Anzeige

Shri Yogi Hari wurde 1945 in einer traditionellen hinduistischen Familie geboren. Er ist ein weltweit anerkannter Yogameister und lebt mit seiner Frau und drei Kindern in seinem Ashram in Florida. Die Frucht von Shri Yogi Haris unermüdlichem Streben nach Perfektion heißt Sampoorna Yoga, eine Praxis, in der auch das Familienleben zum Spielfeld spirituellen Wachstums wird. Ein Interview mit Shri Yogi Hari von Bernhard Rama Dökel.

 

 

Dökel: Was bedeutet für dich spirituelles Wachstum?
Shri Yogi Hari: Spirituelles Wachstum ist ein Prozess der Veränderung vom Groben zum Feinen. Meine Definition von Yoga ist: „das Gewahrwerden deiner Göttlichkeit“. Das passiert, wenn der Geist ruhig und friedvoll wird, ohne jegliche Gedankenwellen. Dieser Prozess wird Yoga genannt. Jegliche Selbstanstrengung, die du machst, um dich von Faulheit und Trägheit zu befreien und von der Unwissenheit ins Licht des Wissens zu führen, ist Spiritualität.

Ich bin 67 Jahre alt, doch gefühlt habe ich viele Leben in dieser Inkarnation gelebt. Seit meiner Kindheit verspürte ich immer den intuitiven Antrieb, mich zu vervollkommnen. Du bist, was dein tiefstes Verlangen ist, denn deine Gedanken und Handlungen werden in diese Richtung gehen. Warum also nicht nach dem Höchsten verlangen?

In der Oberstufe war meine größte Herausforderung, die Aufmerksamkeit des schönsten Mädchens zu gewinnen. Sie war auch der großartigste und moralisch aufrichtigste Mensch, den ich je kannte. Sie wurde meine Inspiration und ich strebte immer danach, ihr ebenbürtig zu sein. Sie, meine spätere Frau, war es, die mir ein kleines Buch: „Yoga und Gesundheit“ schenkte. Als ich es las, wusste ich, dass es die Wahrheit war. Schon nach einigen Wochen meisterte ich alle Positionen und mein Körper ging spontan in weitere hinein.

Ich sehnte mich nach mehr Wissen und Führung. Swami Vishnudevananda lud mich ein, seiner Organisation beizutreten. Ich war 30 Jahre alt, hatte vier Kinder und meine Schwiegermutter lebte bei uns. Ich hatte eine hohe Position in der Firma und verdiente viel Geld. Doch all das war kein Hindernis für mich. Sobald ich etwas für mein Wachstum und meine Entwicklung erkenne, sehe ich keine Hindernisse, sondern nur Möglichkeiten. Meine Familie und ich zogen in den Ashram, in dem ich sieben Jahre lang vollkommen ins Yoga und die Lehren meines Gurus eintauchte. Ich ließ meinen Geist von nichts anderem ablenken. Yoga wurde zu meinem Leben.

Wie hast du Familie und Yoga unter einen Hut gebracht??
In einer indischen Gesellschaft aufgewachsen, glaubte ich, dass es die Aufgabe des Vaters sei, für die Familie zu sorgen, und die der Mutter, sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern. Gleichzeitig wurde im Ashram, der von einem Swami, einem Mönch, geleitet wurde, fortwährend gepredigt, dass ein monastisches Leben der einzige Weg sei, um ein spirituelles Leben zu führen – wohingegen ein Familienleben eher einem  „Hundeleben“ gleichkam und der spirituellen Entwicklung nicht förderlich sei. Dementsprechend war ich damit beschäftigt, ein Yogi zu sein, und obwohl es mir gewaltig in meiner Entwicklung half, entstand dadurch ein Ungleichgewicht. Ich verpasste einen großen Teil des Familienlebens und meine Kinder vermissten die gemeinsame Zeit mit ihrem Vater.

Wie verbindest du heute spirituelles Leben mit dem Familienleben?
Spirituelles Leben bedeutet, in der Qualität der Liebe, des Mitgefühls, der Selbstlosigkeit, Toleranz und Geduld zu wachsen – eine Familie bietet die ideale Gelegenheit, diese Qualitäten zu kultivieren. Darum: Familienleben ist spirituelles Leben. Das ist es, was Sampoorna Yoga lehrt. Jeder Moment deines Lebens kann spirituell sein, wenn du ihn mit Bewusstheit und richtiger Führung lebst. Aufgrund dieser Erfahrungen und Erkenntnisse hat sich Sampoorna Yoga als Praxis und Lehre entwickelt. Es verbindet auf eine intelligente Weise die Disziplinen des Hatha-, Raja-, Karma-, Bhakti-, Gyan- und Nada-Yoga, um den Prozess der Entwicklung zu fördern und Fülle ins menschliche Leben zu bringen. Es ist ein sensibler, logischer und dynamischer Weg des Lebens.

Du brauchst dafür einen gewissen Plan und eine gewisse Routine. Früh morgens stehst du auf und praktizierst einige Atemübungen, verbunden mit Yogapositionen. Anschließend meditierst und singst du und liest inspirierende Texte wie zum Beispiel die Shlokas der Bhagavad Gita, um während des Tages darüber nachzudenken. Durch den Tag hindurch lebst du ein Leben in Wertschätzung und Dankbarkeit für das, was du hast, und erledigst deine Aufgaben im Sinne des Karma Yoga als selbstloses Dienen. Wenn du während des Tages Zeit hast, singe oder praktiziere geistige Wiederholungen deines Mantras. Im Auto versuche erhebende Musik zu hören. Das wird dir helfen, deinen Geist in einem positiven Zustand zu halten. Wenn du so lebst, wirst du mit wenig Spannungen und Stress nach Hause kommen, hast Zeit für deine Familie, kannst mit deinen Kindern spielen und friedvoll schlafen.

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*