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Sexueller Missbrauch und homöopathische Bewältigungsstrategien


Warum ist es mir passiert? Ist es meine Schuld? Bilde ich mir das Ganze nur ein? Und wenn nicht: Warum habe ich geschwiegen?  Bin ich für das ganze Leben gezeichnet oder ist doch noch Heilung möglich?

Die Überlebenden

Das Trauma des sexuellen Missbrauchs und seine Folgen für das spätere Leben durch das heimliche Verbrechen am Tatort Familie wird auch als Seelenmord bezeichnet. Der Begriff des Überlebenden-Syndroms soll der Tatsache Rechnung tragen, dass Betroffene sich mitten im Leben wie tot, lebensunfähig und zerstört fühlen. Wer sexuell und emotional ausgebeutet wurde, ist sich selbst verloren gegangen, und die Zeit allein heilt diese Wunde nicht! Insofern handelt es sich bei dem Versuch, eine solche Erfahrung zu bewältigen, um Überlebensstrategien, denn man ist gewissermaßen nicht mit, sondern ohne das wirkliche Leben davongekommen.

Rückzug in die Isolation

Wie wird man fertig mit den Folgen einer Erfahrung, die nicht nur damit zusammenhängt, wie schwer der Miss-brauch objektiv war, sondern abhängig ist von unserer ganz persönlichen Wahrnehmung und Einschätzung und der Fähigkeit, mit dieser Situation umzugehen?
So kann Bewältigungsversuchen, die nach Selbsttäuschung aussehen, weil sie die Realität verleugnen, durchaus eine lebensrettende Funktion zukommen. Sexueller Missbrauch ist ein totaler Angriff auf das komplette Wertesystem eines Kindes und die Geburtsstunde für ein negatives Selbstbild, den Verlust von Vertrauen, für Abkapselung und Selbstbeschuldigung. Wir entwickeln die Vorstellung, Verletzungen hilflos ausgeliefert zu sein, und finden uns immer wieder in Opferrollen. Übervorsichtig und entscheidungsgehemmt, können wir unter Umständen niemals mehr einem Menschen vertrauen, geraten in Isolation und müssen mit starken Verlassenheitsängsten, Wut und Enttäuschung leben. Unser Körper, der all die qualvollen Dinge zuließ, wird zum Feind, zur Schwachstelle und zur schweren Bürde, vor der wir nicht davonlaufen können. Alles Mögliche empfinden wir für ihn, aber uns selbst wiederfinden in diesem Körper können wir nicht. Der Missbrauch wird als Beweis dafür erlebt, schlecht, böse, für ewig hässlich und wertlos und vor allem nicht würdig zu sein, geliebt zu werden!

Hyoscyamus  Die Illusion, die Kontrolle zu haben

Derartig traumatisiert, trennen wir uns unbewusst ab von dem unerträglichen Schmerz und treten in eine Welt ein, in der es keine Gefühle mehr gibt. Diese Flucht geschieht in einer verzweifelten Anstrengung zu überleben, indem wir alles zur Seite schieben, was den Kern menschlicher Beziehungsfähigkeit und Verbundenheit ausmacht – Verletzlichkeit, Empfänglichkeit, moralisches Empfinden und Gewissen. Der Mangel an emotionalem Affekt dient uns als Selbstschutz, denn wir sind überzeugt, dass niemand uns lieben oder auch nur ertragen würde, wenn er sehen könnte, wie wir wirklich sind.

Sexuelle Obsessionen und der Drang, die Formen sexuellen Missbrauchs zu wiederholen, die man als Kind am eigenen Leib erfahren hat, sind der Versuch, durch sexuelle Aktivität der erschreckenden und unberechenbaren Welt der Kindheit zu entfliehen und sich auf etwas zurückzuziehen, was lustvoll und voraussagbar ist und innerhalb unserer eigenen Kontrolle liegt. Wenn wir als Kind nicht die Macht hatten, den Lauf der Dinge zu ändern und uns selbst zu schützen, und unsere Sexualität fortan durchtränkt ist von Heimlichkeit, Unehrlichkeit und Scham, kann uns das homöopathisch potenzierte Nachtschattengewächs Hyoscyamus helfen, den Zorn und die Gewalt, die tief in unsere Seele eingepflanzt wurden und nach sexueller Herrschaft über andere suchen, zu heilen – damit nicht irgendwann unsere Taten und Verbrechen jenen ähneln, denen wir in unserer Kindheit zum Opfer gefallen sind.

Copyrigt für alle, auch für bereits im Verlag erschienene Homöopathieartikel bei Werner Baumeister.

Über den Autor

Avatar of Werner Baumeister

ist Heilpraktiker mit homöopathischer Praxis in Berlin.

Die im SEIN regelmäßig veröffentlichte Fortsetzungsserie: „Homöopathische Arzneibilder von Werner Baumeister“ versteht sich auch als homöopathischer Spiegel aktuellen Zeitgeschehens.

(Sammlung aller bisher veröffentlichten Artikel) beim Autor direkt unter: 0172 – 391 25 85

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