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Starke Mädchen verändern die Welt

Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind wichtige Säulen der Persönlichkeitsbildung und beeinflussen unser Denken und Handeln. Ein gesundes Selbstwertgefühl lässt uns angemessen entscheiden. Es lässt uns die eigenen Grenzen erkennen und mit Rückschlägen richtig umgehen. Das Elternhaus und das Umfeld haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie selbstbewusst und stark Kinder aufwachsen. Gerade für Mädchen in den Entwicklungsländern ist ein gesundes Selbstwertgefühl wichtig, damit sie sich vor Gewalt und Missbrauch schützen können. In seinen Projekten achtet das Kinderhilfswerk Plan darauf, das Selbstwertgefühl von Mädchen zu stärken.


Die Mehrzahl der Familien in Entwicklungsländern lebt in Armut. Von Armut betroffene Menschen kämpfen nicht nur täglich ums Überleben – sie können auch ihre fundamentalen Rechte auf Bildung, Gesundheitsfürsorge, Beteiligung oder Schutz nicht wahrnehmen. Oft fehlt ihnen das Selbstbewusstsein, ihre Rechte einzufordern, weil sie es nie gelernt haben. Mädchen und Frauen stehen dabei meist am Ende der Armutskette. Allein die Tatsache, dass sie weiblichen Geschlechts sind, macht sie arm und verletzbar. Von Geburt an erfahren sie, dass sie weniger wert und eine Belastung für die Familie sind.

„Ein Mädchen großziehen heißt, den Garten des Nachbarn bewässern“ (Indisches Sprichwort)

In den meisten Gesellschaften in Entwicklungsländern wachsen Mädchen in einem Umfeld auf, das ihnen keine Möglichkeit lässt, Selbstbewusstsein zu entwickeln und auf eigenen Füßen zu stehen. Von klein auf werden sie auf ihre frühe Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet. In ihre Bildung zu investieren, wird immer noch als eine Verschwendung angesehen.
„Als Mädchen leiden wir am meisten, weil unsere Eltern uns als Eigentum sehen. Einige von uns müssen die Schule abbrechen, weil wir verheiratet werden und unsere Eltern von den zukünftigen Schwiegereltern Kühe, Ziegen, Geld oder Kleidung erhalten“, sagt die 15-jährige Eunice aus Uganda.

Heute werden immer mehr Mädchen eingeschult. Sobald aber das Geld fehlt, sind die Töchter die ersten, die von der Schule genommen werden, während Söhne weiter lernen dürfen. Kinderehen, die Tötung weiblicher Neugeborener, Vernachlässigung oder sexuelle Misshandlungen zeigen den niedrigen Stellenwert, den Mädchen weltweit haben.
„Meine ältere Schwester musste mit zwölf Jahren meinen Onkel heiraten, der 55 Jahre alt ist. Eines Tages kam sie zu mir und bat mich, seine dritte Ehefrau zu werden, weil er erneut heiraten wollte. Meine Schwester überzeugte meinen Vater. Er war zwar nicht glücklich damit, aber ich musste gehen.“, erzählt Mary (11 Jahre) aus Simbabwe.

„Maniok und Weib sind ähnlich: Je mehr man sie schlägt, umso besser werden sie.“ (Sprichwort aus Tansania)

Aus Mädchen sollen unterwürfige, fügsame Ehefrauen werden. Traditionen und Bräuche haben über Jahrhunderte das Selbstwertgefühl von Mädchen und Frauen gemindert und unterdrückt. Eine Frau aus Guinea berichtet über die weibliche Genitalverstümmelung in ihrem Land: „Nach der Beschneidung sind die Augen der Mädchen rot vor Schmerz. Der Schmerz hat einen erzieherischen Wert: Er verändert das Verhalten der Mädchen. Das ist auch der Grund, warum sie im Busch rituell mit Ästen oder Stöcken verprügelt werden. Danach sind sie fügsam und widerstandslos. Ist ein Mädchen, nachdem sie im Busch war, unartig, brauchst du sie nur an die Initiationsnacht zu erinnern, und sie gehorcht.“
Auch in vielen Gesellschaften Lateinamerikas hindert Gewalt Mädchen und Frauen daran, ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Für ein Drittel der Mädchen in Haiti ist der erste Geschlechtsverkehr eine Vergewaltigung. Jede vierte Frau in El Salvador wurde schon vor ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt.

 

Selbstwert braucht Bildung und Vorbilder

Das Kinderhilfswerk Plan setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass Kinder in einer würdevollen Umgebung aufwachsen und ihre Rechte respektiert werden. Armut ist in erster Linie weiblich – daher setzt sich Plan auch dafür ein, die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern und den Dialog zwischen den Generationen voranzutreiben. Mädchen und junge Frauen, die zur Schule gehen können, entwickeln ein gesundes Selbstwertgefühl. Das hilft ihnen, der Armutsfalle zu entkommen. In den Plan-Kinderclubs setzen sich Mädchen gemeinsam mit den Jungen mit Themen auseinander, die sie betreffen, und lernen, selbstsicher aufzutreten.
Parmila (18 Jahre) aus Indien erzählt: „In meiner Gemeinde heiraten Mädchen gewöhnlich sehr früh. Als ich elf wurde, wollten meine Eltern, dass ich zu Hause bleibe. Ich bat einen Plan-Mitarbeiter, den ich aus dem Kinderclub kannte, mit meinem Vater zu sprechen. Es war nicht einfach, aber schließlich lenkte mein Vater ein und ich durfte weiter zur Schule gehen. Heute bin ich das einzige Mädchen in meinem Dorf, das lesen und schreiben kann. Ich möchte später Sozialarbeiterin werden. Zur Zeit kläre ich Kinder und Jugendliche über gesundheitliche Themen auf und verdiene etwas Geld damit. Nach der Arbeit unterrichte ich in unserem Dorf zehn Kinder, mein kleiner Bruder ist auch dabei. Meine Mutter macht sich Sorgen, dass mich kein Mann heiraten wird. Aber ich bin sehr zufrieden. Viele meiner inzwischen verheirateten Freundinnen wünschen sich, sie hätten auch die Schule beenden können.“

 


Abb.: © Miroslav – Fotolia.com

 

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