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Der hemmungslos außen-orientierte Mann auf dem Weg zum tieferen Gewissen.

Interview mit Frank Fiess, Autor des Buches „Du bist der Mann deines Lebens“.

Das Interview führte Aman


SEIN: Wirft man einen Blick in eine Finanzzeitung, liest man, wer wen über den Tisch gezogen hat, welcher Konzern welche Firma gerade aufkauft, oder mit welchem Gut gerade die höchsten Spekulationsgewinne eingefahren werden. Es fällt vor allem die Wahl der Worte auf. Es ist eine brutale, männliche Sprache und klingt wie die Beschreibung eines Kriegsszenarios. Ich frage mich, was muss passieren, dass sich diese einseitige Ausrichtung in der Geschäftswelt nach nur noch mehr Profit und Macht ändert, hin zu einer ganzheitlichen Sichtweise, die begreift, dass die Ressourcen der Erde endlich sind und dass es jetzt um den Erhalt der Lebensgrundlagen der Menschheit geht.

Frank: Das ist das alte Bewusstsein, das durch Angst und den Glauben an Trennung in vielen Ländern auf der Erde immer weiter in Gang gehalten wird. Alle Menschen haben noch kleine oder größere Anteile davon in sich, auch ich.
Das alte Bewusstsein sagt: Ich muss alleine durchkommen. Ich muss es alleine schaffen. Es spiegelt sich auch auf der Ebene eines Konzerns wider, der seine Marktführerschaft behaupten will. Und andererseits ist da das neue Bewusstsein, welches kooperiert oder lernt zu kooperieren. Dieses neue Bewusstsein wird sich immer weiter durchsetzen. In jedem Dorf, in jeder Stadt, in jedem Land dieser Erde gibt es Menschen, die in dem neuen Bewusstsein verwurzelt sind. Es gibt immer wieder Menschen, wie jetzt zum Beispiel Bernard Kouchner, Mitbegründer der „Médecins Sans Frontières“, „Ärzte ohne Grenzen“, der jetzt französischer Außenminister ist, oder Peter Garrets, der Sänger von „Midnight Oil“, der jetzt Minister in Australien ist, die die Chance haben, auf der höchsten politischen Ebene das neue Bewusstsein der Verbundenheit, Einheit und Kooperation zu verwurzeln.
Für mich ist die Krise auf der Erde eine Krise des Bewusstseins. Wenn ich ein „niederes“ Bewusstsein habe, das aus Angst und in Trennung handelt, dann ist es logisch, bestimmte Dinge zu tun. Wenn ich ein „höheres“ Bewusstsein habe, dann kann ich bestimmte Dinge nicht mehr tun. Es geht nicht mehr! Ich tue dann Dinge, die den Menschen und der Erde nützen.


SEIN: Wie transformiert man die Hatz nach Geld als Form der Anerkennung? Wie vermittelt man einem Mann, dass es noch mehr gibt als Erfolg und Macht in der materiellen Welt?

Frank: In den 17 Jahren, in denen ich mit Männern arbeite, ist eines für mich klar geworden: Was alle Männer berührt hat, wenn sie sich wirklich eingelassen haben, war, Kontakt zu finden zu ihrem Wesen, zu ihrer Seele. Das ist der springende Punkt. Wenn ich keinen Kontakt habe zu meinem Wesen und zu meiner Seele und damit zu meinem Herzen, bin ich als Mann hemmungslos außen-orientiert. Sex, Macht, Geld und Ansehen. Das war seit Jahrhunderten und Jahrtausenden nicht anders. Wenn Männer in ihrem inneren Raum nicht zu Hause sind, dann bleibt ihnen doch nur das, was ihnen die Gesellschaft anbietet. Sex, Macht, Geld und Ansehen. Viel mehr ist es nicht. Alle spirituellen Wege führen in den einen heiligen Raum des Seins. Wenn ein Mann dort ankommt, was ist dann noch Macht oder Geld? Jeder, der viel Geld hat oder Macht, ist noch lange nicht glücklich. Die Voraussetzung für inneres Glück ist, jeden Moment und jeden Tag bewusst zu leben. Deswegen sind für mich viele Diskussionen in den Medien, wenn es um den neuen Mann oder den alten Mann geht, auf eine Art auch ein bisschen lächerlich. Für mich ist die entscheidende Frage: Ist ein Mann in sich zu Hause, in seiner Ganzheit? Wenn er das nicht ist, und das habe ich in den Bordellen, in den Unternehmen, in den Behörden, in den Fabriken gesehen, dann ist der Mann an der Angel von Außen.

 

SEIN: Wir Deutschen sind in der Welt bekannt für unser Organisationstalent, unseren Perfektionismus und unseren Erfindergeist. Darauf baut sich unser Reichtum auf. Wir sind schließlich Exportweltmeister. Die Wenigsten beachten jedoch, dass viele unserer Exportprodukte auf eine ungute Art und Weise die Welt verändern. Mir scheint, erst machen wir vieles kaputt, und da wir ja nun auch Weltmeister im Export von Umwelttechnologie sind, tragen wir wieder fleißig zur Reparatur bei.

Frank: Das Kreuz symbolisiert die zwei Hauptenergiebewegungen, die jeder Mensch auf der Erde „erlebt“. Die eine Bewegung geschieht auf der vertikalen Ebene und steht für das „ICH BIN“. Das ewige JETZT. Die andere Bewegung geschieht auf der horizontalen Ebene und steht für das „ICH WILL“. Gerade Männer werden sozialisiert und konditioniert zum „ICH WILL“. Wir definieren uns über Leistung und über Handeln, in Deutschland und vielen anderen Ländern. – Das sind die zwei Hauptenergiebewegungen jedes Mannes und jedes Menschen. Wenn zu viel Energie im „ICH WILL“ ist, dann erleben Männer (und Frauen genauso), wenn sie diesem Prinzip folgen, dass sie spätestens mit 50, 55 oder 60 ausgebrannt sind. Das ist zugleich die große Chance, sich dem tieferen Sinn des Lebens und der Spiritualität zu öffnen.
In meiner Arbeit teile ich mit den Männern tägliche spirituelle Praxis. Sie lernen sich tiefer mit ihrem „ICH BIN“ zu verbinden und ihr „ICH WILL“ mehr mit ihrem Herzen und ihrer Seele zu verbinden: Nicht nur ich, ich, ich, mein Land – sondern wir, unser Stamm, die Menschen, unser Planet, die Erde. Das ist der Punkt, an dem wir gerade auf der Erde stehen. Wenn der Mann mit seinem Herzen und seiner Seele verbunden ist, dann ist der Blick ein anderer auf die Welt. Dann verändert sich der Blick der Männer auf ihre Frauen, auf ihre Kinder, auf ihre Firma, auf ihre Arbeit und auf die Erde.
Man kann den Erfindergeist des Menschen nicht verdammen, denn es ist ein kreatives Moment, was ich sehr schätze. Nur, wir müssen den Erfindergeist des Menschen verbinden mit seinem Wesen, seiner Seele, seinem Herzen. Und zwar ernsthaft, nicht nur nettes Geschwafel an der Oberfläche, sondern mit einem tiefen Bewusstsein von Ethik, von Nachhaltigkeit, von Integrität und Frieden. Dann kann dieses neue Bewusstsein auch überspringen auf die Wirtschaft, auf die Konzerne. Wenn wir sie nur angreifen, dann wehren sie nur ab und alte Fronten verhärten sich. Unsere Chance ist, die Herzen der Menschen zu erreichen, ihre tiefere Ahnung, so wie die Tiere, die sich vor dem Tsunami 2004 auf die Hügel gerettet haben. So etwas gibt es meiner Meinung nach auch bei den Menschen. Das müssen wir berühren in ihnen, ihr tieferes Gewissen. Und jeder hat es, weil jeder vom großen Geist, von Gott kommt. Und wenn wir das berühren und es verbinden mit dem Erfindergeist, der für die Menschen, für die Liebe und für die Erde ist, dann haben wir eine Chance.

 

SEIN: Es gibt diesen weisen Satz eines indischen Meisters, der sagte: Der Westen wird zum Osten und der Osten wird zum Westen und nichts wird sich ändern. Ich habe das Gefühl, dass dies durchaus stattfinden kann. Wir bekommen langsam eine Ahnung davon, was es bedeutet, wenn der Großteil der Menscheit unseren westlichen Lebensstil nachahmt. Wir sind ein Vorbild für viele, mit unserem Aufwand, den wir betreiben, um eventuell glücklich zu werden. Nun sehen wir, dass Chinesen, Inder und andere Völker uns nacheifern, und jetzt kriegen wir das Fracksausen, weil wir wissen, dass der Planet das nicht aushält. Die Frage ist, müssen wir uns zurücknehmen, um damit ein neues Beispiel zu geben, und damit Bewusstsein schaffen für eine lebenswerte Welt, in der auch die Natur ihren Platz hat?

Frank: Die einzige Hoffnung ist das Individuum und sein Bewusstsein. Individuum bedeutet, sinngemäß übersetzt, ungeteilt und eins mit allem. Unteilbar und eins! Alles wächst von innen nach außen. Genauso Bewusstsein. „ICH BIN“ sicher, auch in Indien und China und anderen Ländern gibt es Menschen, die begreifen, dass die alte Haltung des 19. und 20. Jahrhunderts, nur wir, und dann ist alles gut, sich nicht mehr halten lässt.
„ICH BIN“ ein zutiefst optimistischer Mensch. Früher habe ich mich oft zu sehr gesorgt, wenn ich all die riesigen Probleme gesehen habe. Und dann war ich nur noch frustriert und enttäuscht. Ich habe irgendwann gemerkt, so geht es nicht. Ich kann nicht die Probleme der ganzen Welt auf meine Schultern laden. Ich kann mich aber in der Meditation mit der ganzen Welt verbinden und das Energiefeld stärken, das für Vergebung, für Liebe, für Ethik und Nachhaltigkeit eintritt. Und ich sehe überall hoffnungsvolle Projekte. Natürlich sehe ich auch die Rückschläge und die „betonharte Fraktion“. Und doch, ich verändere die Welt genauso wie du, durch mein Bewusstsein und durch mein Handeln. Und wenn ich nicht daran glaube, dann ist meine Kraft zu schwach, meinen Beitrag zu leisten, dass die Menschen als Stamm eine Zukunft haben und dass die Schläge, die wir der Erde versetzen, schwächer werden und irgendwann aufhören.

 

SEIN: Wir haben ja gerade 40 Jahre nach 68. Viele versuchen die Leistung der 68er zu reduzieren auf ein kleines Experiment, das da mal stattgefunden hat, obwohl essenziell wichtige Fragen durch die 68er erstmals gestellt wurden. Diejenigen, die damals den Weg durch die Institutionen angetreten haben, sitzen auch heute noch in einflussreichen Positionen, fühlen sich jedoch mittlerweile wie in einer Art Sackgasse und wissen nicht mehr so richtig, was sie da eigentlich noch sollen?

Frank: Glück ist doch etwas Inneres. Hoffentlich kommt bald der Tag, an dem gesellschaftliches, politisches Engagement und spirituelles Bewusstsein und spirituelle Praxis als die zwei Füße zusammenkommen, auf denen wir vorwärts gehen in eine friedliche Zukunft. Und das ist für mich die Antwort, warum so viele bitter erscheinen oder desillusioniert. Sie haben kein Feuer mehr. Weil innen die Wurzeln nicht tief genug in der Liebe sind. Wenn ich nur außen Dinge verändern will und ich habe innerlich nicht die Liebe, die Dankbarkeit und die Verbindung zum Göttlichen, wird irgendwann die Batterie leer sein und ich werde dasitzen und mich fragen, was soll´s.

 

SEIN: Ich habe eine schöne Szene aus dem Film „Klub der toten Dichter“ in Erinnerung. Dort lässt man die Jungs einzeln einen Fußball abschlagen und vorher einen Satz verlesen, z. B. diesen: Sei in allem, was du tust, ein Gott.

Frank: Genau, sei in allem, was du tust ein Gott, und dann kommt auch die Reinheit des Herzens in dem, was ich tue. Nicht mehr aus Berechnung handeln. Sondern ich gebe mein Bestes, weil ich weiß, alles ist miteinander verbunden und alles, was ich aussende, kehrt nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung als meine Wirklichkeit zu mir zurück. Denn wenn ich eines Tages als Körper sterben werde, dann bleibt mir mein Bewusstsein und ich werde ehrlich Bilanz ziehen.
In der Reinheit und der Aufrichtigkeit unseres Herzens können wir uns selbst nichts mehr vormachen. Sondern wir wissen, ob eine Handlung aus Liebe geschieht oder aus einem Egobedürfnis. Jeder hat Gewissen und jeder spürt insgeheim, das ist nicht mehr in Ordnung, was ich da mache. Und dort müssen wir die Menschen berühren.
Die Liebe will, dass alle gewinnen.


DU BIST DER MANN DEINES LEBENS
lädt Männer ein, ihr Mannsein als innere Kraftquelle neu zu entdecken. Die Stationen dieser Entdeckungsreise sind: Selbstliebe und Selbstwert, das innere Kind, lebendige Beziehungen, erfüllte Sexualität, bewusste Spiritualität und die Begegnung mit dem Tod.
Der spirituelle Lehrer Frank Fiess hat dieses Buch mit der erklärten Absicht geschrieben, Männern den Rücken zu stärken, ihnen Mut zu machen, ihr Leben mit mehr Freude, Liebe und Bewusstheit zu gestalten. Ein inspirierendes, ganzheitlich orientiertes Männerbuch mit vielen wertvollen Tipps, Übungsvorschlägen und Meditationen. Ein kompetenter, spiritueller Reisebegleiter auf dem Weg des bewussten Mannseins.

240 Seiten, Broschur, illustriert,
Simon + Leutner/ edition herzschlag
ISBN 978-3-922389-98-9, 16,50 €

 

1. Bild: © vision images-fotolia.com
2. Bild: © wernerjvr-fotolia.com
3. Bild: © Marcin Kempski-fotolia.com

Über den Autor

Avatar of Frank H. Fiess

ist Diplom-Pädagoge, Heilpraktiker für Psychotherapie, Tantra-, Yoga-, Feuerlauf-Lehrer und Therapeut für integrative Körperpsychotherapie.

Er wurde 1958 geboren, ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Gemeinsam mit Michaele V. Kuhn leitet er das 1991 gegründete Institut für Lebenskunst und Tantra in Berlin.

Seit über fünfzehn Jahren arbeitet er darüber hinaus im Rahmen des von ihm gegründeten Projekts „Im Kreis der Männer“. Seine praktische Art, seine leidenschaftliche und lebensbejahende Ansprache und Kompetenz lassen einen spüren und erleben, was es heißen kann, ein Mann zu sein.

Sein Buch ist ein lebensnahes, spirituelles Männerbuch, dessen Inhalte und Übungen mit mehr als eintausend Männern aus allen Schichten, Berufen und Altersgruppen praktiziert und weiterentwickeltwurden.

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