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In den musikalischen Kosmos eintauchen

In der rezeptiven Musiktherapie werden seit vielen Jahren Klanginstrumente eingesetzt, die nicht zum Musikmachen im herkömmlichen Sinne dienen, sondern bei deren Spiel ein kontinuierlicher, dichter Klangteppich entsteht. Klänge, die aufgrund ihrer relativ gleich bleibenden (oder scheinbar fehlenden) Struktur und Klangfarbe das normale, kognitive Wachbewusstsein wenig ansprechen, eignen sich sehr, unser Alltagsbewusstsein zu untergraben, den Verstand zu ”überlisten” und so den Zugang zu tieferen Bewusstseinsschichten zu öffnen.

Neben Gong, Schamanentrommel, Rassel, Klangschale und Didjeridoo ist hier vor allem das Monochord zu nennen. Ursprünglich bekannt durch Pythagoras, der an einem Einsaiter Zahlenverhältnisse in der Musik und im Kosmos untersuchte, ist das Monochord ein Instrument mit vielen (z. B. 13 und mehr) Saiten, die auf einen Ton gestimmt sind. Das Monochord, dessen gleichgestimmte Saiten mit den Fingern sanft berührt und gleichmäßig angestrichen werden, ermöglicht in besonderer Weise das Erleben von anhaltenden Schwingungen, die eine feine Klanghülle und einen faszinierenden Klangteppich von großer Leichtigkeit erzeugen. Durch die einzelne jeweils im Augenblick angestrichene Saite werden alle anderen Saiten zugleich mit in Schwingung versetzt: Hierbei entsteht ein zunächst völlig schwebungsfreier Klang, eine vollkommene Konsonanz. Über diesen Klangteppich legt sich eine auf natürliche Weise und nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten entstehende, nach oben hin offene, sphärisch anmutende Obertonmelodie. Der Klang besteht eigentlich nur aus einem Ton – aber in diesem einen Ton erschließt sich dem Hörenden unser ganzer musikalischer Kosmos.

Die hierdurch eröffnete Erlebnissphäre ist die ursprüngliche Einheit des Seienden: die Qualität des All-Eins-Seins. Der Klang spricht auf einer sehr tiefen Ebene die menschliche Erinnerung und Sehnsucht nach symbiotischer Geborgenheit an. Er weckt dieses Urgefühl – wie natürlich ebenso auch alle frühen Defizite und Störungen, das menschliche Urvertrauen betreffend.
Dass das Ohr des Fötus als erstes Organ fertig ausgebildet und damit besonders berührbar ist, spielt hier vielleicht auch eine Rolle.

Heilung durch die Kraft des Klanges

Der Monochordklang hat eine überaus wohltuende, nährende Qualität; er vermag Glücksgefühle von kosmischer Verbundenheit bis hin zu „ozeanischer Selbstentgrenzung“ auszulösen. Für Menschen, die Geborgenheit nie erfahren haben, kann die Reinheit und völlige Offenheit dieses Ein-Klangs aber (zunächst) auch bodenlos und beängstigend sein. Dies verlangt einen sehr sensiblen Umgang mit diesem machtvollen Instrument.

Behutsam eingesetzt, eröffnet sich hier im therapeutischen Rahmen, z. B. über Klangreisen, die Chance, durch die liebevoll kathartische Kraft des Klangs Heilung zu befördern. Der Klang, intensiv genossen, kann dazu verhelfen, Türen zu öffnen, um Schmerz durchleben und überwinden zu können.

Ähnlich dem Monochordklang, aber in sich geschlossener und unverfänglicher ist der Klang der Tambura (vielleicht bekannt von der indischen Tanpura). Dieser aus eigentlich zwei Tönen (Grundton/Quinte) zusammengesetzte Klang erscheint reichhaltiger, Halt gebend und erdend.  Auf der energetischen Ebene erzeugt eine bestimmte Reihenfolge des Anstreichens der Saiten eine erhebende Wirkung, die gleichzeitig Basis und Sicherheit gibt und nach eigenen Beobachtungen und Berichten vieler Therapeuten oftmals eine heitere Grundgestimmtheit erzeugt.

In Klang baden

Rund um Monochord und Tambura sind im Laufe der letzten 15 Jahre in meinem Atelier eine Vielzahl von ungewöhnlichen Saiteninstrumenten und Klangkörpern für Musik, Therapie, Meditation und Entspannung entstanden.
Ein besonderer Schwerpunkt sind hierbei die Körperinstrumente – aus hochwertigen Tonhölzern gefertigte Klangkörper, auf denen man sitzen, liegen oder die man einem Menschen auf den Körper legen kann.
Diese Instrumente sind ein Angebot für gesunde wie kranke Menschen, sich von feinen, wohltuend harmonischen Klängen bespielen zu lassen und dabei seelisch und leiblich in intensive Klangwelten einzutauchen, geradezu ”in Klang zu baden”.
Bei einer „Klangmassage“ dieser Art wird Klang nicht nur über die Ohren, sondern durch Vibration und auf sanft einhüllende Weise mit dem ganzen Körper erlebbar: Klänge wandern feinstofflich in alle Zellen und Gewebestrukturen, die Haut, die Knochen, der menschliche Körper wird selbst zum Bestandteil des Klangkörpers.
Die Vibration und Resonanz des eigenen Körpers kann als sehr überwältigend erlebt werden, so, als ob alle Moleküle im Körper in Bewegung versetzt werden. Dieses Klangerleben wirkt entkrampfend, harmonisierend und zentrierend und fördert auf eine sehr heilsame Weise die Tiefenentspannung.

Die beim lebendigen Spiel entstehenden Vibrationen und Klänge sind ständig in Bewegung. Die Behandlungssituation lebt von der Einzigartigkeit und Besonderheit des Augenblicks: Auch wenn die (Grund-)töne des gespielten Instruments gleich bleiben, so verändert sich während des Spiels unwillkürlich und permanent das Spektrum der sich dabei entfaltenden Obertöne.
Die Spielweise ist gleichmäßig fließend, der dabei entstehende Klang ist monochrom, aber zugleich höchst lebendig und vielfältig – anders als ein automatisch oder synthetisch erzeugter Klang.

Für den Behandelten ist das Bespieltwerden ähnlich wie eine Massage: Der Behandlungserfolg ist getragen von der Ausgangssituation, dass ich bereit bin, meinen Körper der Berührung durch einen anderen Menschen anzuvertrauen und zu öffnen. Es gibt nichts zu tun für mich, ich weiß, ein anderer Mensch ist in diesem Moment nur für mich da. Ich bin im Mittelpunkt der Zuwendung und darf erleben, dass eine wunderbare Musik live und exklusiv für mich entsteht!

Das Spiel dieser Instrumente ist auch für Menschen ohne größere musikalische Vorkenntnisse relativ leicht erlernbar, da hier nicht musikalische Virtuosität und Gestaltungsfähigkeit gefragt sind, sondern ein intuitives, gleichmäßiges Anstreichen der Saiten mit den Fingerkuppen ohne Veränderung der Töne. Ein gutes Monochord gibt auch dem Spieler viel Energie, gibt quasi mehr zurück als hineingegeben wird. Wer mit diesen Klängen Menschen behandeln will, sollte allerdings zuvor ihre Wirkung intensiv am eigenen Leibe kennengelernt haben.

Einige von Bernhard Deutz entwickelte Instrumente:

Klangstuhl
Der Klangstuhl ist so konstruiert, dass er eine aufrechte, aber dennoch bequeme Körperhaltung ermöglicht, die ebenso innere Achtsamkeit und Aufrichtung unterstützt und eine tiefgreifende Entspannung ohne völlige Regression fördert: Der „Bespielte“ kann innerlich loslassen, aber zugleich Kraft und Erdung erfahren, den Boden unter den Füßen spüren.

Klangliege

Die Klangliege (oder das Liegemonochord) ist mit einer leicht gewölbten Liegefläche ausgestattet, die auch großen Menschen ein Gefühl von Geborgenheit gibt. Das Klang- und Körpererleben ist ähnlich wie auf dem Klangstuhl, das Liegen erlaubt jedoch ein völliges inneres Loslassen und ist insofern regressiver.
Durch die größere Länge der schwingenden Saiten ist das Erleben der tieffrequenten Töne und Vibrationen noch ausgeprägter und befördert geradezu „ozeanische“ Empfindungen.

Körpertambura
Die Körpertambura, die jüngste Neuentwicklung, ist ein kleiner, sehr leichter, mobiler Resonanzkörper, der mit seiner anschmiegsam gewölbten Oberfläche liegenden Menschen (auch Bettlägerigen) an verschiedenen Stellen auf den Körper aufgelegt werden kann: z. B. auf den Rücken, die Brust oder im Beckenbereich. Beim Anstreichen der 28 Saiten durch den behandelnden Spieler entsteht eine feine Vibration und ein zart einhüllender Klangraum mit einer angenehm entspannenden und zugleich stimulierenden Wirkung. Durch gezielte Auflage in bestimmten Körperregionen wird diesen intensiv Energie zugeführt, die Körperdurchlässigkeit und Atmung in diesem Bereich wird gefördert.
Die Körpertambura wird inzwischen zahlreich und mit sehr positiven Rückmeldungen von Behandlern und Therapeuten aus unterschiedlichsten (nicht nur musiktherapeutischen) Bereichen eingesetzt, z. B. in der Arbeit mit schwerst behinderten Menschen, Wachkomapatienten, in der Atem- und Entspannungsarbeit, von Psychotherapeuten, im Coachingbereich, in der Onkologie, im Palliativbereich und in der Sterbebegleitung. Häufig behandelt werden Menschen mit somatischen und psychosomatischen Störungen, z. B. bei Schwierigkeiten mit der eigenen Körperwahrnehmung, vermindertem Körpergefühl  bis Gefühllosigkeit (bei Depressionen), bei Schmerzpatienten, Traumatisierten, Asthmatikern. Der Einsatz des Instruments kann hier ein Angebot zur Kontaktaufnahme mit dem eigenen Körper sein. Mehrere TherapeutInnen sprechen von dem großen Bedarf vieler Patientinnen nach körperlicher Entspannung, Berührung und Geborgenheit – und der zugleich großen Scheu davor. Das Instrument liegt wie eine schützende Hülle auf dem Körper.
”Die massierende Wirkung des Instruments erfüllt viele Sehnsüchte, kann dabei vielleicht besser angenommen werden als eine unmittelbare Körpermassage”, so eine Musiktherapeutin.

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