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Wir alle haben in unserer Kindheit bestimmte Gefühle nicht fühlen können, weil ihre Intensität uns schlicht überwältigt hätte. Doch damit ­haben wir uns auch von der angenehmen Seite, von der Fülle und Schönheit des Leben abgetrennt. Skan-Körperarbeit hilft, durch achtsames Hin­spüren in Einzelarbeit und im Kontakt mit anderen ­wieder Verbindung zu unserer ­verschütteten Lebendigkeit, ­Intuition und Liebe zu finden.

Das Versprechen von Glück, von Selbsterfüllung und gutem Leben ist heute mit dem Kauf jedes Joghurt-Bechers, jeder Tafel Schokolade zu haben, durch jede Extra-Zutat wahlweise bis zur Euphorie zu steigern. Dazu das richtige Auto, die richtige Versicherung, der Sport für die richtige Figur und das richtige Parship-Profil – fertig ist das perfekte Leben. Und wer`s dann noch nicht hinkriegt, findet bestimmt den passenden Ratgeber im meterlangen Angebot der Buchläden.

Natürlich weiß der aufgeklärte Mensch gleichzeitig, dass kein ausgeglichenes Familienglück durch Toffifee hergestellt werden kann – nur: Wenn nicht so, wie dann? In Ermangelung von Alternativen bleibt oft nur die Wiederholung des Vertrauten: noch mehr Sport für die Traumfigur, die den Traummann überzeugen wird. Noch größere Anstrengungen bei der Ansammlung männlicher Attribute bei gleichzeitiger Betonung der weib­lichen Seite. Noch mehr Arbeit am ­Selbstbewusstsein, noch entschlossenere Selbstoptimierung …

Nun also Skan-Körperarbeit als das nächste Heilsversprechen, die nächste Glücksvariante? Nein! Und sehr vorsichtig: Ja. Nein, weil Glück und Liebe und Zufriedenheit nichts ist, was sich einnehmen, applizieren, mit einem Lenkrad versehen oder auch nur verdienen lässt. Und ja, weil jeder Moment, in dem eine echte Begegnung gelingt, voller Glück ist, sei es in einer Liebesbeziehung, mit einem Freund oder auch mit sich selbst.

 

Spaltung zwischen Denken und Sein

Statt uns von außen anzugucken, zu beurteilen und zu bewerten, ginge es darum, uns von innen her zu fühlen. Statt zu reflektieren, wie schön jetzt dieser Moment ist und wie sehr wir ihn genießen, müssten wir anfangen, ihn zu fühlen. Und so aus der ewigen Spaltung zwischen Denken und Dasein aussteigen. Dieses Fühlen ist nur möglich, wenn der tiefe Atem frei in uns fließt, wenn er in uns nicht stockt oder nur bis zum Zwerchfell reicht, weil uns irgendeine Angst in die Quere kommt: die Angst vor Ablehnung zum Beispiel oder  davor, in einer Begegnung verschluckt zu werden und uns zu verlieren. Denn oft halten wir den Atem flach, um nicht zu fühlen, weil die echte, lebendige Reaktion, die wir in uns wahrnehmen können, in ihrer Ungewohntheit bedrohlich ist. Wir wollen nichts mehr als Nähe und haben vor nichts mehr Angst. Deshalb geht es in der Skan-Körperarbeit zunächst einmal darum, mit uns selbst in Nähe zu kommen, achtsam hinzufühlen, wahrzunehmen, wie sich was anfühlt – ohne zu bewerten, ohne uns immer gleich anders haben zu wollen.

In der Skan-Körperarbeit finden wir über die Zeit wieder Kontakt zu unseren Impulsen, zu unserer Lebendigkeit, unserer Intuition und zu eindeutig und als wahr erlebten Gefühlen. Wir müssen dann nicht fragen, ob wir die Gefühle haben dürfen, ob sie erlaubt oder angemessen sind. Wir müssen nicht mehr in vielen Worten erklären, warum wir sauer sind, sondern wir sind es. Wir müssen uns dafür nicht rechtfertigen. Wir müssen auch nicht an Stimmungen festhalten, zum Beispiel in latenter Vorwurfshaltung oder Kränkung, die sich immer und immer wiederholen. Jede neue Situation darf uns neu beeindrucken und ruft eine innere Antwort hervor, die aufregend anders sein darf als alte Muster – dieses ewige Lächeln zum Beispiel oder dieser ewige innere Rückzug –, eine Antwort, die in Übereinstimmung mit uns selbst und mit der Situation erfolgt, in Liebe, Zorn oder was immer wir empfinden.

 

Entpanzerung und Atem

Skan-Körperarbeit arbeitet an der sukzessiven „Entpanzerung“ (Wilhelm Reich), also an der fortschreitenden Auflösung der Atemblockaden und der daraus ­resultierenden Körperhaltungen und Verhaltensmuster. Zwei Energieverläufe sind dabei zu beschreiten. Der erste folgt dem zirkulären Atemfluss innerhalb des Körpers. Hier haben die meist sehr alten Erfahrungen und Versagungen, schmerz­haften Erlebnisse, Beschämungen und mitunter auch Traumata die ursprüng­liche Lebendigkeit, Kreativität, Spontaneität und Lebensfreude buchstäblich in einem  muskulären Panzer eingeschlossen. Alles das, was in der Kindheit nicht möglich war – die angemessene spontane Reaktion auf  Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit oder Abwertung – wird in dieser Panzerung nicht mehr gefühlt. Es ist zu bedrohlich und zu schmerzhaft. Körperlich aber bedeutet es, dass die Muskeln chronisch kontrahieren und die Energie, die – zum Beispiel als Wut oder als Trauer – nicht sein darf, schlichtweg festhalten. Die Körperhaltungen, die dabei entstehen, sind Basis unseres „Charakters“ (Wilhelm Reich).

Wenn man nun anfängt, die muskulären Panzerungen zu lösen, dann sind all diese sehr alten Gefühle wieder da. Und indem sie vollständig zum Ausdruck gebracht werden, können die Versagungen heilen. Die eigene Lebenslust wird wieder fühlbar, und Öffnung geschieht für die Lebendigkeit der Gegenwart. Notwendig dafür ist eine Person, die in liebevoller Beziehung da ist, die diesen Prozess der Entpanzerung selber zumindest bis zu einem gewissen Grad durchlaufen hat und in der Lage ist, eine lebendige Beziehung einzugehen. „Die energetische Intimität, das gefühlte In-Verbindung-Sein, ist die Grundlage der körpertherapeutischen Arbeit und muss immer wieder scharf unterschieden werden von sentimentaler Schein-Verbindung. Energetisch verbinden kann man sich dauerhaft nur mit Zuneigung und Interesse, es funktioniert nicht als Technik. Daher muss der Therapeut in sich selbst und in jedem Klienten hinter der äußerlichen Symptomatik das Stück lebendige Natur ausmachen, das jeden Menschen so attraktiv und liebenswert macht wie ein Neugeborenes.“ (Loil Neidhöfer)

 

Freie und lebendige Beziehungen

Von zwei Energieverläufen ist oben gesprochen worden. Der erste ist die beschriebene „Entpanzerung“ der eigenen Muskelblockaden, und obwohl der zweite nicht zu denken ist ohne den ersten, eröffnet sich in ihm erst der eigentliche Sinn der ganzen Arbeit: nämlich die Möglichkeit, freie und lebendige Beziehungen mit anderen Menschen und der lebendigen Natur einzugehen. Beziehung ist hier gemeint als Möglichkeit, frei nach außen gehen zu können, im Kontakt zu sein, sich energetisch verbinden zu können und zu fühlen, was ist, gleichermaßen bei sich selbst wie bei dem anderen. Hier geht es über verschiedene Methoden und Settings darum, für sich selbst herauszufinden, wo die eigenen Kontaktstörungen liegen, wann es „brisant“ wird oder wo und wie man Kontakt vermeidet. Letzteres bedeutet, es sich selbst langweilig zu machen, echte Anwesenheit, auch „Präsenz“ genannt, durch inneren Rückzug zu verhindern. Oft stehen Scham, Schuld, Angst, Ohnmacht und andere Gefühle dahinter, vor allem aber die uns allen innewohnenden Selbst­beurteilungen. Und statt zu sagen, was wir denken, statt wegzugehen, wo wir nicht sein wollen, erstarren wir mit ­einem leeren Lächeln auf dem Gesicht und machen uns selbst vor, wir seien „sozial kompetent“ und „teamfähig“.

Aber wie ist denn nun der Ausweg aus dieser blutarmen, lauwarmen sozialen Fassade? Eigentlich ganz einfach: achtsames Fühlen, Wahrnehmen, Ausdruck geben. Fühlen, was ist, es für wahr nehmen und ihm einen Ausdruck geben – „ohne dass es einen Namen haben muss“, wie Petra Mathes es nennt, die die Skan-Körperarbeit zusammen mit dem oben zitierten Loil Neidhöfer in Deutschland entscheidend entwickelt hat. Aber: Man muss es tatsächlich tun! Nur darüber nachdenken, diskutieren und grübeln hilft nicht.

 

Die soziale Fassade durchdringen

Oft ist man dort richtig, wo es aufregend wird, wo das Herz zu klopfen anfängt. Und auch wenn es eigentlich ganz einfach ist: Sich einzulassen auf das Risiko der Lebendigkeit, stößt immer wieder an die Grenzen der Angst und der Abwehr. Wilhelm Reich fand hierfür ein Drei-Schichten-Modell: die äußere Schicht der sozialen Fassade, die mittlere Schicht der „sozial unerwünschten“ reaktiven Haltungen und „negativen“ Emotionen und die innere Schicht, der Kern, bestehend aus Gefühlen der Liebe und Verbundenheit. Auf dem Weg begegnet man den ganzen unterdrückten Gefühlen der „zweiten Schicht“: „In der oberflächlichen Schicht seines Wesens ist der durchschnittliche Mensch verhalten, höflich, mitleidig, pflichtbewusst, gewissenhaft. Es gäbe keine soziale Tragödie des Menschentiers, wenn diese oberflächliche Schicht des Wesens mit dem tiefen natürlichen Kern unmittelbar in Kontakt wäre. Dies ist nun tragischerweise nicht der Fall.“ In der zweiten Schicht befindet sich all das Unschöne, das wir zu verstecken bemüht sind: Gier, Neid, Hass, Ekel. Da muss man durch, um zum „biologischen Kern“ zu gelangen, in dem die Liebe wahr ist und echt und von einem unbeschreiblichen Gefühl der Hingabe und Freiheit. Das Schöne und immer wieder Überraschende in diesem Prozess ist – dass es den Anderen genauso geht. Keiner ist nur „gut“, jeder hat unliebsame Reaktionen in sich, die zu verstecken so viel Energie kostet. Was für eine Erleichterung, wenn auch die sozial geächteten Eigenschaften da sein dürfen, was für ein ­Lachen manchmal, wenn man sich in seiner vermeintlichen Peinlichkeit ­zeigen kann. Dahinter verbirgt sich meist die große Sehnsucht, die wir alle in uns tragen und die dann auch endlich sichtbar, fühlbar werden kann.

 

Neben den Einzelsitzungen – „Mattenarbeit“ – bei denen an der Auflösung der Atemblockaden gearbeitet wird, werden in der Skan-Körperarbeit vielfältige Bewegungs- und Begegnungsimpulse gegeben, die in den Gruppen in Kontakt kommen lassen mit sich selbst und mit anderen. Angeleitete Körperwahrnehmungen gehören dazu, Stimme und Bewegungsausdruck, das Tanzen – nicht als Abfolge von eingeübten Schritten, nicht um gut auszusehen, sondern als Möglichkeit, die eigenen Bewegungsimpulse zu finden und zu tun, was von innen heraus geschieht. Übungen, die Begegnung ermöglichen und Nähe wie Distanz erlauben, ­ge­hören dazu. Bei all dem geht es um keinerlei „Können“, sondern um das, was ­jeweils gerade stimmig ist. Und schließlich unsere Theaterarbeit: das „Streaming Theatre“, das alle Rollen des ­Lebens bereithält, zum Annähern, zum Ausprobieren, um dem Raum zu geben, was in uns schlummert.


Abb: © srnicholl – Fotolia-com

Workshops „Aus dem zwanghaften Denken aussteigen“

Skan-Körper- und Theaterarbeit mit Gudrun Zipper (Bonn) und Asja Jopke ­(Berlin)

 

11.10.2014 „Atem, Bewegung, Ausdruck – der Körper als Ort des Fühlens und der Echtheit“

1.11.2014 „Energie und Wahrnehmung – unser Körper als ­Kontakt und Grenze zur Welt“

6.12.2014 „Kontakt und Beziehung – Spiegel unserer Art zu sein“

 

jeweils 12 bis 20 Uhr, Ort: Kulturbrauerei, Academia Jangada, Schönhauser Allee 36, Aufgang 11 a

 

Kosten: 85 € je Workshop,

 

Anm. erford. unter Tel.: 030-538 163 83 oder 

mail@skan-berlin.de (auch für Einzel­sitzungen)

www.skan-berlin.de

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