Freie Sexualität - Moshe WeizmanSexualität als spirituelle Kraftquelle – mein Weg und was Männer daraus für sich entdecken können – Ein neues Verständnis von Männlichkeit 7. Mai 2025 Allgemein, Sexualität von Moshe Weizman Es war ein Samstag. Wir waren früher fertig als erwartet – die Einkäufe erledigt, die üblichen häuslichen Aufgaben abgehakt. So blieb uns noch eine Stunde, ehe wir losmussten zum Badminton-Spielabend. Meine Freundin und ich schauten uns an, ließen uns ins Bett fallen und schliefen miteinander. Es war intensiv, aber auch gehetzt – wie so oft kam es schnell zum Höhepunkt. Doch kaum war es vorbei, fühlte ich mich erschöpft, leer, wie abgeschnitten von mir selbst. Dabei hatte ich mich doch nach Nähe, Verbindung und Lebendigkeit gesehnt! Stattdessen blieb nur eine dumpfe Schwere nach der Entladung – körperlich ausgelaugt, innerlich unberührt. Ich hatte mich auf den Badminton-Abend gefreut, aber jetzt wollte ich da nicht mehr hin. Diesen Zustand kannte ich bereits. Über Jahre war meine Sexualität ein Kreislauf aus aufgestauter Spannung und heftiger Entladung – intensiv zwar, aber oft ernüchternd. Es fühlte sich an, als würde ich jedes Mal etwas Wertvolles verlieren, anstatt gestärkt daraus hervorzugehen. Anfang 30, nach einer schmerzhaften Trennung von meiner damaligen Partnerin, begann ich mich ernsthaft zu fragen: Ist da nicht viel mehr möglich? Hat Sexualität nicht das Potenzial, eine Kraftquelle zu sein – und wenn ja, wie komme ich dahin? Der Wendepunkt Schon mit 16 war mir The Multi-Orgasmic Man von Mantak Chia in die Hände gefallen. Ich war neugierig, probierte einige Übungen aus und spürte ein merkwürdiges Kribbeln im Kopf. Aber was wirklich in diesem Buch steckte, begriff ich erst Jahre später. Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich allein zu Hause im Badezimmer war und mich ausgiebig und neugierig selbst berührte – ganz ohne Erwartungen, ohne Ziel. Und plötzlich erlebte ich einen Orgasmus, ohne zu ejakulieren. Es war kein Feuerwerk. Sondern ein sanftes Strömen, ein inneres Leuchten. Und es war der erste Moment, in dem ich tief in mir begriff: Da ist noch viel mehr – und ich will es herausfinden! Was folgte, war ein innerer Aufbruch. Ich begann, meinem Körper zuzuhören. Nach meinem morgendlichen Lauf nahm ich mir jeden Tag Zeit für bewusstes Solo-Sex-Training – mit der klaren Absicht, die sexuelle Energie im Körper zu halten. Ich spürte in mich hinein, erforschte, wie sich Lust ausbreiten konnte – und wie ich am Ende nicht leer, sondern energetisch aufgeladen daraus hervorging. Und ich entdeckte: Sexualität hat kein Ziel. Sie ist eine Energie. Eine Kraft, die sich entfalten will – im Körper, im Herzen, im Leben. Ich lernte nach und nach, wie ich mich mit dieser Kraft verbinden kann, wie ich sie lenken kann, so dass sie mich nicht verbrennt, sondern warm und fortwährend in mir glüht. Ein neues Verständnis von Männlichkeit Zu dieser Zeit trat eine neue Frau in mein Leben. Nach langer Pause fühlte sich diese Verbindung besonders an – nicht zuletzt, weil sie auch noch mit einem anderen Mann eng verbunden war. Als ich ihm zum ersten Mal begegnete, spürte ich, wie alte Muster in mir aufstiegen: Konkurrenz, Besitzdenken, Revierverhalten. Früher hätte ich wahrscheinlich versucht zu zeigen: „Sie gehört zu mir.“ Aber diesmal war etwas anders. Durch meine Solo-Sex-Praxis, die ich vertieft hatte, war etwas in mir gewachsen – etwas Ruhiges, Vertrauendes. Statt zu kämpfen, hörte ich eine Stimme in mir sagen: Lass es sich organisch entwickeln. Ich entspannte mich. Und je mehr ich das tat, desto deutlicher spürte ich: Diese neue Verbindung war tief und wahr – nicht, weil ich sie erobert hatte, sondern weil ich mich mit offenem Herzen gezeigt hatte. Ich kontrollierte nicht, sondern schenkte ihr meine Präsenz. Diese Erfahrung – mit ihr, mit mir – hat mir gezeigt: Meine Männlichkeit liegt nicht im Beherrschen. Nicht im Durchhalten. Sondern im Zulassen. In der Fähigkeit, präsent zu sein, weich zu werden, mich selbst zu spüren. Viele Männer tragen eine tiefe Scham in sich – für ihre Lust, ihre Verletzlichkeit, ihre Unsicherheit. Und oft hängt das mit einem inneren Bild vom „starken Mann“ zusammen, der immer alles im Griff hat. Je mehr ich mich von diesem Bild verabschiedete, desto mehr konnte ich meinem Körper – und meiner Sexualität – wirklich vertrauen. Heute bedeutet Sexualität für mich kein Verlieren mehr – sondern ein Aufblühen. Eine Kraftquelle, die mich nicht erschöpft, sondern nährt. Die mich nicht von mir abtrennt, sondern mit mir und anderen verbindet. Was passiert, wenn Männer sich auf diesen Weg machen In den letzten Jahren durfte ich viele Männer begleiten, die sich selbst – und ihre Sexualität – auf neue Weise entdecken. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit. Chris kam nach einer Trennung zu mir. Er erzählte, er habe sich in den letzten Monaten von seinem Körper und seiner Lust entfremdet gefühlt – dazu kamen einige Begegnungen, die ihn enttäuscht hatten. Einige Wochen später beschrieb er, wie er seine sexuelle Energie wieder deutlich spüren konnte, wie sie sich durch seinen Körper bewegte und in sein Leben hineinwirkte. Er musste nicht mehr den schnellen Höhepunkt suchen – und fiel nicht mehr in das tiefe Loch danach. Stattdessen erlebte er eine anhaltend hohe Energie, die sein Selbstbild grundlegend veränderte. Antarius, ein Mann mit tantrischer Vorerfahrung, erzählte nach unserem dritten Treffen, er entdecke gerade einen neuen Zugang zu seiner Sexualität – jenseits von Leistung, Gewohnheiten und Zielen… es fühle sich wach an, wie ein inneres Leuchten. Für viele Männer ist es ungewohnt, sich liebevoll und achtsam selbst zu berühren – schnell mal „einen runterholen“, kennt jeder, aber sich mit Präsenz und ohne Ziel zu begegnen, ist eine ganz andere Erfahrung. In diesem bewussten Raum begann sich seine Lust nicht mehr zu entladen, sondern im ganzen Körper auszubreiten – weich, weit, lebendig. Gery, ein Musiker Ende fünfzig, war überrascht, wie sehr sich diese Arbeit auch auf andere Bereiche seines Lebens auswirkte. Neben neuen sexuellen Erfahrungen – lange, ganzkörperliche Orgasmen, die ihn nicht müde machten – bemerkte er, wie ruhig und gelassen er plötzlich auf der Bühne stand. „Dass ich mit meinem Alter so etwas noch lernen kann – und dass es mich sogar auf der Bühne verändert – ist das größte Geschenk für mich“, sagt er. All diese Geschichten zeigen mir: Die eigene sexuelle Kraft zu finden, verändert nicht nur das Erleben im Bett – sie verändert uns Männer in der Tiefe. Sexualität als spirituelle Praxis Wenn ich auf meinen eigenen Weg und die Erfahrungen der Männer, die ich begleitet habe, zurückblicke, sehe ich: Sexualität ist eine Tür. Dahinter liegen Kräfte, die uns mit etwas Größerem verbinden – wenn Konditionierungen, Scham oder limitierende Gedanken überwunden sind. Und diese Kräfte sind erlebbar in sinnlichen Augenblicken: Im warmen Kribbeln, das den Rücken hinaufsteigt. In einem Atemzug, der den Brustkorb ganz weit macht. In der Stille nach einer Orgasmuswelle, in der sich alles friedlich und vollkommen anfühlt. Wenn wir lernen, diese Kräfte in uns wachzuhalten – statt sie sofort zu entladen – entsteht ein Raum, der uns trägt: für Verbindung. Für Freude. Für eine Liebe, die genährt wird. Für den Mut, neue Wege zu gehen. Wie viele Männer wohl ahnen, was hinter der Tür auf sie wartet? Über den Autor Moshe Weizman begleitet Männer auf dem Weg zu einer bewussten, lebendigen Sexualität – jenseits von Leistungsdruck und Scham. Seine Arbeit basiert auf persönlicher Erfahrung und fundierter Ausbildung im Bereich Sexological Bodywork. Mehr über ihn und seine Arbeit: multiorgasmcoaching.com Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar Antwort abbrechenDeine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.KommentarName* E-Mail-Adresse* Meinen Namen, meine E-Mail-Adresse und meine Website in diesem Browser für die nächste Kommentierung speichern. Überschrift E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.Auch möglich: Abo ohne Kommentar. Durch Deinen Klick auf "SENDEN" bestätigst Du Dein Einverständnis mit unseren aktuellen Kommentarregeln.