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Puja wird auch Shanti (=Frieden) Karma (=Handlung) genannt, eine Handlung, die selbst Frieden ist. Sie wird für friedliche Zwecke unternommen und von friedlichen Individuen ausgeübt – und diesen Frieden erfährt man während der Puja. Auch auf dem diesjährigen Yogafestival werden die Besucher wieder an einem solchen Ritual teilnehmen können, durch das göttliche Energien auf die Erde geholt werden.

 

Pu’ bedeutet ‚poornatha’, oder Fülle. ‚Ja’ bedeutet ‚geboren aus’. Das, was aus der Fülle geboren ist, ist Puja. Wenn das Bewusstsein mit Frieden angefüllt ist und in diesem Zustand eine Handlung vollzogen wird, nennt sich das Puja. Aber was genau ist eine Puja? Eine Puja ist der Ablauf eines Gottesdienstes, der sehr komplexe Techniken beinhaltet. Es gibt heilige Schriften zum Tantra, die detailliert alle philosophischen und technischen Aspekte behandeln. Der tantrische Kult war in Südindien während der Sangam-Periode vorherrschend, also ungefähr 300 vor bis 300 Jahre nach Christus. Die Pujatechniken entwickelten sich und wurden durch die Jahrhunderte hin perfektioniert – als Bestandteil des tantrischen Kultes und basierend auf der Yoga-Philosophie. Die vedische Philosophie und die Upanischaden übten ebenso Einflüsse aus. Zum Beispiel leitet sich das Pranava-Mantra (Om), das in der Puja sehr häufig Verwendung findet, aus Texten des Yoga und den Veden her.

Innerhalb der Indischen Tradition werden Pujas in verschiedenen Formen praktiziert. Es gibt keine allgemein gültigen Regeln für die Ausführung. Jeder kann seine Dankbarkeit oder Verehrung des Göttlichen ausdrücken, wie er es möchte, oder wie er es von seinen Eltern gelernt hat. Als tantrischer Priester aus Kerala werde ich diese Puja in der tantrischen Tradition leiten. Dank des göttlichen Willens konnte ich tausende Male in meinem Leben eine solche Puja ausführen.

 

Das tantrisches Konzept der Puja

Der Mensch ist laut der Vedanta- und Yoga-Philosophie ein Funken der universellen Seele, Brahman, die allwissend, allgegenwärtig und allmächtig ist. Der Mensch ist in tantrischer Terminologie eine Miniaturform, Pindandam (Mikrokosmos) des Universums, des Brahmandam (Makrokosmos). Der tiefste Sinn des menschlichen Lebens ist die Identität des persönlichen Atman (Mikro-Seele) mit der universellen Seele (Makro-Seele) zu erkennen, aus welcher der Atman hervor- und wieder eingeht.

Nach der Philosophie des Yoga ist diese Einheit durch regelmäßige spirituelle Praxis (Yoga-Sadhana) möglich. Die tantrische Herangehensweise im Sadhana ist es, die Kundalini-Shakti (latente Energie an der Basis der Wirbelsäule) durch Pranayama (Atemübungen) zu erwecken und diese durch die Sushumna-Nadi (den zentralen Nervenkanal) zum Sahasrara-Chakra (Scheitel-Chakra) zu leiten. Hier vereinigt sich die weibliche Energie, die Kundalini, mit Siva, was die Einheit von Makrokosmos und Mikrokosmos darstellt.

Der Pujaka (Priester) vollzieht Pranayama (Atemtechniken) und Nyasam (eine spezielle Reinigung des Geistes). Dadurch wird Brahman (der universelle Gott) erweckt und zu dem Priester heruntergerufen (Dhyanam-Meditation) in der Form der Gottheit, die er anbetet. Er bietet sein Selbst der Gottheit dar mittels einer sogenannten Manasa-Puja (einer mentalen Verehrung). Alle fünf Elemente in ihm, das heißt, sein Körper, der das Atman trägt, werden mit Mantras (Gebeten) und Mudras (Handgesten) dargeboten. Durch diesen Prozess wird sein Astralkörper gereinigt. Auf diese Weise kommt das Bewusstsein des Pujakas in Berührung mit der Devata (Gottheit). Nach der Herabrufung der Gottheit bietet ihr der Priester an, sich auf dem Peetham (Podest) niederzulassen.  Das Podest repräsentiert Yoni oder Prakriti, die weibliche Manifestation, und das Idol (Bimbam) repräsentiert Lingam oder Purusha, die männliche Manifestation der kosmischen Seele oder Shivas.

Die grundlegenden Symbole der Puja reichen weit zurück in die Geschichte der Menschheit. Betrachtet man das ganze System eingehender, so kann man eine Reihe von Fruchtbarkeitssymbolen darin finden, zum Beispiel ist die Vereinigung von Peetham (feminin) und Bimbam (maskulin) seit der Industal-Zivilisation ein typisches Fruchtbarkeitssymbol.

 

Warum überhaupt eine Puja?

In unserer Puja-Zeremonie erwecken wir die Energie der Göttlichen Mutter und bieten ihr Blumen in tiefer Hingabe dar, während wir dreihundert ihrer Namen rezitieren für Frieden im Geist, Gesundheit, Wohlstand, und um globale Angelegenheiten, wie Finanzkrise, Klimawandel und kriegerische Konflikte zu bewältigen.

Schon bei den vorangegangenen Berliner Yogafestivals habe ich Pujas für universellen Frieden und Harmonie durchgeführt. Zum diesjährigen Yogafestival können alle Beteiligten mit der Darreichung von Blumen – gemäß der tantrischen Tradition – der göttlichen Mutter ihre Liebe und Ehre erweisen. Jeder einzelne der Teilnehmer kann durch die Ausführung dieser einzigartigen Puja Frieden erfahren, ungeachtet des eignenen Wissen und Könnens.

Über den Autor

Avatar of Sri Sivan Namboothiri

Sri Sivan Namboothiri stammt aus einer Brahmanen-Familie in Kerala, Südindien. Seine spirituelle Linie geht auf den großen Philosophen Indiens zurück, Sri Sankara Acharya (788-820 n. Chr.). Seiner Familientradition gemäß begann Sri Sivan seine zwölfjährige spirituelle Ausbildung im Alter von sieben Jahren unter der Leitung von großen Meistern in der Tradition des Yogas, Tantras, der Rituale, Mantras und Vedanta-Philosophie. Er lebt seit 1996 in Deutschland und gründete sein erstes Yogainstitut in Berlin.

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