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Mit typgerechter Ernährung durch die Schulzeit

Ayurvedische Küche auch schon für Kinder? Darf man das machen? Und vor allem: Funktioniert das? Ziemlich gut sogar, meint die Ayurveda-Ärztin Dr. med. Harsha Gramminger. Die ayurvedischen Prinzipien fügen sich wunderbar in die europäische Küche ein und bieten ihrer Ansicht nach sogar eine besonders wertvolle Grundlage für die Jahre des Wachsens und des inneren Wandels. 

Während der Schulzeit, im Alter von sechs bis circa 16 Jahren, sind Kinder auf allen Ebenen stark gefordert. Sie befinden sich in geistigen wie körperlichen Wachstumsprozessen. Daher empfiehlt der Ayurveda für Heranwachsende grundsätzlich eine vorwiegend vegetarische Kost mit viel Gemüse, Getreide, Früchten, Nüssen und Hülsenfrüchten sowie hochwertigen Fetten, damit es nicht zu einem gestörten Dosha-Haushalt kommt. Doshas sind die individuelle Bioenergie eines jeden Menschen. Konstitutionstabellen geben darüber Aufschluss, welches Dosha (Vata, Pitta oder Kapha) überwiegt, danach richtet sich die typgerechte Ernährung und der Lebensstil. Die ersten Anzeichen für ein Ungleichgewicht im Dosha-Haushalt äußern sich zum Beispiel in Verdauungsstörungen, Allergien, Hautproblemen, Konzentrations- und Schlafstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten. 

 

Ayurvedische Essensplanung für den Tag

Der Ayurveda gibt einfache Empfehlungen, die relativ leicht in den Tagesablauf integriert werden können:

  • Frisches, vitalstoffreiches Gemüse und Obst der Saison und Region
  • Viele Aufbaustoffe, viele Ballaststoffe (z.B. in Linsen, Bohnen, Kartoffeln, Getreide)  
  • Eine Mahlzeit sollte alle Rasas bieten (Geschmacksrichtungen): salzig, süß, sauer, scharf, bitter und herb 
  • Fleischlose Ernährung bzw. kaum Fleisch und Fisch
  • Regelmäßige Mahlzeiten, Ruhe und Freude beim Essen

Klingt eher simpel. Ayurveda kann also schnell bei uns heimisch werden! Empfehlenswert ist ein warmes, ayurvedisches Frühstück. Zum Beispiel ein Milchbrei mit Mandelstückchen und Honig. Jugendliche essen gern Dinkelpfannkuchen mit gegartem Obst. Anstelle der Kuhmilch kann auch Soja-, Mandel- oder Hafermilch verwendet werden. Kinder verlangen extrem nach Süßem, weil in der Kindheit das Kapha-Dosha grundsätzlich erhöht ist und sich aus den dahinter stehenden Elementen Wasser und Erde die Geschmacksrichtung süß ableiten lässt. Eine weitere Eigenschaft der Kapha-Dosha-Dominanz ist Kälte. Mindestens zwei der drei Hauptmahlzeiten pro Tag sollten deswegen warm sein. Das wirkt ausgleichend, beruhigend und stärkend. Es besteht also kein Grund zur Sorge, wenn der Nachwuchs keine frischen Salate essen mag. Die kalten, manchmal bitteren Eigenschaften sind schlicht entgegen seinen Bedürfnissen.

Für den Pausensnack kann man Sättigendes, aber leicht Verdauliches wie beispielsweise selbstgemachten Karottenkuchen oder Mandelkekse (ohne Kristallzucker und Weizenmehl) mitgeben. Kinder lieben süßes Obst für die Pause, das obendrein den Heißhunger auf Gezuckertes stoppen kann. Als Getränk geben Sie Ihrem Kind Wasser oder Tees mit in die Schule. Zum Beispiel belebenden grünen Tee (höchstens zwei Minuten ziehen lassen) mit etwas Ingwer, Akazienhonig und Rosmarin angereichert.

Die Kinder kommen mit großem Hunger aus der Schule. Warme Mahlzeiten wie zum Beispiel ein vegetarisches Pastagericht mit viel Gemüse oder ein Risotto mit Pilzen (für alle Doshas geeignet) liefern genug Aufbaustoffe, jede Menge Vitamine und Nährstoffe aus Gemüse, Kräutern, Ölen und natürlich obendrein Genuss pur. Wenn der Hunger sich am Nachmittag wieder meldet, ist eine kleine Zwischenmahlzeit mit Obst oder Keksen, Nüssen, Rosinen völlig in Ordnung. Das Abendessen sollte zwischen 18 und 19 Uhr eingenommen werden. Versuchen Sie auch abends eine warme Mahlzeit zu reichen, wobei alle drei Doshas ausgeglichen werden sollten, damit eine erholsame Nachtruhe für das Kind garantiert ist. Am besten eignen sich leicht verdauliche Suppengerichte, klare Gemüsesuppen oder dickere Suppen aus Kartoffeln, Kürbis, Karotten oder Topinambur. Von Milchgerichten, kalten Getränken, Eiscreme oder Brot zu später Stunde rät der Ayurveda ab, weil sie zu stark verschleimen. 

 

Ernährungstrick: Gewürze

Man kann alle Eltern nur ermuntern, in die Gewürzkiste zu greifen, um damit eventuelle Unverträglichkeiten auszugleichen. Ein Beispiel: Heute gibt es ein Kohlgericht für die ganze Familie, das aber vom Vata-Kind schlecht verstoffwechselt wird und bei ihm Blähungen verursachen würde. Vorbeugen können Sie mit Senfsamen, Ingwer oder Hing (Asant). Scharfes und salziges Essen, was von Pitta und Vata schlecht vertragen wird, kann man mit Kurkuma, Koriander und Kokosöl sehr gut ausgleichen.

 

Tagesroutine: Nahrung für den Geist

Die indische Heillehre Ayurveda umfasst aber viel mehr als nur die Ernährung. Eine Dinacharya (Tagesroutine) ist für Kinder zur Erhaltung der Gesundheit und für die Weiterentwicklung von Körper, Geist und Bewusstsein unerlässlich. Durch diese kleinen Rituale und Abläufe synchronisiert sich der Körper wieder mit seinen natürlichen Rhythmen. Hier ein einfacher kindgerechter Tagesplan: Liebevolles Wecken – Glas warmes Wasser trinken – Toilettengang – kindgerechte Yoga-Übung – in Ruhe frühstücken – Morgenhygiene – Schule – warmes Mittagessen – 30 Minuten Mittagsruhe/Schlaf – Hausaufgaben – „Zeit für mich“ (Sport, nach draußen gehen, Hobby etc.) 18.30 Uhr Abendessen – „Zeit für mich“ – Zubettgehen zwischen 21 und 22 Uhr. 

 


 

Ernährungstipps nach Tri-Dosha (auszugsweise aus der Buchreihe New Age Ayurveda):


Abb: © Bestphotostudio – shutterstock.com

Bitte beachten Sie, dass die Artikel nicht den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker ersetzen.

prakti­ziert seit über 20 Jahren als Ayurveda-Ärztin in Bell/Eifel. In ihre Praxis kommen Patienten aller Altersgruppen, auch Kinder, mit vielerlei Beschwerden. Aus diesen Erfahrungen heraus entstand ihre Buch-Trilogie New Age Ayurveda (Basics, Handbuch, Kochbuch), nach Alter aufgeteilt. Sie leitet Panchakarma-Kuren und bietet Ausbildungen an. 

www.euroved.com 

 

New Age Ayurveda – Mein Kochbuch. 

Rezepte für jede Lebensphase, ISBN: 978 3 00 044566 8

OM Medicus, 2014

224 Seiten, 34 €


Abbildungen: © Manfred Esser_euroved

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Über den Autor

Avatar of Dr. med. Harsha Gramminger

ist Vorsitzende der European Ayurveda Association e.V. (EUAA), einem Dachverband, der sich für die Verbreitung und Anerkennung von Ayurveda in Europa einsetzt. Die Ärztin verfasste drei Bücher über „New Age Ayurveda“ und leitet die Euroved GmbH mit ayurvedischer Akademie/Klinik.

Mehr Infos

Am 15. & 16.10.2016 findet in Koblenz der 2. European World Ayurveda Congress (EWAC#2) statt:
Interessierte können die ganze Welt des Ayurveda & Yoga mit allen fünf Sinnen erfahren, während sich die internationalen Experten auf einem wissenschaftlichen Symposium austauschen.
Mehr Infos: www.ayurvedacongress.de

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