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Zeitreisen sekundenbruchteile oder sogar Jahrhunderte in die Zukunft sind theoretisch trotz praktischer technischer Hürden möglich. Zeitreisen in die Vergangenheit sind dagegen erheblich schwieriger.

Zeitreisen in die Vergangenheit oder in die Zukunft haben die Menschen immer schon fasziniert und waren Gegenstand zahlreicher Science-Fiction Romane oder Fernseh- und Kinofilme. Rein theoretisch spricht nichts gegen Zeitreisen, spätestens seit Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie weiß man, dass die sogenannte 4. Dimension, die Raumzeit, sich verändert, wenn genügend schwere Materie oder genügend schnelle Bewegung sie krümmt. Damit wird Zeit nicht mehr absolut wie zu Isaac Newtons Zeit, sondern relativ zu Geschwindigkeit und Standpunkt des Beobachters.

Zeitreisen in die Zukunft

Zeitreisen sind nicht nur nach der theoretischen Physik möglich, sie haben sogar schon stattgefunden – wenn auch nicht so, wie der Schriftsteller H. G. Wells sich das in seinem 1895 erschienenen Roman „Die Zeitmaschine“ vorgestellt hatte. Den bisherigen Rekord hält der russische Raumfahrer Sergei Konstantinowitsch Krikaljow. Im Verlauf seiner Karriere hat der  Astronaut 803 Tage im Weltraum verbracht. Wie Einstein bewies, vergeht die Zeit für Objekte in Ruhe schneller als für solche, die sich relativ dazu in Bewegung befinden. An Bord der Raumstation „Mir“ raste Krikaljow mit 27. 000 Kilometern pro Stunde um die Erde. Insgesamt ist der Astronaut dadurch weniger gealtert als seine am Boden gebliebenen Mitmenschen – und zwar den 48. Teil einer Sekunde. Anders ausgedrückt ist Krikaljow also eine 48stel Sekunde in die Zukunft gereist.

Größere Geschwindigkeiten und Entfernungen machen den Effekt offensichtlicher. Verließe ein Astronaut die Erde für einen Rundflug mit 99,995 Prozent der Lichtgeschwindigkeit zum 520 Lichtjahre entfernten Stern Beteigeuze und kehrte ebenso rasant zurück, würde er aus seiner Sicht für diese Reise insgesamt gerade einmal zehn Jahre benötigen – dem fast lichtschnellen Raumfahrer käme die Strecke durch die hierbei auftretende relativistische Längenkontraktion viel kürzer vor. Aber auf der Erde wären inzwischen mehr als 1000 Jahre vergangen und alle Verwandten und Bekannten des Zukunftreisenden lange tot.  Man müsste jetzt nur noch Raumfahrzeuge konstruieren, die annähernd Lichtgeschwindigkeit fliegen, und das Erkunden ferner Galaxien ist keine Zukunftsmusik mehr.

Zeitreisen in die Vergangenheit

Wie sieht es mit Reisen in die Vergangenheit aus? Aus physikalischer Sicht spricht nichts gegen Reisen in die Vergangenheit. Allerdings hätten wir es mir dem Großvater-Paradoxon zu tun: Sollte jemand mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen und seinen eigenen Großvater im Kindesalter umbringen, würde dies zu einem logischen Widerspruch führen. Denn dann hätte sein Großvater nicht seinen Vater und dieser nicht den Zeitreisenden zeugen können, der wiederum nicht auf die Reise hätte gehen können, um seinen Großvater umzubringen.

Auch die technische Realisation steht vor derzeit unüberwindbaren Hürden. Wissenschaftler müssten jegliches Vorstellungsvermögen absurd übersteigende Konstruktionen ersinnen, mit denen Zeitreisen in die Vergangenheit möglich wären. Mit seiner Idee eines gigantischen Zylinders mit unendlich großem Durchmesser, der dazu auch noch in annähender Lichtgeschwindigkeit rotiert, legte der Mathematiker Willem J. van Stockum im Jahr 1936 den Grundstein für die erste theoretisch erdachte Konstruktion für Reisen in die Vergangenheit. Das Besondere seiner Theorie: Der riesige Zylinder würde die Raumzeit so verbiegen, dass an seinem Rand eine „geschlossene zeitartige Kurve“ entsteht. Grundlage dafür ist eine Theorie Einsteins, und zwar die allgemeine Relativitätstheorie. Ein Raumfahrer, der eine solche geschlossene zeitartige Kurve durchläuft, könnte rein theoretisch in der Vergangenheit wieder herauskommen, also eine Zeitreise rückwärts durch die Zeit machen.

Nach der allgemeinen Relativitätstheorie ist es auch denkbar, dass zwei verschiedene Bereiche der Raumzeit über „Wurmlöcher“ miteinander verbunden sein könnten. Wenn die beiden Ausgänge eines solchen Wurmloches zwei Bereiche unterschiedlicher Zeit verbinden würden, wäre eine Zeitreise auch in die Vergangenheit möglich. Allerdings zeigen mathematische Gleichungen, dass Wurmlöcher normalerweise nicht stabil sind und so schnell zusammenbrechen, dass eine Passage nicht möglich ist. Es sei denn, man hätte eine Materie mit negativer Energiedichte zur Verfügung, die „exotische Materie“. Damit könnte man ein Wurmloch stabilisieren. Die dazu erforderliche Menge an negativer Energiedichte steht aber nach heutigem Stand der Wissenschaft im gesamten derzeit bekannten Universum nicht zur Verfügung.

Eine Reise in die eigene Vergangenheit wäre eventuell auch möglich auf einer speziellen Flugbahn in der Umgebung eines hinreichend schnell rotierenden Schwarzen Loches. Man hat jedoch noch keine derart schnell rotierenden Schwarzen Löcher entdeckt.

Eine Zeitreise in die Vergangenheit wäre auch in der Umgebung zweier kosmischer Strings möglich, die hinreichend schnell aneinander vorbeifliegen. Während ein Schwarzes Loch eine eindimensionale, punktförmige Singularität im Raumzeitkontinuum darstellt, ist ein kosmischer String zweidimensional. Zwar auch fast unendlich dünn, kann er sich aber über viele Lichtjahre weit erstrecken und hätte weitaus massivere Wirkungen auf die umgebende Raumzeit. Sollten die Strings wirklich existieren, wären hochentwickelte Intelligenzen vielleicht in der Lage, zwei dieser Exoten mit hoher Geschwindigkeit aufeinander prallen zu lassen. Durch ein vorsichtiges Manöver in die Nähe des Geschehens würde man dann in die Lage versetzt, jeden Ort im All und zu jeder beliebigen Zeit zu besuchen. Die Existenz solcher Strings ist jedoch bis heute reine Spekulation.

Bleibt die Frage offen, wenn Zeitreisen wirklich von Physik und Mathematik erlaubt sind, warum wir noch keinen Besuch von Zeitreisenden aus der Zukunft bekommen haben? Das ist auch schon Star-Physiker Stephen Hawking aufgefallen: „Gegen Zeitreisen spricht eine relativ simple Tatsache. Nämlich der Fakt, dass wir noch nicht überrannt worden sind von einer Horde von Zeit-Touristen.“ 

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2 Responses

  1. Zeitreisender
    Zeit Reise

    Es gibt unendlich viele Zeitlinien deren Knotenpunkt im Jetzt ist: für uns hier.

    Also eine Zeitreise versetzt uns in anderen Zeitlinien sobald wir einen Einfluss darauf nehmen, sprich körperlich dort auftauchen.
    Geistige Zeitreisen ohne Beeinflussung sollten jedoch unproblematisch sein!

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  2. Hubertus Hauger
    Kommen wir mal auf den Boden der Tatsachen zurück!

    Die Frage, warum wir keinen Besuch von Zeitreisenden aus der Zukunft bekommen haben? Gute Frage! Entscheidende Frage! Hier treffen die harten Fakten auf unsere überreizte Fantasie.

    Hier eine Antwort:
    Stell dir vor, wir können Außerirdische kontaktieren. Nennen wir sie mal Cetaner. Aber statt unbegrenzt Quantum Energie anzuzapfen stellten wir anderes fest!
    Wir sind nicht einzig darin, unsere Umwelt übermässig zu nutzen. Die Cetaner kontakten mit vierzig verschiedene außerirdischen intelligenten Lebewesen.

    Verdrießlich ist, die meißten haben gleiches mitgemacht. Sie kamen an die Grenzen des Wachstums. Unvermeidlich brach das energie- und materialhungrige Leben zusammen. Gezwungenermaßen vereinfachte sich anschließend das Leben radikal. „Soylent Green“ mässig.

    Nach dieser kosmischen Bankrotterklärung könnten wir Menschen es uns abschminken, von einer dieser außerirdischen intelligenten Lebewesen zu erwarten, daß sie uns aus der mickrigen Mangelwirtschaft retten. Gar uns hülfen, all den verpulverten Reichtum unserer Erde wieder zurückzukriegen.

    (Sowas steht in STAR’S REACH: A Novel of the Deindustrial Future, von John Michael Greer)

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