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Atheismus und Monotheismus sind Aspekte einer tiefen philosophischen Spaltung, welche die Menschheit seit nun mehreren tausend Jahren begleitet. Die Religionen haben zu verheerenden Kriegen und Massenmorden geführt, der Atheismus bietet die Grundlage für ein materialistisches Weltbild, das den Menschen der Natur und sich selbst völlig entfremdet hat.

Die Weltgeschichte zeigt, dass beide Seiten den Menschen weder Frieden noch wirkliche Vernunft gebracht haben. Der Autor Armin Risi meint jedoch, dass die Menschheit nun die Chance für einen Mittelweg hat. In seinem Buch „Der radikale Mittelweg – Überwindung von Atheismus und Monotheismus“ beleuchtet er die philosophischen und praktischen Konsequenzen dieser Weltbilder und beschreibt den „radikalen Mittelweg“ des Theismus. Mittelweg bedeutet für ihn aber nicht Durchschnitt und auch nicht bloß Synthese der Gegensätze, sondern im besten Fall die Überwindung der Gegensätze. Denn Atheismus ist nur die andere Seite des Monotheismus und viele Atheisten sind eigentlich keine Atheisten, sondern Amonotheisten.

Wie könnte ein Weltbild aussehen, das den Weg zu einem solchen Mittelweg aufzeigt? Mit seinem nun folgenden „Theistischen Manifest“ stellt Risi ein paar Thesen zur Diskussion, die anregen und bereichern sollen.

Das Theistische Manifest

1. Theismus ist der „radikale Mittelweg“.

So wie jede Spaltung zwei Hälften erzeugt, erzeugt der „spaltende Geist“ (das Bewusstsein, das zu Kriegen, Gewalt und Ausbeutung führt), zwei gegensätzliche, sich bekämpfende Seiten: Atheismus und Monotheismus. Atheismus umfasst das breite Spektrum von Materialismus bis Monismus. Monotheismus ist von Theismus zu unterscheiden. Atheismus und Monotheismus sind die beiden Seiten derselben Spaltung und sind deshalb einseitig und somit halbwahr. Der Theismus ist ein Mittelweg, der in Bezug auf die genannten Weltbilder „radikal“ ist, denn er postuliert ein ganzheitliches Weltbild, das über beide Einseitigkeiten hinausgeht.

2. Der Mensch kann das Absolute erkennen.

Die Interpretation der objektiven Welt ist vom subjektiven Bewusstsein abhängig. „Der Mensch sieht, was er glaubt.“ Glaube (= das Annehmen eines bestimmten Weltbildes) ist die Grundlage von Wissen. Was die Menschen zu wissen glauben, muss nicht der Realität, der Wahrheit entsprechen. Dies gilt insbesondere für die heute vorherrschenden Weltbilder des Atheismus und Monotheismus. Das Erlangen eines ganzheitlichen Verständnisses von Realität ist die Aufgabe der Philosophie. Es gibt relative Realität und absolute Realität. Der Mensch ist nicht auf die Relativität beschränkt, und kann erkennen, was absolute Realität ist, weil die Ganzheit (Gott) alle Aspekte des Absoluten beinhaltet, nicht nur den Aspekt des Unfassbaren, Unerkennbaren, Überrationalen, sondern auch den Aspekt des Fassbaren, Erkennbaren und Rationalen.

 

3. Die allumfassende Realität (Gott) ist die Ganzheit und umfasst sowohl das Absolute als auch das Relative. Im Relativen wie im Absoluten ist Bewusstsein die essenzielle Eigenschaft, denn Gott ist lebendige Einheit: ewiges, unteilbares („individuelles“) Sein und Bewusstsein (= Einheit in der Vielfalt). Das heißt, Gott ist sowohl Energie als auch bewusstes Wesen.

Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen Gott, Theismus ist der Glaube an den absoluten Gott. Der „einzige“ Gott und der eine (= absolute) Gott sind nicht dasselbe. „Absolut“ bedeutet: nichtbedingt, allumfassend, ganz. Gott ist nicht nur abstrakte Einheit und neutrale Energie, sondern lebendige Einheit im Sinne von „Individuum“: ungeteiltes, ewiges, Sein und Bewusstsein (mit Willen, Liebe, und Gnade), weshalb auch die Teile Gottes individuell und ewig sind (individuell = „unteilbar; ungeteilt“; nicht in die materielle Polarität von Vergangenheit und Zukunft aufgeteilt = ewig). Das Absolute und das Relative, Einheit und Vielfalt, Energie und Bewusstsein, Gott und die Welt – wird das eine vom anderen getrennt und verabsolutiert, entstehen Einseitigkeiten und Halbwahrheiten.

4. Die Realität jenseits der Dualität ist die Individualität, sowohl im Relativen als auch im Absoluten. Realität sollte nicht auf eine materielle Totalität oder monistische Nondualität beschränkt werden.

Theismus bedeutet die Erkenntnis der Individualität als essenzielle Eigenschaft sowohl des Relativen als auch des Absoluten. Wir sind individuell (= unteilbar, ewig), weil das Absolute individuell ist. Wenn wir nur uns als spirituelle Individuen sehen und nicht auch den Schritt der Erkenntnis der Individualität Gottes vollziehen, sind wir immer noch im Bereich des Atheismus, hier allerdings nicht mehr im Bereich des materiellen Atheismus, sondern des metaphysischen und esoterischen Atheismus. Der weiterführende Erkenntnisweg ist hier der monistische, z. B. buddhistische Nontheismus (als Aspekt des theistischen Monismus).

5. Materie ist eine göttliche Energie, die von Bewusstsein beseelt und geformt wird, und existiert als Unendlichkeit „parallel“ zur Ewigkeit.

Die Ganzheit umfasst sowohl das Absolute als auch das Relative, Materie als Energie gehört zum ewigen Sein des Absoluten und hat die Aufgabe, in einem unendlichen Fluss von Raum und Zeit vergängliche (= relative) Formen hervorzubringen. Die materielle Welt existiert „parallel“ zum allumfassenden Hintergrund der Ewigkeit. Die Materie existiert nicht aus sich selbst heraus, sondern wird von geistigen Informationsfeldern programmiert: von den Bewusstseinsimpulsen der unendlichen Vielzahl von Lebewesen sowie vom allgegenwärtigen Bewusstsein des Absoluten (sanskr. Paramatma). Materie ist, technisch gesprochen, eine holographische Projektionsfläche für alle Lebewesen. Diese bewirken, dass die Materie (durch Paramatma) entsprechende Formen annimmt, gemäß dem Gesetz von Aktion und Reaktion.

6. Kosmos und Mensch sind multidimensionale Einheiten.

Materielle Körper entstehen durch die Verbindung von Energie, Materie und Information. Die Materie existiert vor dem Hintergrund der ewigen (= raum- und zeitlosen) Welt des Absoluten und bringt ewiglich vergängliche Formen hervor, angefangen mit den zahllosen Universen, die zuerst in einer feinstofflichen Form entstehen. Es gibt feinstoffliche und grobstoffliche Materie und dementsprechend feinstoffliche und grobstoffliche Welten. Ebenso haben die Menschen einen feinstofflichen und grobstofflichen Körper. Die multidimensionale Materie ist Projektionsfläche des Bewusstseins. Information ist Ausdruck von Bewusstsein und ist – noch vor Energie und physikalischer Materie – der grundlegende Faktor jeglicher Schöpfung. Information ist nicht das zufällige Nebenprodukt einer hypothetischen Selbstorganisation der Materie.

7. Wir sind ewige Wesen (Individuen) und sterben nicht, wenn der Körper stirbt.

Bewusstsein ist das Energiefeld der Seele, so wie Licht das Energiefeld eines Sonnenstrahls ist. Ein Sonnenstrahl ist untrennbar mit der Sonne verbunden. Auf ähnliche Weise sind alle relativen Individuen „Strahlen“ oder „Teile“ Gottes, des allumfassenden Ganzen. Weil Gott ewig ist, sind auch wir als spirituelle Wesen („Seelen“) ewig. Unser Leben ist nicht auf die eine irdische Existenz beschränkt. Leben ist ewig. „Tod“ bedeutet, dass die Seele mit dem feinstofflichen Körper den grobstofflichen Körper verlässt.

Theistisches Manifest Risi

8. Als spirituelle Wesen haben wir einen freien Willen und damit relative wie absolute Verantwortung, relative in Bezug auf unsere Handlungen, absolute in Bezug auf unsere Bewusstseinsausrichtung.

Freier Wille ist die grundlegende Eigenschaft des individuellen Seins, sowohl im Absoluten als auch im Relativen. Weil Gott Bewusstsein und Willen „hat“, haben auch alle relativen Individuen Bewusstsein und einen freien Willen. Der freie Wille ist nicht unabhängig, sondern bewegt sich innerhalb der vorgegebenen göttlichen Ordnung. Der Begriff „freier Wille“ bezieht sich auf unsere Freiheit, als geistige Individuen zu entscheiden, inwieweit wir in Bezug auf Gott in Einheit oder in Getrenntheit leben wollen, das heißt, inwieweit wir von Realität oder von Illusion (falscher Identifikation) abhängig sein wollen. Freier Wille bedeutet, dass wir entscheiden können, wovon wir uns führen bzw. beeinflussen lassen. Mit dem Fluss unserer Bewusstseinsausrichtungen kreieren wir entsprechende Reaktionen und Existenzen, die im materiellen Bereich nicht mehr direkt unserem freien Willen unterstehen.

 

9. Liebe ist höchste Realität. Denn Liebe ist das Bewusstsein, mit dem wir die wirkliche, allumfassende Realität (= die Individualität und Einheit Gottes und aller Teile Gottes) wahrnehmen und in Harmonie mit dieser Realität leben. Liebe ist das Bewusstsein des gleichzeitigen Eins- und Individuellseins in Gottes Ganzheit. Jede andere Bewusstseinsausrichtung ist nicht in Harmonie mit dieser Realität und führt zu Trennung, Illusion, „Dunkelheit“.

Wie können wir Teile Gottes sein, wenn Gott unteilbar („individuell“) ist? Das Mysterium der göttlichen Einheit zeigt, dass Einssein, Teilsein und Individuellsein sich nicht gegenseitig ausschließen, denn dies sind Aspekte derselben absoluten Realität. Weil die essenzielle Eigenschaft dieser Realität Bewusstsein ist, ist die Frage, ob wir in Getrenntheit oder in Einheit leben, eine Frage des Bewusstseins. Das Bewusstsein, das in der Einheit von Teil und Ganzem, von uns und Gott, gründet, ist die Liebe. Liebe (= bewusste Einheit mit Gott und allen Teilen Gottes) ist die vollkommene Verwendung des freien Willens und der Schlüssel zur wirklichen, göttlichen Realität. Alles, was nicht dieser Einheit entspricht, gründet nicht in der Realität, sondern in Illusion. Abwendung von der Einheit der Liebe ist die Ursache des spaltenden („dia-bolischen“) Bewusstseins, des Bösen.

10. Die Gesetze der materiellen Kausalität (Karma) sind relative Realitäten; sie regeln die Konsequenzen der Impulse, die wir mit unserer Bewusstseinsausrichtung setzen. Auf der spirituellen (absoluten) Ebene haben wir einen freien Willen mit der entsprechenden Verantwortung, und auf dieser Ebene können wir Befreiung von Karma-Bindungen („Sündenvergebung“) erlangen: durch Handeln in Einheit mit Gottes Willen, denn Gottes Wille („Gnade“) steht über den materiellen Gesetzen.

Jede Handlung in der materiellen Welt untersteht dem Gesetz des Karma, d. h. dem Gesetz von Ursache (Aktion) und Wirkung (Reaktion). Jede Handlung und Situation sollte deshalb differenziert betrachtet werden, sowohl aus der Perspektive der Reaktion als auch aus der Perspektive der Aktion. Im Aspekt der Reaktion wirkt die Prädestination, im Aspekt der Aktion der freie Wille. In jeder Situation hat der Mensch die Möglichkeit des Wählens zwischen verschiedenen Handlungsweisen. Was immer gewählt wird, ist die Verantwortung des Handelnden, da der freie Wille kein materiell-physikalischer, sondern ein spiritueller Faktor ist. Auf der Ebene des Gesetzes von Ursache und Wirkung wirkt Gottes Gerechtigkeit, auf der Ebene des freien Willens wirkt Gottes Gnade, denn im Gegensatz zur Aussage der Prädestinationslehre ist es sehr wohl möglich, dass der Mensch aus dem scheinbar unendlichen Netz von Reaktionen erlöst wird, vergleichbar mit Dunkelheit, die durch Licht aufgelöst werden kann. Dieses Licht ist das Bewusstsein der göttlichen Einheit = Liebe (als Vollkommenheit des freien Willens).

Theistisches Manifest Risi
11. Ethik hat absolute Grundlagen, die gegeben sind durch den Willen Gottes: Erkennen der göttlichen Einheit und Liebe. Die entsprechenden moralischen Richtlinien gründen in den Prinzipien Ehrlichkeit, Eigenverantwortung und gegenseitigen Respekt.

Das theistische Weltbild besagt, dass Gott „Individuum“ ist: ewiges Sein und Bewusstsein mit Liebe und Willen (Intention). Solange wir Gott nicht als Individuum erkennen, hat Ethik keine absoluten Grundlagen, und die menschliche Moral wird durch willkürliche Richtlinien bestimmt, die leicht manipuliert und relativiert werden können („man soll zwar nicht lügen oder morden, aber…“). Die Grundlage der theistischen Ethik ist der Wille Gottes („Dein Wille geschehe!“), der absolut individuell ist, d. h. nicht dogmatisch, aber auch nicht willkürlich. Diesen Willen zu erkennen ist die höchste Eigenverantwortung des Menschen. Die Essenz von Gottes Willen ist Liebe, denn Liebe ist das Bewusstsein der göttlichen Einheit und Individualität. Diese Liebe ist die Grundlage der theistischen Ethik und gibt die entsprechenden Kriterien für unser praktisches Handeln und Unterscheiden: Was entspringt diese Liebe und was nicht? Was fördert das Erkennen unserer Identität als spirituelle Individuen (Teile Gottes)? Was führt zu einem Leben in Harmonie (= Bewusstsein der göttlichen Realität), was zu Getrenntheit und Spaltung (= Illusion)?

12. Theistische Wissenschaft ist ganzheitlich, denn sie betrachtet sowohl die materiellen (multidimensionalen) als auch die spirituellen Aspekte der Realität. Die Universen entstehen und vergehen in einem zyklischen Ablauf vor dem Hintergrund der ewigen, spirituellen Welt. Innerhalb unseres Universums entstanden die Welten des multidimensionalen Kosmos über das Schöpfungsprinzip der Involution, d. h. durch eine abgestufte Verdichtungsfolge, ausgehend von der höchsten feinstofflichen Dimensionswelt. Die dreidimensionale Welt ist die letzte Stufe der materiellen Verdichtung; die ersten Menschen entstanden, indem Lichtwesen ihren Lichtkörper auf die Ebene der organischen Materie hinunterverdichteten.

Leben kommt von Leben, und Leben ist in seiner spirituellen Essenz ewig. Innerhalb des multidimensionalen Kosmos nehmen Individuen – je nach der Dimensionswelt, in der sie leben – grobstoffliche und/oder feinstoffliche Körper an. Die erste Dimensionswelt innerhalb des Universums entsteht vor dem Hintergrund der ewigen, spirituellen Welt, und gemäss diesem allgegenwärtigen Informationsfeld geht aus der ersten, feinstofflichen Dimensionswelt die zweite, aus der zweiten, die dritte hervor, bis hin zur Welt der physikalischen Materie, die wir Menschen als „Universum“ wahrnehmen. Das Schöpfungsprinzip, das dieser abgestuften kosmischen Verdichtungsfolge zugrunde liegt, kann mit dem Begriff „Involution“ umschrieben werden. Die Ursprünge des Menschen liegen in den höheren, multidimensionalen Welten. Die Menschen sind nicht evolvierte Tiere, sondern „involvierte“ Lichtwesen.

Theistisches Manifest Risi

13. Der aktuelle Paradigmenwechsel führt zu einer Überwindung von Atheismus und Monotheismus. Theismus ist das Bewusstsein des neuen Zeitalters. Dieses theistische Bewusstsein ist das gemeinsame Ziel aller Wege zu Gott.

Im Ablauf der kosmischen und irdischen Zyklen steht die Menschheit heute an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter. Was bevorsteht, bezeichnen die indigenen Völker Amerikas als den Übergang von der vierten „Welt“ zur fünften. Mit dem neuen Zeitalter werden die vorherrschenden Weltbilder des jetzigen Zeitalters – Atheismus und Monotheismus – überwunden werden, und die Menschen werden sich wieder ihrer spirituellen Identität und ihrer geistigen Herkunft bewusst sein; dazu gehört auch die Klarheit über den Sinn ihres Lebens und die persönliche Berufung. Je mehr Menschen bereits heute in diesem Bewusstsein leben, desto konkreter wird die Heilung der Erde, die Versöhnung aller Religionen und die Möglichkeit eines wahren, gerechten Friedens.

 

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Bilder: Andreas Witschi / Initiative Vernunft

 

Risi der radikale Mittelweg

Armin Risi

Der radikale Mittelweg

Überwindung von Atheismus und Monotheismus

Das Buch zum aktuellen Paradigmenwechsel

1. Auflage September 2009
432 Seiten, gebunden

ISBN 978-3-938516-99-7

 

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