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Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, warum es die Sexualität gibt?

Das ist doch klar, werden Sie sagen, die Sexualität brauchen wir für die Fortpflanzung, um die Nachkommenschaft zu sichern. Doch das könnte auch auf anderem Wege geschehen, denn die Natur kennt andere Wege der Fortpflanzung, ohne Sexualität. Außerdem umfasst Sexualität mehr als nur die Samenübertragung vom Mann auf die Frau, worauf die katholische Kirche sie gern beschränken möchte. Sexualität macht auch Spaß. Warum? Sind Männer und Frauen so unterschiedlich, dass die Natur diesen „Trick“ mit dem Spaß erfinden musste, um sie zusammenzubringen? Auch dieser Gedanke ist ein Erklärungsversuch für die Sexualität.
Es gibt einen weiteren Aspekt, den die moderne Psychologie negativ gefasst hat: Kulturleistung durch Triebverzicht. Nur wenn wir auf (den Spaß der) Sexualität verzichten, sind wir Menschen zu schöpferischen Kulturleistungen bereit und fähig. Die Unterdrückung der Sexualität bringt uns weiter, setzt kreative Energien frei, so, vereinfacht, diese These.
Dass Sexualität mit der schöpferischen Kraft, wir nennen sie auch göttliche Kraft, zutiefst verbunden ist, ist offenbar: der wichtigste Kreationsprozess des Lebens überhaupt ist die  Schaffung neuen Lebens. Und das ohne jede Anstrengung (meistens). Hat die Kirche also doch recht? Das Heilige an der Sexualität ist die Fortpflanzung? Und der Spaß daran ist der Lohn für die Mühen der Aufzucht?
Die Erklärung ist nicht falsch, sie enthält aber auch nicht die ganze Wahrheit. Das Gleiche gilt für die These, dass Triebverzicht die Quelle aller Kulturleistung sei. Es sind einseitige, beschränkte Antworten zu einem sehr komplexen Problem.

Die Antwort der Taoisten

Wie auf vielen anderen Gebieten auch, ist es sinnvoll zu hören, was die alten chinesischen Weisen, die Taoisten, dazu gesagt haben. Sie haben auch in das Geheimnis der Sexualität einen tieferen Einblick gehabt als die moderne Wissenschaft. Denn ihr ganzes Denken, Suchen und Finden kreiste um das größte aller Geheimnisse, das Leben: was macht Leben aus, wie entsteht es, wie fördert man Leben, welche Lebensgesetze gelten?
Sexualität betrachteten sie als fundamentale Kraft allen Lebens, als ein energetisches Geschehen in jedem einzelnen Individuum. Es dient dem Erhalt der Lebenskraft des Individuums, wobei die Weitergabe neuen Lebens nur ein, wenn auch wichtiger Aspekt ist.
Denken wir an Sexualität, denken wir sofort an das andere Geschlecht, Männer an Frauen, Frauen an Männer. Für die Taoisten ist Sexualität zu allererst eine Energie im einzelnen Individuum, eine Kraft zu seinem Nutzen, um sein Leben zu erhalten. Man weiß heute aufgrund von Untersuchungen mit modernstem Gerät, dass der Embryo bereits im Mutterleib sexuelle Erregungszustände hat. Eine Tatsache, die stützt, was die Taoisten vor langer Zeit schon herausfanden, dass sexuelle Energie, Sexualität, ein Geschehen im Individuum ist, ganz unabhängig davon, ob es einen gegengeschlechtlichen Partner gibt oder nicht. Es ist schlicht deine stärkste Lebenskraft, die Basis aller deiner Lebensäußerungen. Es ist deine kreative Kraft: sie hat dich erschaffen, sie erhält dich und sie lässt dich neues Leben erzeugen.
Nach Ansicht der Taoisten ist die Sexualität wie ein Motor für das Individuum, der unablässig Energie erzeugt. Im Menschen ist dieses Geschehen offensichtlich. Unab-lässig werden Samen hergestellt und Eier bereitgestellt, auch wenn dies für die Fortpflanzung nicht nötig wäre. Ein Mann erzeugt in einem Ejakulat so viele Spermien, dass er mit einem Mal die Bevölkerungszahl der USA herstellen könnte.
In die Produktion von Samen und Eiern gehen die wertvollsten Substanzen (Protein, Hormone usw.), eines Lebewesens ein. Diese sind verloren, wenn Samen und Eier nutzlos ausgestoßen werden. Dies wurde den Taoisten in einer sehr frühen Zeit bereits klar und sie entwickelten Methoden, um diesen lebenserschöpfenden Prozess, den Energieverlust in einen lebensstärkenden Prozess, Energiegewinn, umzuwandeln. Sie lernten, die sexuelle Energie zu bewahren und umzuwandeln in mehr Lebenskraft, Energie für die Organe, Drüsen und damit die Gesunderhaltung des Körpers. Sie lernten aber auch dieses Mehr an Energie umzuwandeln in geistige Energie, ein Mehr an schöpferischer Kraft.

Kreative Energie

Die erste Voraussetzung dazu, so fanden sie heraus, ist es, den Energieverlust, der durch das Ausstoßen des Samens oder des Eis entsteht, zu verhindern. Sie entwickelten dafür körperliche und meditative Methoden. Dieser im Individuum verbleibende Energiezuwachs wird mit meditativen Mitteln in die höheren Zentren des Körpers gebracht und dort umgewandelt in „Chi“, Lebenskraft und „Shien“, geistige Energie. Durch diesen Prozess wird es dem Individuum möglich, sein ganzes Potential für seine kreativen, produktiven Aufgaben, sei es im künstlerischen Bereich, bei der Selbstverwirklichung oder im gesellschaftlichen Handeln einzusetzen.
Sie fanden heraus, dass das Geheimnis der Freisetzung der positiven schöpferischen Kräfte nicht in der Unterdrückung der Sexualität liegt, sondern darin, den hohen Energieverlust, von dem ein unkontrollierter Sexualekt begleitet ist, zu verhindern. Die Sexualität leben, doch bewusst und schöpferisch leben, war ihr Ratschlag.
Dann erhöht sich auch der „Spaß“, der den Sexualakt begleitet. Der neu erlebte Orgasmus ist lustvoller und intensiver.

Taoismus heute

Einer der taoistischen Meister unserer Zeit, die dieses Wissen und diese Erfahrungen heute weitergeben, ist Meister Mantak Chia. In mehreren Büchern und zahllosen Workshops führt er konkret in die Methoden ein, wie die Sexualität als Motor für alle „höheren“ Funktionen wie Gesunderhaltung des Organismus, Entwicklung der tugendhaften Energien und schließlich die Entwicklung der geistigen Kräfte, wie Kreativität, Spiritualität genutzt werden kann.
Um den Nachweis der Wirksamkeit dieser Methoden (z.B. des Großen Emporziehens der sexuellen Energie) zu führen, hat sich Meister Mantak Chia Tests bei einem Wiener Institut für Biofeedback unterzogen. Die Ergebnisse waren überaus beeindruckend (siehe ESOTERA 8/97). Durch die meditativen Verfahren konnte Meister Chia sein Energiepotential deutlich erhöhen und insbesondere das Energieniveau beider Gehirnhälften angleichen. Gerade diese Tatsache unterstreicht die große Bedeutung, die die sexuelle Energie für die geistige Entwicklung des Individuums hat, da die Gehirnhälften erst in ausbalanciertem Zustand optimal arbeiten. Ausbalancierte intuitive und rationale Fähigkeiten führen erst zum ganzheitlich entwickelten Menschen, dem „Weisen“ im taoistischen Sprachgebrauch.

So zeigt sich die doppelte Aufgabe der Sexualität: sie ist das Kraftwerk, das die Energie liefert für die ganzheitliche, kreative Entwicklung des Individuums und ebenso für die Weitergabe des Lebens. Das Kraftwerk für den biologischen und den kulturellen Schöpfungsakt: das was ich bin, das was ich sein soll.

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