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Nach der Ankunft im Leben stellt sich die Frage: Gibt es einen Plan? Und wenn ja, wohin führt die Reise? Wie im Urlaub erleben wir die Fahrt, die verschiedenen Stationen und die Menschen, die uns begegnen. Spannende Unterhaltung wechselt sich ab mit schmerzhaften Erfahrungen, lustiger Fröhlichkeit, Kuriosem und Momenten absoluten Glücks. Bestimmt wird diese Reise vorerst von den Vorstellungen in der Familie und der Gesellschaft. Doch auf der Fahrt fragt man sich, ob das mit den eigenen Wünschen übereinstimmt. Denn bezahlen dürfen wir diesen Trip selbst, Abstecher und Spritztouren inclusive.

Jeder wünscht sich ins Land der Glücklichen und zweifelt, ob er jemals dort ankommt. Man steht immer wieder vor Kreuzungen und weiß nicht, für welche Abzweigung man sich entscheiden soll. Auf dem Weg versagen die Bremsen, der Sprit geht aus und das Navi spinnt. Das Ziel erscheint unerreichbar. Zweifel und Ängste säumen den Weg. Sie scheinen Anpassung zu fordern. Anstatt sie im Slalom umfahren zu wollen, lohnt es sich, anzuhalten und zu Fuß weiter zu gehen. In der langsamen Vorwärtsbewegung verändert sich die Wahrnehmung. Wenn der Zweifel eine Blume wäre, wie würde sie aussehen? Ist es ein Stechginster, eine Fleisch fressende Pflanze oder eine Anemone?

Verwandelt sich der Reisende an dieser Stelle in einen Gärtner, kann er die Zweifelpflanze ausgraben. Am besten trägt er sie abseits des Weges, bis er in eine Landschaft kommt, in der ihre Artgenossen wachsen. Dort kann sie eingepflanzt werden. Zurück auf dem Weg ins Glück, kann der Gärtner stattdessen seine Lieblingspflanze dort einsetzen. Vielleicht eine Glockenblume oder eine Rose mit lieblichem Duft und seinen Weg als Wanderer fortsetzen.

Die Reise scheint unendlich lang. Gedanken fluten das Gehirn und wirbeln ständig herum. Was einem beim Gehen so alles in den Sinn kommt. Wahrscheinlich ist der Hund des Nachbarn, der vermisst wird, überfahren worden. Die Arbeit auf dem Schreibtisch drückt aufs Gewissen, das vom Telefonanruf der Mutter gestern noch überstrapaziert ist. Den Gedankenstrom anzuhalten, scheint unmöglich. Die Aktivität des Geistes könnte dazu herhalten, sich eine Wäscheleine vorzustellen. Man nehme jeden Gedanken einzeln und hänge ihn dort zum trocknen auf. Bis der Kopf leer ist. Das schafft Platz, mit allen Sinnen die Umgebung zu genießen. Herrliche Landschaften liegen zu beiden Seiten des Weges. Vielleicht lassen sich sogar Tiere beobachten. Wie auf dem Jakobsweg ist man auch auf der Reise ins Glücklichland selten ganz allein.

Auf dem weiteren Streckenverlauf tauchen irgendwann Ängste auf, die einem einreden wollen, das man soviel Glück ja gar nicht verdient hat, oder gar allein sein könnte, im Glücklichland. Da gibt es vielleicht keine Elektronik, kein Smartphone und kein TV. Wenn diese Angst allerdings nur ein Vogel wäre? Wie würde er aussehen? Wie ein Kondor oder wie ein Spatz? In der Reiseapotheke des Rucksacks befinden sich Glückskekse. Das sind Erinnerungen an wunderschöne Momente. Der Reisende kann ein paar Kekse an den Vogel verfüttern, bis er zufrieden abzieht.

Die übrigen Kekse mit den glücklichen Augenblicken kann der Wanderer selbst verzehren. Süß schmecken die Erinnerungen an wunderschöne Stunden. Genüsslich wandern diese an den inneren Augen vorbei. Das Herz wird weit mit einem Atemzug.
Plötzlich ist die Reise zu Ende. Ankunft im Glücklichland. Es prickelt wie Champagnermagie. Gefühle wirbeln vor Freude herum. Glücklich sein, einfach so. Nicht erst wenn irgendein Ziel erreicht ist, sondern gleich jetzt.

 

Buch

Glücklich

Sabine Ruland

Rainbow Spirit Verlag

 

 

 

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