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Unsere Beziehungen prägen unser Leben maßgeblich, ob nun zwischenmenschlich oder zwischen Mensch und Tier. Es gibt viele Strategien und Hilfsmittel, unsere Beziehungen so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Tierkommunikation ist in diesem Pool der Möglichkeiten eine wahre Bereicherung. In diesem Raum, in dem wir eine gemeinsame Sprache sprechen, bauen sich gegenseitiges Verständnis und Mitgefühl auf.

 

 

17.30 Uhr. Genau jetzt müsste ich mich aufs Rad schwingen, um den Zug noch rechtzeitig zu erreichen. Doch ich kann die Monatskarte nicht finden. Die brauche ich. Immer wieder dieser Stress. Meine Akkus sind leer, es ist eiskalt, es regnet, ich bin müde und – weil das alles zusammenkommt – stocksauer. Vollkommen genervt renne ich zu meiner Mutter, die mit unserem Pferd Shakira mitten auf dem Hof steht und der gerade eingefallen ist, dass sie die Fahrkarte in ihrer Jackentasche hat. Recht unfein reiße ich ihr die Karte aus der Hand, mache auf dem Absatz kehrt, drehe mich im Rennen noch einmal um, sehe Shakira, die wie angewurzelt da steht und mich mit aufgerissenen Augen anstarrt. Ich versuche ein kurzes Lächeln und murmle ein „Tschüss Süße“, um mein Gewissen zu beruhigen.

 

Doch ich beruhige mich auf dem gesamten Nachhauseweg nicht; meine Emotionen kochen und ich habe ein fürchterlich schlechtes Gewissen. Kaum angekommen klingelt das Telefon und meine Mutter haut noch einmal in die Kerbe hinein, indem sie mir erzählt, wie verstört Shakira noch lange Zeit nach meinem ruhmreichen Abgang war. „Rede noch mal mit ihr“, rät sie mir. Sie hätte es ihr zwar schon erklärt: ’Janina war nicht gut drauf und sie hatte es sehr eilig und das hatte gar nichts mit dir zu tun’, doch ich solle doch lieber selbst mit ihr sprechen.

Das verschiebe ich noch einige Zeit, bis es sich nach dem richtigen Moment anfühlt. Ich mache es mir bequem, komme zur inneren Ruhe – so gut es geht – und öffne die Kanäle. Und da sehe ich sie auch schon vor meinem inneren Auge. Ich hab wieder dieses riesig schlechte Gewissen. Ich suche nach den richtigen Worten und sage letztendlich doch die, die mir zuerst in den Sinn kamen: „Es tut mir so leid! Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich war so übel gelaunt und ich hab mich einfach nicht eingekriegt. Tut mir leid, dass du das abbekommen hast, ich konnte mich einfach nicht beherrschen.“ Und als ich merke, dass ich mich für mein Verhalten so richtig schäme, da sehe ich wie Shakira plötzlich zwinkert. Kann das sein? Hab ich mich verguckt? Nein, sie grinst sogar ein bisschen. „Was ist denn nun los?“, frage ich sie. Und sie sagt: „Ich kenne das.“ Ja, sie kennt das, das stimmt. Shakira ist nämlich auch des Öfteren schlecht gelaunt und lässt mich das spüren. Sie kennt es, sich nicht beherrschen zu können und sich danach für ihr Verhalten zu schämen. Ich habe eine Träne im Knopfloch, weil ich gerührt bin. Und ich bin erleichtert. Und sie ist erleichtert. Wir beide freuen uns, weil wir eine Verbindung zwischen uns erkannt haben. Ich weiß jetzt, wie es ihr manchmal geht und warum sie manchmal so ist, wie sie ist, und sie weiß dies von mir. Wir plaudern noch etwas, aber das ist unwichtiges Zeug, das wirklich Wichtige wurde schon gesagt. Als ich in der folgenden Woche im Stall bin, stand sie mir zum ersten Mal in vollkommener Ruhe gegenüber, ohne Zappeln, ohne Betteln, sie ist einfach stehen geblieben und hat meine Liebkosungen angenommen. Ein neues Vertrauen ist zwischen uns entstanden.

 

Verschiedene Kanäle

Dass wir mit Tieren kommunizieren können, ist uns allen klar. Wir beobachten ihr Verhalten und ihre Reaktionen auf unser Verhalten und versuchen dieses Wissen in unserem Umgang mit den Tieren zu nutzen, eben mit ihnen zu kommunizieren. Doch unsere Möglichkeiten gehen weit darüber hinaus. Denn ebenso, wie wir in Kontakt zum universellen Wissen, zu Engeln und weiteren Helfern treten können, können wir natürlich auch Kontakt zu Tieren aufnehmen. Hierfür gibt es die vielfältigsten Varianten, die man in Tierkommunikationskursen recht leicht lernen kann. Manchen Menschen liegt es eher, sich im direkten Kontakt mit dem Tier auszutauschen, manche nutzen lieber in aller Ruhe ein Bild des Tieres und stellen dann ihre Fragen und andere sprechen mit den Haltern der Tiere und kaum haben diese ihre Frage gestellt, ist die Antwort auch schon da. Dabei sind die Formen, in denen die Antworten zu uns gelangen ebenfalls mannigfaltig; die einen erhalten die Antworten auf ihre Fragen in Bildern, die anderen tauschen sich verbal aus, manche Tierkommunikatoren fühlen den Körper des Tieres und wieder andere haben einen Geschmack auf der Zunge oder einen Geruch in der Nase.

 

Was meint der denn?

Der Schlüssel zu diesem Austausch mit Tieren ist grundsätzlich der gleiche, der auch die Türen zum Energetischen Heilen oder zum Channeln öffnet. Es gilt, den Verstand zu beruhigen, sich der universellen Weisheit zuzuwenden, offen zu sein, für alles was kommt, und durch Üben nach und nach eine Sensibilität für diese spezielle Kommunikation aufzubauen. Eine Herausforderung in der Tierkommunikation besteht allerdings darin, dass Tiere eben Tiere sind und Menschen eben Menschen. Das heißt, die Wahrnehmung der Tiere unterscheidet sich oft von der der Menschen. Was heißt es, wenn zum Beispiel eine Ameise davon spricht, dass ihr etwas sehr großes begegnet ist? Was empfindet eine Schnecke als schnell? Oder was könnte eine Katze meinen, die nach ihrem Lieblingsfutter gefragt wird, und dann von etwas blauem Gebogenem erzählt? Durch zunehmende Erfahrung fällt es einem dann immer leichter, die passenden Fragen zu stellen, um herauszufinden, was unser Tier uns mitteilen möchte. Und es dauert irgendwann nicht mehr eine halbe Stunde, bis wir herausbekommen, dass Mietzi am liebsten Thunfisch aus der Dose frisst, auf der ein blauer Thunfisch aufgemalt ist.

Das Vertrauen, dass durch unser gegenseitiges Verstehen an diesem anfangs beschriebenen Tag zwischen Shakira und mir entstanden ist, ist uns bis zum heutigen Tag erhalten geblieben, und mehr noch, es war die Basis einer Entwicklung, die ich mir schon lange gewünscht hatte, nämlich dass wir als Team zusammenwachsen, uns gemeinsam weiterentwickeln in unserer Beziehung als Pferd und Reiter und irgendwie auch als Freunde. Und ebenso wie in einer Beziehung zweier Menschen, die sich entschieden haben, einen Teil ihres Weges miteinander zu gehen, stehen auch wir immer wieder vor neuen Herausforderungen, die wir nur durch unsere Bereitschaft, uns Verständnis entgegenzubringen und durch die Möglichkeit, uns zum Beispiel telepathisch auszutauschen, meistern können und wollen.


Abb: Paraflyer – Flickr – cc-by

Über den Autor

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Jahrgang 1976 ist Diplom Pädagogin, Partnerin und Mitbegründerin des Unternehmens ACP, das sich mit Unternehmens-, Personal- und Schulentwicklung beschäftigt. Sie befasst sich mit ganzheitlichem Heilen (Holistic Healing) und Familienstellen. Sie möchte die Menschen dazu anregen, ihr Leben zunehmend aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten, es bewusster wahrzunehmen, zu erfahren und selbst zu gestalten.

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