Anzeige

Transition Towns und die ökologisch-soziale Revolution von unten

Angesichts von Klimawandel, Finanzkrisen und knapp werdenden Ressourcen („Peak Oil“/“Peak Everything“) tun sich in immer mehr Gemeinden weltweit Menschen zusammen, um einen Wandel von unten einzuleiten. In den sogenannten „Transition Towns“ geht es beispielsweise darum, Bereiche wie Energieversorgung, Landwirtschaft, Verkehr und Finanzen so weit wie möglich aus der globalisierten Wirtschaft herauszulösen und in die Hand von Bürgern zu bringen. Dieser Wandel wird von vielen nicht als eine Sache des Verzichts, sondern als ein Gewinn an Lebensqualität und als Revitalisierung gemeinschaftlichen Lebens erfahren. Kontext TV sprach mit Tony Greenham (New Economics Foundation, London / Transition Network) und Sarah Ackerbauer (Transition Town / Dresden im Wandel)

Kontext TV: Was sind Transition Towns?

GBN-GreenhamTony Greenham: Bei der Transition- Town-Bewegung geht es um Gemeinschaften, um Menschen, die dort, wo sie leben, die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Strukturen verändern wollen. Es geht darum, Ökonomie und Gesellschaft mit der Vision eines sozial gerechten Planeten in Einklang zu bringen. Klimawandel, Peak Oil – also die Begrenztheit der fossilen Ressourcen – und wirtschaftliche Unsicherheit sind große Probleme, und es scheint so, als sei es für einen Einzelnen oder eine kleine Gemeinschaft unmöglich, etwas daran zu ändern. Bei der Transition Town geht es jedoch darum, eine positive Vision zu haben. Es gibt vieles, was wir in unseren eigenen Gemeinschaften jetzt sofort machen können. Es scheint zunächst klein, aber wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir etwas verändern. Offiziell gibt es dies – bezüglich jetzt mehr als 1200 Initiativen in 44 Ländern überall auf der Welt. Es ist also eine Botschaft, auf die die Menschen antworten. Es ist aber wichtig, Unterschiede zu beachten. Gemeinschaften nehmen Ideen unterschiedlich auf und stehen in ihrem eigenen ökonomischen und kultur ellen Kontext. Die Art der Projekte hängt also davon ab, wo sie entstehen. Es sind oft sehr praktische Dinge: der Anbau von Nahrungsmitteln, die Einführung nachhaltiger Transportmittel in einem Unternehmen, der Bau nachhaltiger Gebäude oder die Überführung von Energienetzen und Kraftwerken in gemeinschaftlichen Besitz. Man sollte auch betonen, dass es wichtig ist, wie die Menschen sich fühlen. Sie haben vielleicht Angst, wenn sie von all den Problemen auf der Welt hören. Wir sollten unsere Werte überdenken und uns mit einander verbunden fühlen, denn daraus ziehen wir Stärke.

Kontext TV: Welche Rolle spielen dabei lokale Währungen?

Tony Greenham: Lokale Währungen sind ein gutes Beispiel für ein Werkzeug, das Gemeinschaften erlaubt, mehr Einfluss auf ihre lokale Wirtschaft zu erlangen. Sie machen auch die Lieferketten unserer Unternehmen transparent. Es wird einfacher, Unternehmen zu unterstützen, die ökologisch und sozial sinnvolle Lieferketten haben, also Unternehmen, die lokale Produkte verwenden und Menschen aus der Umgebung beschäftigen. Außerdem sind diese Währungen ein greifbares Symbol, das den Menschen einen gewissen Stolz und Energie gibt und ein Gefühl von wirtschaftlicher Ermächtigung. Momentan ist die Wirtschaft für uns ein globales System, das von großen Unternehmen kontrolliert wird, während wir auf die Rolle von Konsumenten reduziert werden. Aber Gemeinschaftswährungen zeigen, dass wir mehr Macht über unsere Wirtschaft haben können.

Kontext TV: Frau Ackerbauer, welche Vision steht für Sie hinter dem Begriff Transition Town?

GBN-Sarah_AckerbauerSarah Ackerbauer: Für mich bedeutet die Idee der Transition Town primär das Selbst-Anpacken an Ort und Stelle, wo man eben gerade ist – mit dem Fokus auf der Vorbereitung von Städten, Gemeinden und Dörfern in Bezug auf den Klimawandel, die Unabhängigkeit von konventionellen Energieträgern und eine Veränderung des ökonomischen Systems in Richtung mehr Stabilität.

Aber vor allen Dingen mit dem Fokus darauf, das zu tun, was du gut kannst, zusammen mit den Menschen, die dir etwas bedeuten. Meine Vision bewegt sich in Richtung Nachbarschaften, wo ein sehr starkes Miteinander ist, wo viel getauscht wird, wo es Lebensmittel gibt, die an den Bäumen und auf der Städte in Bürgerhand: Transition Towns und die ökologisch-soziale Revolution von unten Erde rundherum wachsen, wo es überall kleine Stadtgärten gibt, Tausch-Netzwerke funktionieren, Repair-Cafés sind, Wohnen auch gemeinschaftlich organisiert wird, vielleicht mit einem Elektroautosystem – jeder wird da wohl ein unterschied – liches Bild beschreiben. Und auch diese Pluralität soll sich in der Transition- Town-Bewegung wiederfinden.

 

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*