergefängnisse auf der ganzen Welt, unterhalten Privatarmeen abseits aller völkerrechtlichen Absprachen, benutzen barbarische Munition, zetteln Kriege an, wo keine Gefahr droht und überschwemmen die Welt mit Waffenexporten. Sie sind eine wildgewordene Weltpolizei, die sich über alles Recht stellt.

 

Der gerechte Krieg

Die Bilanz aus Obamas Rede: „Krieg ist notwendig. Kriege hat es immer gegeben und wird es immer geben.“ Dafür den Friedensnobelpreis zu bekommen ist schon fast Realsatire.

Was Obama hier bemüht – die Idee eines gerechten Krieges – ist seit jeher die Lieblings-Rechtfertigung für Gewaltexesse aller Art. Der Feind ist schließlich immer böse, deshalb ist Krieg aus Sicht des Kriegsführenden auch immer gerecht. Die Islamisten befinden sich übrigens aus ihrer Sicht auch in einem gerechten, ja sogar in einem heiligen Krieg. Aber Moment: Obama hat ein Argument, dass alle anderen schlägt: Hitler hätte man friedlich schließlich auch nicht aufhalten können. Ein Satz, der ein politisches Dogma geworden ist, das Totschlag-Argument für Krieg schlechthin. Aber eigentlich müsste das erstmal bewiesen werden. Und das mit Ghandi scheint der Herr Nobelpreisträger wohl komplett verschlafen zu haben. Der sagte zum Krieg Englands gegen Hitler Folgendes:

„Es kann Freiheit und Demokratie nicht dadurch verteidigen, dass es, soweit der Krieg in Betracht kommt, die totalitäre Methode nachahmt. Es wird davon nicht wieder loskommen, nachdem es im Kriege Hitler überhitlert hat. Sein Sieg, wenn erreicht, wird sich als Falle und Täuschung erweisen. […] Sollen Freiheit und Demokratie wahrhaft gerettet werden, so können sie das nur durch gewaltfreien Widerstand.“

Bewahrheitet hat sich dies schließlich für Amerika: Es ist von der Rolle als Weltpolizei nie wieder losgekommen und ist seither (auch aus wirtschaftlichen Gründen) permanent in kalten oder warmen Kriegen.

Obama hat unter dem Anschein für Aufgeklärtheit und Realismus nichts anderes gesagt als: „Nie wieder: Nie wieder Krieg!“ Eine Rede für das Post-Pazifistische-Zeitalter? Alles in allem ist die Rede Obamas eine Zumutung, nur werden es die meisten Menschen wahrscheinlich gar nicht merken, weil sie so verdammt gut geschrieben ist. Einige haben es aber zum Glück doch gemerkt.

 

Reaktionen auf Obamas Rede in Oslo

In einem Kommentar zur Rede stellen Hans-Jürgen Falkenhagen und Brigitte Queck fest:

„Obama hat in seiner Osloer Rede eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass der Friedensnobelpreis für ihn und die USA-Politik nicht Ansporn zu einer prinzipiell friedlichen Politik, zur Achtung des von der UNO sanktionierten Völkerrechts und zum grundsätzlichen Verzicht auf Aggressionskriege ist, sondern die Rechtfertigung beinhaltet, im Namen des Friedens und des American way of life weiter Angriffskriege zu führen.“

Auch Konstantin Wecker zeigte sich entsetzt:

„Es war schon sehr peinlich, wie die Verleihung des Friedensnobelpreises gestern die Bühne wurde, eine Welt ohne Kriege als unrealistisch hinzustellen. War es das, was das fünfköpfige Nobelkomitee wollte? Ein für allemal selbst den Friedensnobelpreis als Rechtfertigung für Kriege zu etablieren? Den Krieg gegen Afghanistan zu rechtfertigen und im Nachhinein auch noch den Irakkrieg als Zugabe? Wollte man damit dem Pazifismus endgültig den Krieg erklären? Was für eine Katastrophe. […] Nun hat ein Kriegsherr den Friedensnobelpreis bekommen. Soviel ich weiß, wollte Herr Nobel die Erfindung des Dynamits wieder gut machen, indem er diesen Preis ins Leben gerufen hat. Mit diesem Preisträger wurde das Dynamit noch einmal erfunden.“

Dr. Wolfgang Sternstein (Stuttgart), Friedens- und Konfliktforscher mit dem Schwerpunkt Theorie und Praxis der gewaltfreien Aktion sieht in der Rede gar einen späten Sieg der Ideologie Hitlers:

„Ein spätes Echo von Hitlers und Goebbels Denkart findet sich in der Osloer Rede von Barack Obama anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises.“

Er widerspricht vor allem der Ansicht Obamas, Hitler wäre gewaltsam nicht zu stoppen gewesen. In Anlehnung an obiges Ghandi-Zitat gibt er zu bedenken:

„Wir sollten auch einmal nach dem Preis fragen, den das Überhitlern Hitlers gekostet hat: 55 Millionen Tote sowie unzählige körperlich und seelisch verkrüppelte Soldaten und Zivilisten, unermessliche Sachschäden, gigantische Summen, die in die Rüstung und die Armeen flossen, und nicht zuletzt die treibhausmäßige Entwicklung der Waffentechnik, namentlich der Atombombe. Was ein gewaltfreier Sieg über Hitler gekostet hätte, wissen wir nicht. Er hätte zweifellos auch Leiden und Opfer gefordert, doch bei weitem nicht so viele wie der gewaltsame Widerstand, und seine Folgen wären ein wirklicher Frieden gewesen, statt des latenten Kriegszustands zwischen den Supermächten.“

Aber was hätte ein Kriegspräsident auch anderes sagen können. Wie anders kann man Krieg rechtfertigen, als ihn als gut und gerecht auszuweisen. Nur: Kann man wirklich kämpfen für das Gute? Oder kann man es vielleicht nur selbst sein?

 

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Eine Antwort

  1. writing.angel

    Ich habe am Nikolaustag bei Anne Will im ZDF eine Diskussion mehrerer Politiker und Journalisten über den Krieg und Bundeswehreinsatz in Afghanistan gesehen. Dabei kam natürlich auch die zynische Verleihung des Friedensnobelpreises an einen Mann zu Worte, der Krieg als Mittel gegen Krieg einsetzen will. Ein unauflösbarere Wiederspruch!

    Wie man deutlich sehen konnte, gibt es bei der Diskussion zwei Lager, die sich letzlich darum streiten, ob sie sich für die „Pest“ oder die „Cholera“ entscheiden sollen.

    Scheinbar gibt es nur diese zwei Möglichkeiten, entweder die deutschen Soldaten zusammen mit den Truppen der USA und der anderen NATO-Verbündeten im Lande zu lassen, sogar weiter aufzustocken, um vielleicht doch noch die verhassten Taliban soweit zurückzudrängen, so dass in 2 Jahren die Afghanischen Regierungstruppen anfangen können, die Rebellen selbst in Schach zu halten oder die Soldaten sofort abzuziehen.
    Aber es droht entweder eine Art von „Vietnamtrauma“ für alle NATO-Länder. Einen Krieg, wirtschaftliche Stabilität und alles Ansehen in der Welt zu verlieren; einen Krieg zu verlieren, der nicht zu gewinnen ist, so wenig, wie man mit Benzin ein Feuer löschen kann. Und kein Politiker wünscht einen dauerhaften Verbleib der Soldaten in Afghanistan; selbst Präsident Obama nicht.
    Oder es droht andererseits ein Szenario, das sich auch kein Mensch, kein Politiker wünscht, nämlich die Rückkehr des mittelalterlich grausamen, menschenverachtenden Regimes der religiösen Fanatiker der Taliban.
    Über die rein innepolitschen Implikationen für die Bewohner des Landes würde die erneute Machtübernahme der Taliban die Gefahr bergen, dass sie irgendwann das weltliche Regime ihres Nachbarn Pakistan ins Wanken brächten und dort ebenfalls einen „Gotteststaat“ nach islamistischem Vorbild errichten könnten. Dass dann unberechenbare, fanatische, kriegslüsterne Leute in den Besitz von Atombomben kämen, könnte unabsehbar schrecklich Folgen für die ganze Menscheit haben. Wir hätten dann möglicherweise zusammen mit dem Iran drei Regime in dieser Region, die dann tatsächlich über Massenvernichtunsgwaffen verfügten.

    Solange wir das Dogma „Krieg als Friedensinstrument“ nicht aufgeben, aber gleichzeitig keine nennenswerte, systematische und wissenschaftlich fundierte Alternative haben, stecken wir in einer Sackgasse.

    Das Problem ist also verstanden, ich vermute selbst von dem Teil der Bevökerung (69%), der seit Jahren gegen diesen Krieg und gegen den im Irak votiert. In einer echten Demokratie, die den Namen wirklich verdient (Volksherrschaft), darf natürlich Volkes Wille nicht mit Füßen getreten und missachtet werden. Dass es sich in der Tat um einen Krieg handelt, ist kaum noch bestreitbar und damit ensteht das nächste Dilemma. Jeder Politiker, der für eine Fortsetzung dieser Kriegseinsätze stimmt, verstößt damit sowohl gegen das Völkerrecht als auch ebenso gegen das Grundgesetz, dass jeden Krieg Deutschlands grundsätzlich verbietet, solange wir oder unsere Nato-Verbündeten nicht direkt angegriffen werden. Afghanistan hat natürlich – ebenso wenig der Irak – weder die USA noch ein anderes Land kriegerisch angegriffen. Somit ist auch kein Verteidigungsfall gegeben. Und somit ist dieser Krieg völkerrechts- und grundgesetzwidrig!
    Die Aufklärung der wahren Hintergründe des Anschlages vom 11. Sept. 2001 auf die Städte New York und Washington D.C., der wiederum als Anlass für den Überfall auf die beiden genannten Länder herhalten musste, ist immer noch nicht geschehen!

    Was also in diesem schrecklichen Dilemma tun?

    Gibt es überhaupt eine Lösung?

    Ich behaupte „ja“, weil viele Fachleute, aber auch Laien wie ich und zehntausende anderer Menschen seit Jahren wissen, dass seit Jahren eine schnelle, unblutige, höchst effektive und gleichzeitig vergleichsweise sehr preiswerte Konfliktlösungstrategie dieses oder gleichgelagerter Probleme zur Verfügung steht! Sie hat dazu noch sehr angenehme und viele wünschenswerte „Nebenwirkungen“.

    Ich bitte daher Sie und alle Verantwortlichen für die politisch-militärischen Handlungen Deutschlands, sich zumindest diese Vorschläge, die seit Jahrenzehnten wissenschaftlich erforscht und wissenschaftstheoretisch untermauert worden sind, anzusehen.
    Was haben wir als Deutsche dabei zu verlieren? Eigentlich nichts, denn der gordische Knoten der Gewalt- , Hass- und Gefahrenspirale erscheint nur lösbar, wenn eine ganz neue, bisher überhaupt nicht in Betracht gezogene wissenschaftliche Methode und Strategie verfolgt wird. Die alten Verfahren taugen nicht mehr. Sie haben übrigens nie getaugt, sondern immer nur neue Kriege, neue Gewalt, neues Leid für Millionen nach sich gezogen. Seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden. Aber angesichts des modernen, alles zerstörenden Waffenpotential ist Gewalt keine Option zur Konfliktlösung mehr. Sie könnte heute die nahezu völlige Auslöschung der menschlichen Spezies bedeuten.

    Diese moderne, von uns vorgeschlagene Strategie heißt, einen wissenschaftlich fundierten Ansatz zu wählen, der einerseits in der Psyche – also im Bewusstseinsfeld – des Menschen und andererseits in den Erkenntnissen der Quantenphysik begründet ist. Er wurde bekannt unte r den Namen „Maharishi Kohärenzeffekt des vereinheitlichten Feldes“.
    Damit ist eine sehr grundlegende und nachhaltige Neutralsierung von Spannungen welcher Art auch immer – sozialer, ethnischer, religiöser, wirtschaftlicher, macht- und sicherheitspolitischer, weltanschaulicher – vollständig und ohne schädliche Nebenwirkungen gegeben.

    Der Ansatz könnte genau so revolutionär sein, wie die Änderung des Weltbildes, als es sich vom Ptolemäischen zum Heliozentrischen entwickelte; anfänglich belächelt, dann heftig von den etablierten Mächten bekämpft, um letzlich dem modernen, objektiv wissenschaftlich empirischen Denken Bahn zu brechen und somit mittelalterliche, subjektive Glaubensdogmen in die zweite Reihe abzudrängen.

    Das Schlüsselwort heißt „Kohärenzeffekt im grundlegenden und kollektiven Bewusssteinsfeld“, was viele Entsprechungen in Erscheinungen der physikalischen Welt hat: Einstein-Bose Kondensation, Lasereffekt, Meissnereffekt, Supraleitfähigkeit, Superfluidität.

    Wollen Sie mehr darüber erfahren?

    http://www.davidlynchfoundation.org/

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