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Eine astrologische Perspektive

Die Überschrift mag provokativ klingen in einer Zeit, in der wir doch endlich frei aussprechen, was wir fühlen und wir uns durch moralische Tabus nicht mehr an Ketten legen lassen. Kurz: wir sind sozial emanzipiert. Warum sollte dann Schweigen Gold sein?

 

Statistisch wird zurzeit etwa jede zweite Ehe geschieden. Die destruktiven Konflikte, die zu diesen Trennungen führen, entstehen meist über einen längeren Zeitraum durch Ärger, für den wir unsere Partner verantwortlich machen. Wie wir Ärger im Einzelnen leben, hängt astrologisch vor allem mit der Stellung des Mars und seinen Aspektierungen zusammen. Ein Feuer-Mars kann sich mit einem anderen Feuer-Mars oder einem Luft-Mars sehr leicht über das Spielerische hinaus in verletzenden Streit hochschaukeln. Speziell der cholerische Feuer-Mars kann sich sehr schnell in ungeahnte Aggressionshöhen hochschrauben, während ein erdiger Mars wie ein Dieselmotor langsam warm läuft, dafür aber lang anhaltend ärgerlich ist. Ein Wasser-Mars wird eher mit subtilen Mitteln hintergründig streiten. Sobald wir die Grenze des Spielerischen überschreiten und uns verletzen, wird es ernst. Verletzungen legen sich wie Schichten über diese Ebene, auf der wir uns eigentlich von Herzen lieben, und die wir mit hohem Kraftaufwand immer wieder freischaufeln müssen. Irgendwann sind wir einfach müde und wollen nicht mehr.

 

Reifung durch innere Reibung

Dabei wäre es wichtig, diesen Druck, der durch den Ärger entsteht, erst einmal auszuhalten, wissend, dass der Ärger ja etwas Selbstproduziertes ist, das durch den Partner nur aktiviert wird. Im Sinne von Gurdjeff sind es genau die inneren Reibungsprozesse, die zu einer Kristallisation unserer Persönlichkeit führen und die uns reif werden lassen. Ohne diese innere Reibung entsteht nicht die Hitze und der Druck, der aus den verschiedenen und widersprüchlichen Persönlichkeitsanteilen eine konsistentere Form werden lässt. Das Primat des „Lass es raus“ verhindert tiefe Reifungsprozesse, die uns erst groß werden lassen. Dies belegen auch starke Persönlichkeiten und Charaktere, die in ihrem Leben meistens viel durchgemacht und ausgehalten haben.

Astrologisch betrachtet ist Pluto der Dampfkochtopf und Uranus das Ventil, wo der Druck entweicht, damit aber auch häufig die Kraft für eine wirkliche innere Verwandlung. Pluto steht für Bindung, Partnerschaft und für Transformationsprozesse, während Uranus für Befreiung von Zwängen, Flexibilität und Freundschaft steht. Während Pluto sagt „ich halte das aus und gehe da durch“ sagt Uranus „mir ist es zu eng, ich brauche Luft und muß jetzt sofort weg“. Freundschaften sind analog gekennzeichnet durch Freiräume, Flexibilität, durch die Freiheit, keine Kompromisse eingehen zu müssen, und durch ein hohes Maß an Freiwilligkeit in Alltagssituationen. Partnerschaften hingegen haben immer mit dem Thema echter Verbindlichkeit zu tun, nicht umkehrbare Entscheidungen zu treffen wie beispielsweise ein Kind zu bekommen, und dafür dann ein Leben lang gerade zu stehen.

Aus meiner astrologischen Beratungspraxis kenne ich etliche Fälle, in denen Beziehungen auf Grund eines aktuellen Transits in die Brüche gegangen sind. Dies ist in der astrologischen Rückschau dann sehr bedauerlich. Denn gerade die Astrologie bietet uns die Möglichkeit, unsere inneren Zustände besser zu verstehen und sie im Rahmen des Gesamtschicksals besser einzuordnen. Wir verstehen dann Krisen als notwendige Schritte zum persönlichen Wachstum, und können immer noch entscheiden, ob eine Trennung tatsächlich der richtige Weg ist. Ich kenne auch Fälle, in denen eigentlich der Beruf hätte gewechselt werden sollen und dieser Druck dann aufs Private durchgeschlagen ist. Es ist wichtig nachzuspüren, wo genau der Veränderungsdruck hin will, um dort auch aktiv zu werden, statt die Beziehung als Projektionsfläche für anderes nicht gelebtes Schicksal zu missbrauchen. Trennungen stehen sehr häufig für „Prüfung des Schicksals nicht bestanden“.

Was also tun mit dem Ärger? Die Antwort heißt: den ersten Impuls erst einmal aushalten und schweigen! Schweigen heißt dann, den anderen in seiner Eigenart zu lassen und zu respektieren. Schweigen heißt auch Respekt vor dem ewigen Geheimnis zwischen Mann und Frau. Schweigen öffnet den Raum für dieses Mysterium von Liebe und Partnerschaft, damit es langfristig interessant bleiben kann. Indem wir uns im Streit durch profane Anlässe selbst auf banale und entwürdigende Plätze drängen, verstellen wir den Blick auf die Größe unserer Schicksale. Es gibt viele gute Möglichkeiten, die Energien von Ärger zu bedienen. Sei es nur, gemeinsam etwas Neues und Überraschendes zu tun, oder sich mit Liebe einem neuen Hobby zu widmen. Oder wie wäre es mit Schreiben? Oder auch die folgende Übung ist nützlich: „Wenn du dich ärgerst, spüre einfach die Energie und spüre, dass dies deine Kraft ist, mit der du etwas bewegen kannst. Und indem du das aushältst und den Ärger trägst, wirst du ein Stück größer und deine Persönlichkeit strahlt stärker.“

In diesem Sinne wünsche ich allen ein bisschen mehr Bereitschaft zum Schweigen und Innehalten!

Akarion

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