Anne Siml begleitet seit 2006 spirituelle Reisen – hauptsächlich nach Asien.

Bis zu meinem 17. Lebenjahr in der DDR lebend, war es für mich eine schreckliche Vorstellung, nie die ganze Welt bereisen zu dürfen. Dass ich erst, wenn ich eine Oma bin, überall hinfliegen kann, war für mich ein Ding der Unmöglichkeit und ich konnte das nie wirklich glauben, obwohl die Mauer damals unverrückbar schien. Ich hatte schon immer einen unstillbaren Durst nach fremden Kulturen und Abenteuern, intensiven Naturerfahrungen und Begegnungen mit Menschen. Das Gefühl, nie zu wissen, was als Nächstes kommt, ganz dem Herzen zu folgen, mit dem Fluss zu fließen und mich überraschen zu lassen, wohin er mich führen wird, brachte mir immer ein besonderes Lebensgefühl, erfüllt von Verbundenheit, Magie und Lebendigkeit.

Es gibt so vieles, was wir beim Reisen erfahren und lernen können, vor allem aber auch jede Menge über uns selbst. Denn wir begeben uns in einen Raum jenseits unserer Komfortzone, begegnen dabei unseren Ängsten und können sehen, wie gut wir mit uns selbst allein sein können, und erkennen, was wir im Alltag alles tun, um uns von unangenehmen Gefühlen abzulenken. Auf Reisen wurde ich mir zum einen meiner Ängste und meiner Unsicherheit bewusst, aber gleichzeitig entwickelte sich auch ein tiefes Vertrauen in meine Herzensstimme und Führung. Vertrauen kann auf Reisen ein großes Thema sein, vor allem, wenn wir allein reisen.

Es gibt so viele Geschichten, die unsere Ängste fördern, so das wir oft lieber zu Hause bleiben oder eine „all inclusive“-Reise buchen. Da wissen wir dann genau, wo wir ankommen, wer uns abholt, wo wir schlafen werden und was es zu essen gibt. Diese Art zu reisen hat sicher auch ihren Sinn und Wert, aber das nennt man dann eher Urlaub.

An Verborgenes in uns erinnern

Reisen und Urlaub sind für mich sehr verschiedene Dinge. Wenn ich auf Reisen gehe und mir Freunde einen schönen Urlaub wünschen, fühlt sich das oft befremdlich an. Urlaub erscheint mir eine Zeit, in der man sich von etwas erholen möchte. Reisen ist für mich allerdings herausfordernd, manchmal auch sehr anstrengend und alles andere als erholsam. Vor allem, wenn ich mit Seiten meiner selbst konfrontiert werde, die mir nicht so angenehm sind. Aber es ist auch ein Weg, mich an das Ursprüngliche zu erinnern.

An meine Herkunft, die weiter reicht als bis in das Land der Geburt. Reisen ist wie das Einsammeln verlorener oder verschütteter Seelenanteile. Gerade in fremden Kulturen können wir uns – in Resonanz mit den Menschen und der Umgebung – an Verborgenes in uns selbst erinnern und es integrieren. Reisen kann auch neue Inspirationen bringen, eine Möglichkeit, mit einer anderen Perspektive auf das Leben zu schauen und uns wieder mehr mit dem Leben, den Menschen, uns selbst und der Natur zu verbinden.

Das Reisen ist ein großer Bestandteil meines Lebens und hat mich auch manchmal Überwindung gekostet. Dazu fällt mir ein schöner Spruch von einem peruanischen Medizinmann ein: „Was kostet, wird kostbar.“ Glücklicherweise kommen meine Bedenken und Zweifel immer erst sehr spät zum Vorschein. Wenn der Flug schon gebucht und die Wohnung bereits untervermietet ist. Also mit anderen Worten: Wenn es eigentlich kein Zurück mehr gibt. Besonders ging es mir so vor meiner ersten Reise in den Iran. Viele meiner Freunde und auch meine Eltern machten sich Sorgen und hielten es für verrückt, allein als Frau in den Iran zu reisen. Dass ich mich bereits in einer Internetplattform angemeldet hatte, die sich Couchsurfing nennt, so das ich bei fremden Menschen im Iran auf der Couch schlafen kann, erzählte ich ihnen lieber nicht.

Trotz meiner eigenen Ängste spürte ich sehr stark den Ruf, dieses Land zu erkunden und mich selbst darin wahrzunehmen. Ich war zu der Zeit zum zweiten Mal hoffnungslos in einen Iraner verliebt und ich wollte herausfinden, was genau diese starke Anziehung ist und wonach ich mich eigentlich sehnte. Ich ahnte schon, dass ich mich in einen verschütteten Teil meiner selbst verliebt hatte und dass dieser mit dem Land Persien etwas zu tun hatte.

Puzzleteile meiner selbst einsammeln

Ich bin mir heute sehr dankbar, dass ich meine Ängste überwunden habe und meiner Herzensstimme gefolgt bin. Denn ich bin auf der Reise durch den Iran mit so vielem beschenkt worden. Es war, als erfülle sich eine tiefe Sehnsucht in mir, und auch hier konnte ich ein paar Puzzleteile meiner selbst einsammeln und integrieren. In kaum einem anderen Land bin ich mit soviel Herzlichkeit und extremer Gastfreundschaft empfangen worden. Es war eine spannende Erfahrung, jeden zweiten oder dritten Tag aufgeregt vor einer neuen Tür zu stehen, zu klingeln und einem fremden Menschen und meistens gleich noch dazu einer großen Familie zu begegnen. Und dann gemeinsam auf dem Boden zu sitzen und zu essen und nach nur fünf Minuten tiefe Gespräche über das Leben zu führen.

Die Tatsache, jemanden überhaupt nicht zu kennen und dann im Gäste- oder Wohnzimmer auf der Couch schlafen zu dürfen und an Familienfesten teilzunehmen, hatte für mich etwas sehr Besonderes. Gleichzeitig fühlte es sich ganz natürlich an. Ich habe den Iran mittlerweile mehrmals zu unterschiedlichen Zeiten bereist – unter anderem auch im Frühling zum persischen Neujahrsfest Novruz. Das persische Neujahrsfest Novruz kommt von der familiären Bedeutung unserem Weihnachtsfest nahe. Auch hier befand ich mich mitten drin in Kochvorbereitungen, gemeinsamer Picknick- und Urlaubsplanung, Geschenke besorgen, Friseurbesuchen, Musizieren und dem Rezitieren des persischen Dichters Hafez, dessen dickes Buch wie ein Orakel spontan aufgeklappt und aus dem dann vorgelesen wurde. Das Vorgelesene galt als Botschaft fürs neue Jahr.

Auch für mich wurde eine Seite aufgeschlagen, ich bekam Geschenke von der Familie und wurde mit in den Familienurlaub eingeladen. Ich stellte mir manchmal vor, wie das in Deutschland wäre, wenn ich einen Fremden, den ich selbst nicht kenne und der mich vor ein paar Tagen im Internet angeschrieben hat, zum Heiligem Abend mit nach Hause bringen würde und der dann die ganzen Feiertage mit dabei ist und sogar mit in den Familienurlaub fährt.

Ins Familienleben integriert

Ich bekam das tägliche und nicht alltägliche Leben mit, live hinter den Türen. In Isfahan wohnte ich drei Tage bei einer Gastgeberin, deren Vater im Wohnzimmer im Sterben lag. Alles gehörte irgendwie dazu und nichts wurde verborgen. Außer die Haare unter dem Kopftuch, sobald wir auf die Straße gingen. Meine Probleme mit dem Kopftuch möchte ich hier nicht weiter ausführen. Ich kann nur so viel dazu sagen, dass ich selten ein Land bereist hätte, wenn ich mich von kulturellen, politischen oder religiösen Umständen hätte aufhalten lassen. Ich fühlte mich nach wenigen Stunden als Teil der Familie. Das war ein so natürliches Gefühl und wie die Erfüllung einer Sehnsucht nach Verbundenheit, Offenheit und Weltenfamilie. Nicht immer reise ich auf diese Weise.

Gern schlafe auch mal in einem Hotel, wo ich meine  Ruhe habe und nicht erst dann auf der Couch einschlafen kann, wenn der Fernseher ausgeschaltet wird und die Familie schlafen geht. Im Iran habe ich mich aber ganz bewusst für Couchsurfing entschieden, da ich so nah wie möglich Land, Leute und Kultur kennenlernen wollte. In den Ländern, ich denen ich war und teilweise auch längere Zeit gelebt habe, sei es Nepal, Indien, Bhutan, Hawaii oder Iran, bin ich mir selbst ein Stück näher gekommen. Jedes Land hat seine eigene Qualität, seinen Ausdruck und seine Botschaft. Diese Erfahrungen und Orte möchte ich gern mit Menschen teilen.

Meine persönlichen Erfahrungen in Bereichen der Selbsterfahrung, Spiritualität und Heilung, meine Intuition, Flexibilität und mein Einfühlungsvermögen ermöglichen es mir, Menschen auf eine ganz individuelle Weise auf Reisen zu begleiten. Der enge Kontakt mit einheimischen Freunden gibt auch meinen Mitreisenden die Möglichkeit, sich in einem fremden Land zu Hause fühlen zu können. Es gibt einen schönen Spruch: „Zu Hause ist da, wo dein Herz ist.“ Wer mit seinem Herzen verbunden auf Reisen geht, kann sich überall zu Hause fühlen, und wer der Stimme seines Herzens noch nicht so gut vertrauen kann, wird dies auf Reisen mit mir vielleicht lernen.

Infotreffen zu Gruppenreisen: Iran Mai 2018, am 22.3.2018, 18 Uhr (bitte anfragen, Reise steht noch nicht vollkommen fest) Bhutan/Nepal Oktober 2018, 22.2.2018, 20 Uhr Indien Januar 2019, Shakti-Journey für Frauen, 19.4.2018, 18 Uhr Hawaii Februar 2019, 19.4.2018, 20 Uhr
Ort: Naturheilpraxis Oddiyana, Husemannstraße 25, 10435 Berlin
Anmeldung für die Infoabende ist erwünscht
Reise nach innen: Ayurvedisches Fasten und Meditation an der Ostsee, vom 21.5.-27.5.2018 Infos dazu auf: www.heilpraxis-berlin.net
(telefonische Anfragen sind erst ab 4. März möglich, vorher bitte per mail)
Weitere Infos und Fotos auf Instagram: Aluna travels, auf Facebook: Aluna Reisen

Über den Autor

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begleitet seit 2006 spirituelle Reisen – hauptsächlich nach Asien. Sie arbeitet in Berlin als Heilpraktikerin in eigener Praxis, ist leidenschaftliche Reisende und Musikerin. Ihr besonderes Anliegen ist es, Menschen, die nicht allein reisen möchten oder aus verschiedensten Gründen Hemmungen und Ängste vor fremden Ländern haben, das Reisen zu ermöglichen. Ihre Angebote richten sich auch an Menschen, die sich gern in einem fremden Land fast wie „zu Hause“ bewegen und Orte entdecken möchten, die in keinem Reiseführer zu finden sind. Menschen, die Selbsterfahrungen auch jenseits Ihrer Komfortzone machen möchten oder einfach mit anderen zusammen Land und Leute kennenlernen wollen.

Spezielle Reiseangebote: Begleitung von Familien, Einzelpersonen, kleine und größere Gruppen, Freundeskreisreisen bis zu max. zwölf Personen – je nach Interessen und Bugdet. Mögliche Kombinationen sind: Urlaub und Aben – teuer, Gesundheit und Wellness, Land, Leute und Kultur, spirituelle Reisen oder eine individuelle Kombination bei Einzelreisen oder Kleingruppen.

Kontakt
Tel.: 030-530 954 21

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