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In einem Jahr des Rückzugs und der Innenschau reiste Geta Bussinger viel – auch zu entlegenen Orten. Unerwartet und unspektakulär stellten sich mit der Zeit neue Wahrnehmungen ein und andere Schwingungsebenen wurden zugänglich. Nur so mal eben erhaschte sie einen Blick in die Dimension der Verstorbenen oder ein Waldwesen zeigte sich, hoch wie ein junger Baum und reinste Liebe in seiner energetischen Umarmung. Alles war belebt, erkannte Geta, alles hatte Bewusstsein und war mit allem verbunden.

 

 

Bis vor wenigen Jahrzehnten sprach niemand in diesen Breiten davon, dass ein Mensch etwas anderes sein könnte als das, was man eben sieht. Ein biologisches Wesen, männlichen oder weiblichen Geschlechts, mal ein bisschen größer oder kleiner, dicker oder dünner, schöner oder hässlicher, klüger oder dümmer. Gottes Kind ist er, das habe ich im Religionsunterricht gelernt. Später in meinem Leben kam noch die eine oder andere Variante dazu, aber richtig spannend wurde die Sache, als ich mich im fortgeschrittenen Alter aus dem hektischen Alltagstrubel ausklinkte und ein paar Monate in Einsamkeit und Stille auf der Feuerinsel Gomera verbrachte. Dort hat mich womöglich der Bazillus erwischt: der Anderweltbazillus. Wo es so wenig weltliche Aktivität gibt, eröffnet sich leichter ein innerer Raum für neue Wahrnehmungen.

 

Der Schleier hebt sich

Als ob sich der Schleier des Konditionierten heben und eine neue Sicht der Dinge ermöglichen würde, sah ich plötzlich die Menschen anders. Begonnen hatte es mit Edwina. Eine Frau um die Fünfzig, Architektin, spezialisiert auf alte Bauweisen, wie sie sich über Jahrhunderte bewährt haben. Bauen mit den Stoffen der Natur, in Einklang mit den Kräften der Natur. Sie beeindruckte mich mit ihrer Wahrnehmungsfähigkeit diesbezüglich. Edwina kann mit Bäumen, mit Steinen sprechen, kann hören, was ein Ort erzählt. Ich glaube ihr diese Fähigkeiten. Schon immer war mir klar, dass es zwischen Himmel und Erde mehr Dinge gibt, als sich die Schulweisheit träumen lässt. Meine Stärke der Wahrnehmung liegt im Bereich der Menschen, und recht bald zeigte sich so etwas wie Konkurrenz zwischen uns. Edwina liebte die Natur, Menschen sehr viel weniger. Sie hatte ein absolutes Muttertrauma. Was sie als Kind unter dieser Frau erdulden musste, war, ihren Erzählungen nach, haarsträubend. Wie kalt und herzlos die Mutter mit ihr umgegangen war, wie egoistisch. Jede Freundin wurde vergrault, Edwina sollte nur um sie kreisen, zu ihrer Verfügung stehen, ihren Vorstellungen entsprechen. Der arme, arme Gatte war – Edwinas Meinung nach – gestraft mit dieser Frau. Zu ihm, dem Vater,  hatte Edwina ein besseres Verhältnis. Er war Mitopfer und blieb weitgehend ungeschoren. Im Verlaufe meines Freijahres nahm Edwina mich an einem Wochenende besuchsweise mit zu ihren Eltern. Ich war vorgewarnt: Dass sie (die Mutter) mich in jedem Fall hinterher Edwina gegenüber verbal zerreißen würde. Dass ich mich also nicht sonderlich zu bemühen brauchte, nett zu sein.

 

Zwerge und Elfen

Wir parkten vor dem Haus, ich öffnete die Gartentür, und schon, als ich die paar Stufen zur Haustüre hoch ging, betrat ich eine andere Welt. Ich kapierte noch nicht, was vorging, spürte nur den Wechsel zur Welt vor dem Gartenzaun. Drinnen saß der kranke Vater im Wohnzimmersessel, die Mutter kam zur Begrüßung und agierte dann in der Küche, bereitete das Abendessen vor. Eine kleine, äußerst zierliche, für ihr Alter (Ende 80) ungewöhnlich agile Person mit messerscharfem Verstand. Wir saßen um den Tisch, der Vater am Kopfende, Edwina ihm gegenüber, ich vis-a-vis zur Mutter, die jeden, seinen Wünschen entsprechend, versorgte. Das Gespräch lief in der Hauptsache zwischen den Familienangehörigen, ich saß, aß, war wie der Welt entrückt und schaute und hörte. Ich sah, dass Edwina und ihr Vater von der gleichen Art waren. Ich habe keinen Namen dafür, aber sie gehörten zu einer Sorte von Erdwesen, von Zwergen, und sie waren sich in ihrem Selbstverständnis einig. Ich sah, dass Edwinas Mutter von anderer Art war, ein Luftwesen, eine Elfe, und dass sie verzweifelt versuchte, es dem Mann und noch mehr der Tochter recht zu machen. Mit allen Mitteln wollte sie die Aufmerksamkeit und Zuneigung der beiden erringen, wollte dazugehören. Ich spürte ihre Verzweiflung und verstand – nach und nach –, dass diese Elfe das erste Mal in einem Menschenkörper inkarniert war. Dass die Welt der Elfen völlig anders beschaffen ist als die der Menschen und sie im Zusammenhang mit Kinder-Kriegen und -Aufziehen auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen konnte. Dass sie nur schauen konnte, wie es die anderen machen, und das dann nachahmen.

 

Probleme mit dem Menschsein

Wie Kinder mit ihren Puppen, nur so konnte sie mit der kleinen Edwina sein. Und dass diese Art des Umgehens für Edwina grausam war. Kein Einfühlungsvermögen, keine Mutterliebe nach Menschenart. Ich verstand – nach und nach –, dass sie ihrem Kind auf ihre Art herzlichst zugetan war, aber nicht über die Möglichkeiten verfügte, dies zu vermitteln. Ich saß am Tisch wie in einem Bann, und nachdem wir uns verabschiedet hatten, wirkte er noch eine Weile weiter. Edwina steuerte das Auto, in mir arbeitete es. Bilder stellten sich ein, tieferes Verstehen bildete sich. Dass Edwinas Haupterbe an Erfahrungen aus dem Naturreich stammt. Vielleicht war sie schon das eine oder andere Mal als Mensch inkarniert, das vermute ich, aber die tiefste Prägung hat sie als Zwergin. Ich verstand, dass Naturwesen, Zwerge, Elfen, inkarnieren, um bestimmte Aufgaben wahrzunehmen im menschlichen Umgang miteinander, mit der Erde. Um sich einzubringen mit ihrem Einheitsbewusstsein, mit Talenten, die den altgedienten Menschenwesen fehlen oder verkümmert sind.

Auf der Autofahrt zurück von dem Besuch bei Edwinas Eltern habe ich ihr von meinem Erleben berichtet. Sie hörte mich an, glaubte mir jedoch nicht. Sie war ein Mensch und nichts anderes. Und ihre Mutter war eine fürchterliche Person und da beißt die Maus keinen Faden ab. Wochen später, nach einem neuerlichen Besuch zu Hause, erwähnte sie ganz nebenbei (belustigt), dass ihre Mutter gesagt hätte: „Die Dame, die bei deinem letzten Besuch dabei war, kannst du ruhig wieder mal mitbringen.“  Kein böses Wort über mich. Was hat sie im Beisammensein mit mir berührt? Hat sie gespürt, dass ich sie sehen konnte? Wirklich sehen? Hat das ihre Seele getröstet?

 

Erfahrungen jenseits des ­Menschseins

Da ist so viel mehr zwischen Himmel und Erde, als sich die Schulweisheit träumen lässt. Der menschliche Körper formt sich aus den Stoffen der Erde, das steht fest. Und das Nicht-Sichtbare? Das, was ihn so individuell sein lässt, was durch ihn hindurchschimmert als Persönlichkeit schon eine Minute nach der Geburt? Sein geistig-seelisches Erbe? Unter dem Mikroskop finden wir es nicht, aber es ist da. Und wenn ich schon behaupte, dass es so etwas wie eine unsterbliche Blaupause gibt, die sich in verschiedenen „Leben“ wandelt und erweitert, warum sollte ich dann Halt machen vor dem Postulat, dass es nicht nur die Ebene der menschlichen Erfahrung gibt, die zur Auswahl steht. Wozu ist das Universum da, wenn nicht, um Erfahrungen damit zu machen? Wozu ist die Erde da, wenn nicht, um alle Ebenen des Seins zu erkunden? Sicher gibt es Menschen, die im Kaufhaus immer nur die Bekleidungsabteilung aufsuchen, aber die meisten schauen sich doch auch mal die  Schuhe an und gehen in die Abteilung für Haushaltsgeräte. Inkarnieren wir immer nur als Menschen, wenn wir uns in die Form begeben auf diesem Planeten?

Seit ich Edwina kennen gelernt  habe, begegnen mir öfters inkarnierte Naturwesen. Ich sehe ihr Wesen aufblitzen in ihren Gesichtern, erkenne ihre Eigenarten am Outfit, am Auftreten, an ihren Interessen. Zwerge, Elfen und Elben sind relativ häufig, ich könnte schon einen kleinen Katalog von Merkmalen erstellen. Nur ein einziges Mal begegnete ich einer Undine (Wasserwesen) und noch nie einem Feuerwesen. Keine Ahnung, womit das zu tun hat. Sowieso ist meine Klassifizierung der Wesen mehr als mangelhaft. Mir fehlt das Fachwissen dazu und leider beinhalten meine „Einblendungen“ keine Namensschilder wie im Zoo. Art der Spezies, Eigenschaften, natürliche Vorkommensgebiete…..   Das ist schade – die Vielfalt der durchscheinenden Wesensanteile ist beträchtlich, und sie beschränkt sich auch nicht auf das Naturreich allein, zieht weitere Kreise. Nie war ich unsicher, was meine Wahrnehmungen anging, auch wenn sich das tiefere Verstehen erst nach und nach einstellte. Und doch habe ich mich oft gefragt, wieso niemand außer mir so etwas in Erwägung zieht.

 

Der Mensch als Krone der ­Schöpfung?

Interessanterweise war es dieselbe Edwina, die mir auch hier auf die Sprünge half. Sie hatte zum Geburtstag („zufällig“) ein Buch geschenkt bekommen: „Engel der Erde“ von Doreen Virtue, die darin ihre Erfahrungen als Therapeutin niederschreibt. Ich durfte es leihen und war begeistert. Für Doreen Virtue gibt es inkarnierte Engel, inkarnierte Naturwesen, inkarnierte Außerirdische usw.  In der Einleitung zum Buch entschuldigt sie sich sehr dafür, vielleicht Verwirrung zu stiften, aber ihre hellseherischen Wahrnehmungen ließen keine anderen Schlüsse zu. Manche Eigenschaften, manche Empfindungen, manche Nöte ihrer Klienten lassen sich einfach nicht aus dem rein menschlichen Erfahrungshintergrund ableiten, schreibt sie. Da ist mehr.

Überflüssig zu erwähnen, dass Edwina das Buch total interessant fand, sich selbst aber als reinkarnierte Schamanin identifizierte. Ein inkarnierter Zwerg? Sie? Bewahre!

Vielleicht nicht überflüssig zu erwähnen, dass unsere Freundschaft bald danach auf Eis zu liegen kam. Wegen jeder Kleinigkeit giftete sie mich an, und ich blieb auch nicht neutral…. vorsichtig formuliert. Es gefällt den meisten Menschen nicht, ein inkarniertes Naturwesen zu sein; soviel habe ich mit der Zeit herausgefunden. Sie hören interessiert zu, was ich zu berichten habe, und dann vergessen sie alles ganz schnell wieder. Woher kommt das? Es erscheint mir seltsam. Doch so allmählich komme ich der Sache auf den Grund: der Mensch, die Krone der Schöpfung. Das ist der Punkt.

 

Klassenunterschiede

Ob wir das wirklich sind oder nicht, sei dahingestellt; wir haben uns den Platz jedenfalls genommen auf Gaia. Es mag eine Zeit gegeben haben – und ich bin sicher, dass es so war –, da gab es auf der Erde die friedliche Koexistenz der unterschiedlichsten Arten. Jede Art hatte ihre besondere Aufgabe für den Planeten, ihren besonderen Wert. Wieso hat sich das Reich der Naturwesen in die Unsichtbarkeit zurückgezogen? Oder wurde die Schwingung der Menschen dichter, ihre Wahrnehmung stumpfer? Was ist passiert? Was ist passiert in der Begegnung zwischen Edwina und mir?  Kamen alte Erinnerungen an die Oberfläche, an ein Leben, in dem die „Klassenunterschiede“ unsere Zusammenarbeit zerstörten? Sie identifiziert sich stark mit der indianischen Weltsicht, liebt die Mutter Erde mehr als ihre Mitmenschen; mir sind die Menschen in gewisser Weise wichtiger, als es die Natur ist. Da liegt der Schlüssel. Zwerge sind die Hüter der Erde. Menschen nutzen die Erde. Vom Nutzen zum Ausbeuten ist es oft nur ein kleiner Schritt. Wenn der Mensch sich als die Krone der Schöpfung ansieht und vergisst, dass er Teil der Natur ist, nicht ihr Herrscher, dann verliert er seinen Respekt vor ihr. Dann erhebt er sich über die Natur und alle mit der Natur verbundenen Wesen. Verachtung, Missachtung statt Respekt. Dann kommt es zur Trennung. Bin ich schuldig geworden an ihrem Volk? Niemand will einer Rasse angehören, die als minderwertig angesehen wird. Der Mensch, die Krone der Schöpfung! Welcher Mensch wollte da Zwerg sein?

 

Das frische Blut der „Zugereisten“

Meine in den letzten Jahren gemachten Beobachtungen führen zu einem ganz anderen Ergebnis. Wo wäre die Menschheit ohne das frische Blut der „Zugereisten“? Ohne die Leichtigkeit und Verspieltheit der Elfen, die Kreativität und den Schönheitssinn der Elben, den Schalk der Kobolde, die Beständigkeit der Zwerge. Ich erkenne die „alten Seelen“, die einen langen Entwicklungsweg im menschlichen Gewand zurückgelegt haben. Sie sind so voller Narben und Schwielen an Körper, Geist und Psyche. So müde. Wer könnte nach all diesen Erfahrungen von Mangel, Leid und Tod, von Krankheit, Ungerechtigkeit, Verrat und Verderbtheit noch lachen? Noch vertrauen? Noch Freude am Leben haben, es feiern? Warum ist die Menschheit nicht schon längst in tiefste Depression versunken oder einem kollektiven Selbstmord zum Opfer gefallen? Nun, weit davon entfernt… Immerhin gibt es uns noch!

 

Sind wir alle „Mischlinge“?

Immerhin gibt es uns noch! Es gibt uns noch, aber wir können dringend Hilfe gebrauchen. Doreen Virtue schreibt in ihrem Buch, dass sie lange Zeit äußerst vorsichtig damit war, Menschen auf ihr anders geprägtes „Erbgut“ hinzuweisen. Dass sie es schließlich aber doch tat, weil sich viel Leid und Unverstandensein dadurch beheben ließ. Möglicherweise hören viele es lieber, ein inkarnierter Außerirdischer zu sein, der dem Menschengeschlecht zu technischem Fortschritt verhilft, als ein Faun. Und dank des Jahrtausende währenden unermüdlichen Einsatzes der Kirche poliert es unser Ego wesentlich mehr auf, als inkarnierter Engel bezeichnet zu werden, als eine heidnische Deva im neuen Gewand zu sein. Ach, wenn sie wüssten! Vor einigen Monaten reiste ich mit einer kleinen Gruppe durch Cornwall. Die Leitung hatte ein Geomant, und so wundert es niemanden, dass wir jede Menge Steinkreise, heilige Quellen und alte Kirchen besuchten. In der selbst ernannten Hüterin eines Steinkreises im Dartmoor erkannte ich eine inkarnierte Landschaftsdeva und war von ihrer Ausstrahlung so berührt, dass ich erst meine Tränen wegwischen musste, bevor ich ihr ganz menschlich Hallo sagen konnte.

Ich bin so froh, dass es sie gibt, diese anderen Anteile in uns. Sowieso glaube ich, dass jeder sie hat, in unterschiedlichem Maße. Aber da ist keine Wertung in dem Ganzen. Alles ist Teil des großen Spiels, genannt Leben. Wenn die Menschen zu schwer werden, kommen mehr Wesen mit einem Erbe von Leichtigkeit hinzu. Bringen sich ein und sind Teil des ewigen Wandels, der Evolution der Seele. Immer geht es darum, zur Ganzheit zurückzukehren. Was einerseits vollkommen individuell geschieht, andererseits in einem weit größeren Zusammenhang, als der menschliche Verstand sich vorstellen kann. Nur die Offenheit wird uns heilen.


Abb: © freshidea – Fotolia.com
© Gerd Wolf – Fotolia.com

Kontakt über geta.b@gmx.de

Der Artikel basiert auf Auszügen ihres noch unveröffentlichten Manuskript „Der Werwolf und die Fädenknüpferin“.

Literatur­empfehlungen:
Tanis Helliwell, „Elfensommer“; Doreen Virtue, „Engel der Erde“; White Eagle, „Naturgeister und ­Engel“, Barbara Frischmuth, „Die Mystifikationen der Sophie Silber“

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