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Die heutige Zeit stellt uns mit ihren ungeheuren technischen Möglichkeiten – besonders in der Medizin – immer wieder vor neue Herausforderungen bezüglich dessen, woran wir glauben. Was gestern noch als undenkbar galt, kann heute schon Realität sein. Nur: Ist alles, was machbar ist, auch sinnvoll und richtig – über den persönlichen Wunsch hinaus, weiterzuleben? Einen ganz besonderen Platz nimmt hier das Thema Organspende ein. Der bekannte niederländische Fernsehpfarrer Hans Stolp hat sich intensiv mit dieser schwierigen Thematik auseinandergesetzt.

 

Das Nachdenken über das Thema Organspende ist bestimmt keine erfreuliche Tätigkeit. Trotzdem ist es notwendig, weil eine Organspende eben nicht nur mit der Rettung von Menschen verbunden ist, die ohne ein Spenderorgan gestorben wären, sondern weil auch sehr fragwürdige Geschehnisse damit einhergehen.

Zum Beispiel, dass der Organspender noch lebt, wenn seine Organe entnommen werden. Er stirbt dann auf dem Operationstisch zu einem Zeitpunkt, den die Ärzte gewählt haben – und nicht an dem eigenen, zu seinem Leben passenden Zeitpunkt. Zudem ist das Procedere für die Angehörigen eine schwierige Erfahrung. Renate Greinert, eine Betroffene, erzählt in ihrem Buch „Unversehrt sterben! Konfliktfall Organspende – der Kampf einer Mutter“ über ihren Sohn, der nach einem Verkehrsunfall in ein tiefes Koma fiel. Um die Organspende gebeten, gab sie – noch völlig im Schock über das, was ihrem Sohn passiert war – den Ärzten die Zustimmung für die Organentnahme. Er lebte noch, war warm und rosig, als er zum Operationszimmer gebracht wurde. Er war kalt, voller Pflaster und völlig ausgeweidet, als sie ihn zurückbekam. Diese Erfahrung hat ihr Leben einschneidend verändert: „Mein Sohn war ein Mensch, ein Individuum, kein Ding – und ganz bestimmt kein Recyclingprodukt.“

Dabei stellt sich die Frage: Wie kommt es, dass Organspender oft erst bei der Organentnahme sterben? Dazu muss man erst einmal verstehen, welche Menschen von den Ärzten als Organspender auserwählt werden. Es ist ja nicht einfach, einen Spender zu finden: Es muss jemand sein, dessen Herz noch klopft, dessen Blut noch strömt und der noch atmet. Denn Organe aus dem Körper eines Verstorbenen sind für eine Transplantation unbrauchbar. Nur direkt nach dem Tod eines Menschen sind die Organe für diesen Zweck noch brauchbar. Dann aber muss die Organentnahme auch direkt nach dem Tod geschehen – und das ist in der Praxis meist unmöglich.

Wie Spender gefunden werden

Wie findet man aber einen Spender, bevor es zu spät ist? In August 1968 wurde von einem Ausschuss an der Medical Harvard School in den USA entschieden, Menschen, die in einem tiefen – und wahrscheinlich unumkehrbaren – Koma liegen, für hirntot zu erklären.

Das heißt: Sobald ein schwerkranker Mensch im Koma für hirntot erklärt wird, wird er nicht mehr als Kranker betrachtet und behandelt, sondern als Spender angesehen, dem umgehend die Organe entnommen werden können. So entstand der bis heute gebrauchte Terminus ‚hirntot‘, der auch in Europa als Entscheidungskriterium für eine erlaubte Organentnahme eingeführt wurde. Das Schlimme: Diese Definition entspricht nicht der Wahrheit. Der hirntote Mensch ist nicht tot, er ist ‚nur‘ ein schwerkranker Mensch, der im in Koma liegt.

Das erklärt auch, warum eine hirntote Frau ein Kind gebären kann – was immer wieder einmal geschieht, wie man auf www.organspende-wiki. de nachlesen kann. Eine weitere Tatsache, die zu denken geben sollte: Hirntote Männer können eine Erektion bekommen. Aber kann ein toter Mensch ein Kind gebären oder eine Erektion bekommen? Nein. Schon diese beiden Beispiele genügen, um klar zu machen, dass ein hirntoter Mensch nicht tot ist. Zwar sind in seinem Gehirn keine messbaren Aktivitäten festzustellen, doch sein Körper funktioniert weiter.

Lazarus-Reflexe

Wenn hirntote Menschen auf dem Operationstisch liegen, damit die Organe entnommen werden können, kommt es in 75 Prozent (!) der Fälle vor, dass sie spontane Abwehrbewegungen mit den Armen und Beinen machen.1

Manche schlagen die Arme in einer schützenden Gebärde vor die Brust, andere richten sich dabei sogar ein wenig auf. Es kommt auch vor, dass sie sich ganz aufrecht hinsetzen, ihren Pfleger fest packen oder sogar umschlingen und gurgelnde Geräusche machen. Auch der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen. Laut OP-Assistenten, die anwesend waren, ist es jedes Mal erschreckend und man gewöhnt sich nie daran. Einige OP-Mitarbeiter hat dieses Phänomen so erschreckt, dass sie ihren Beruf aufgegeben haben.

Die Abwehrbewegungen von Spendern, die kurz davor stehen, Organe entnommen zu bekommen, werden „Lazarus-Reflexe“ genannt. Die Bezeichnung für dieses Phänomen stammt von dem biblischen Lazarus, der starb, aber von Jesus Christus vom Tod zurückgerufen wurde: Er war bereits in einer Höhle begraben, doch als Jesus Christus ihn rief, erwachte er, setzte sich aufrecht hin und stand auf.

Ein extremes Beispiel dafür, dass hirntot nicht gleich tot ist, ist das eines Geschäftsmannes, der nach einer Gehirnoperation ins Koma gefallen war. Die Ärzte erklärten ihn für hirntot. Sie fragten seine Frau, ob sie seine Organe verwenden durften. Zum Glück verweigerte sie das, denn nach einer Woche erwachte der Mann wieder. Anfangs war er gelähmt, doch später genas er beinahe vollkommen. In seinem Buch über diese Erfahrung erzählt er auch, wie er hörte, dass die Ärzte seine Frau um die Zustimmung baten, seine Organe entnehmen zu dürfen. Er hörte alles, was gesagt wurde, war aber nicht imstande zu reagieren! Es ist eines der vielen Beispiele einer Fehldiagnose, denn wie kann ein toter Mensch wieder erwachen?

Organe übertragen Bewusstsein

Ein weiterer Problembereich tut sich durch die Tatsache auf, dass mit der Organspende – nach den Erfahrungen der Organempfänger – auch Teile des Bewusstseins des Spenders auf den Empfänger übertragen werden. Mit unangenehmen Folgen. Die Berichte häufen sich, dass mit dem neuen Organ auch geistige Aspekte und mentale Kräfte des Spenders und sogar bestimmte Erinnerungen übertragen werden. Dr. Paul Pearsall – er war der Leiter eines klinischen Forschungszentrums an einer großen Klinik in Amerika – kommt aufgrund seiner Forschungen zu dem Schluss, dass das Herz eine eigene Form von Intelligenz besitzt und selbständig denken kann.

Er beruft sich auf einen Fall, den eine Psychiaterin auf einem von ihm organisierten Kongress vorgetragen hatte. Sie erzählte: „Ich habe eine Patientin, ein achtjähriges Mädchen, das das Herz eines zehnjährigen Mädchens erhalten hatte, das ermordet worden war. Ihre Mutter kam zu mir, weil sie nachts zu schreien begann. Sie träumte von dem Mann, der die Spenderin ermordet hatte. Die Mutter sagte, dass ihre Tochter wusste, wer dieser Mann war. Nach mehreren therapeutischen Sitzungen konnte ich einfach nicht mehr leugnen, dass das Kind mir die Wahrheit erzählte. Ihre Mutter und ich entschlossen uns, zur Polizei zu gehen. Anhand der Personen beschreibung, die das kleine Mädchen gab, hat die Polizei den Mörder gefunden. Er konnte aufgrund der Beweise, die meine Patientin erbrachte, leicht überführt und verurteilt werden.“

Dieses Beispiel brachte Pearsall zu der bizarren Aussage, dass das Herz seinen eigenen Mörder fand. Für ihn ist es klar: Unser Körper besteht aus Zellen, die Informationen gespeichert haben – das sogenannte „Zellgedächtnis“. Dieses Gedächtnis sendet – auch wenn das Organ in der Zwischenzeit in einen anderen Körper verpflanzt wurde – weiterhin „alte“ Informationen aus.

Neue Gewohnheiten

Die 48-jährige Claire Sylvia, eine Amerikanerin, bekam ein neues Herz. Direkt nach der Operation hatte sie das Gefühl, dass jemand anderes bei ihr war. Es war, als ob eine zweite Seele in ihr lebte. Sie sagte: Ich erlebe in mir die Gegenwart eines anderen Wesens. Sie bemerkte auch, dass ihre Gefühle sich änderten und stärker und intensiver waren als vorher. Außerdem entwickelte sie neue Gewohnheiten: Zu ihrer eigenen Verwunderung verlangte sie direkt nach der Operation, als sie aufwachte und gefragt wurde, wonach ihr der Sinn stünde, nach einem Bier. Vor der Operation trank sie nie alkoholische Getränke. Auch hatte sie – eine Vegetarierin – plötzlich Lust auf Chicken- Nuggets und grüne Paprika. Vor allem Letzteres, das Verlangen nach grünen Paprika, erschütterte sie: Sie hatte niemals Lust darauf gehabt, sondern im Gegenteil sogar einen großen Ekel davor gespürt!

Als sie sich daraufhin auf der Suche nach ihrem Spender machte, entdeckte sie, dass sie das Herz eines jungen Mann bekommen hatte, der bei einem Motorradunfall ins Koma gefallen und für hirntot erklärt worden war. In einem Gespräch mit dessen Eltern entdeckte sie, dass ihr Spender eine große Vorliebe hatte – für Bier, Chicken-Nuggets und grüne Paprika!

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, welches klar macht, dass bei Organspenden nicht nur Erinnerungen übertragen werden, sondern auch Gewohnheiten und Kräfte, zum Beispiel die Vitalität des Spenders. Für Claire war schließlich klar: Ein Organ ist nicht nur Materie – wie die heute gängige Meinung lautet –, sondern es ist auch von den Geisteskräften des Menschen belebt, in dessen Körper es existiert. Man kann sogar – laut Claire – sagen, dass unsere Seele in unseren Organen lebt: Ja, unsere Organe sind beseelt. Sie sind auch Träger der Erinnerungen des Menschen, zu dem sie gehören oder gehört haben.

Die Folgen der Organspende aus spiritueller Sicht

Was könnten die geistigen oder spirituellen Folgen der Organspende sein?

  1. Der Erinnerungen des Spenders bleiben auf der Erde (im Körper eines anderen): Er nimmt sie nach seinem Tod nicht mit in die geistige Welt. Das könnte es für ihn schwieriger machen, die Rückschau zu erleben, die jeder Verstorbene – nach Berichten von Menschen mit Nahtoderlebnissen – erlebt. Auch wird es für ihn dadurch komplizierter, Schlussfolgerungen über das gerade abgeschlossene irdische Leben zu ziehen. Außerdem stellt sich die Frage, ob Organempfänger Teile vom Karma des Spenders abtragen müssen.
  2. Zudem wird seine Seele möglicherweise von seinen Erinnerungen, die auf der Erde zurückgeblieben sind, immer wieder zurückgehalten, so dass es schwieriger für ihn wird, das irdische Leben loszulassen und aufzusteigen in die geistige Welt.
  3. Es geht als Teil unserer Lebensaufgabe für uns darum, ein selbständiges, unabhängiges Individuum zu werden. Das ist unser Auftrag in der heutigen Entwicklungsphase der Menschheit. Aber durch die Organspende entsteht etwas, was „eine Seelenverstrickung“ genannt wird. Statt ein Individuum zu werden, sieht es so aus, als werden Spender und Empfänger eine Art Doppel-Einheit.

Einen ungewöhnlichen Umgang mit diesem Erleben fand Mary, eine Frau, die ein neues Herz bekommen hatte. Sie hatte nach der Transplantation ständig das Gefühl, dass ihr neues Herz noch immer dem Spender gehörte, dessen Anwesenheit sie jeden Tag spürte. Deshalb sagte sie regelmäßig zu ihrem neuen Herz: Du gehörst jetzt mir. Du hast einem anderen gehört, aber jetzt gehörst du mir.

Für mich ist klar: Eine neue Diskussion ist notwendig, so dass jeder auf Basis der tatsächlichen Fakten seine eigene Entscheidung treffen kann – für oder gegen eine Organspende. Aber um das zu ermöglichen, ist viel mehr Information notwendig, als uns oft gegeben wird.

 

1 Quelle: Paolo Bavastro: Organspende – kein Ende der ethischen Diskussion (Artikel aus dem Jahr 2007)

Über den Autor

Avatar of Hans Stolp

Der holländische Pfarrer Hans Stolp ist in seiner Heimat so bekannt wie in Deutschland Rüdiger Dahlke. Er versteht es, auf einfühlsame Weise in seinen Büchern und Vorträgen den Menschen die Gewissheit vom Weiterleben nach dem Tod und vom wunderbaren Wirken der Engel zu vermitteln. Er war unter anderem Fernsehpfarrer und arbeitete im Krankenhaus mit schwerkranken und sterbenden Kindern und Erwachsenen.

Mehr Infos

Hans Stolp
Organspende – übertragen Organe Bewusstsein?
Crotona Verlag 2016

organspende-stolp-buchcover

Eine Antwort

  1. Beate Funk
    Beate Funk

    Meine 14jährige Nichte Franziska wurde nach einem schlimmen Asthmaanfall ins künstliche Koma versetzt und dann von den Ärzten im Krankenhaus für hirntot erklärt. Ihren Eltern wurde vom Pfarrer und den Ärzten des Krankenhauses die Bitte herangetragen, sie freizugeben zur Organspende, damit ihr Tod einen Sinn habe. Ich hatte die ganzen Nächte bei ihr gewacht und hatte immer wieder den Eindruck, dasssie auf meine inneren Worte antwortete. Als ich z. B. gegen 4 Uhr nachts nach Hause fahren wollte und ich sie fragte, ob es für sie in Ordnung sei, schnellte ihre Herzfrequenz in die Höhe. Das gleiche passierte nochmal genauso eine Stunde später. Es war für mich unmöglich, Franziska als leblos anzusehen und das hat mir die Kraft gegeben mich vehement gegen die „Spende“ ihrer Organe einzusetzen. Als sie dann drei Tage später wirklich starb gab es keinen Zweifel mehr für mich: sie wirkte zutiefst friedvoll, vielleicht, weil sie in ihrer Zeit konnte.

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