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Hans Hendricks ist Gründer und Leiter der EGNOKA-Akademie für asiatische Kampf- und Lebenskunst. Ausgehend von seinen langjährigen Erfahrungen – er begann vor über 40 Jahren, sich mit asiatischen Entspannungstechniken und den Kampfkünsten zu beschäftigen – hat er vor kurzem ein neues Trainingskonzept entwickelt: die „Zauberformel eine Minute“.

Der Yoga- und Qigong-Lehrer Sandro Gass befragte Hans Hendricks zu seinem Trainingskonzept.

 

Sandro Gass: Was ist die „Zauberformel eine Minute“?

Hans Hendricks: Es ist eine Formel, mit der man seine persönlichen Ziele erreichen kann. Neben der persönlichen Fitness geht es auch darum, die eigenen Grenzen immer weiter auszudehnen. Den „inneren Schweinehund“, also die Widerstände zu überwinden, die uns häufig daran hindern, etwas zu verändern und uns weiterzuentwickeln. Jeder kennt das, oder? Die „Zauberformel eine Minute“ enthält Übungen, die man gleich morgens, auf der Bettkante, einem Stuhl oder im Stehen macht, um seinen Körper zu lockern. Normalerweise gehen wir erst ins Bad, dann frühstücken wir, dann, ach noch einen Kaffee/Tee/Milch … Wir verzetteln uns! Wenn wir Körperübungen machen wollen, ist die Zeit vorbei. Wir haben ja auch schon geduscht. Und außerdem müssen wir jetzt zur Arbeit. Deswegen: Gleich nach dem Aufstehen und anfangs nur eine Minute! Das klingt zunächst nach nicht viel, es erscheint fast lächerlich. Doch man bringt damit etwas Wichtiges ins Rollen! Es nennt sich Gewohnheit. Sie ist dein Erfolgsjoker. Der Knackpunkt ist der, dass ich anfangs zwar nur diese Ein-Minuten-Übung mache – aber dass ich sie täglich, also regelmäßig mache. Täglich eine Minute üben gibt dir eine gute Basis, auf der du ganz leicht aufbauen kannst.

Woher kommt bei dir die Disziplin für deine regelmäßige Praxis?

Am Anfang war meine Motivation das Erlernen der Kampfkünste, zudem wollte ich meine persönlichen Grenzen ausloten. Das trug mich und alles lief gut – bis ich einen Verkehrsunfall hatte, bei dem ich mir einen Kniescheibenbruch zuzog. Mein Knie war fast steif. Ich konnte kaum laufen, an sportliche Kampfbewegungen war gar nicht zu denken. Die Ärzte sagten mir nur, dass sie nichts mehr für mich tun können. Das war natürlich ein Schock für mich.

Kampfkunst und Körperarbeit waren mein Leben! In diesem Moment habe ich begriffen, dass Gesundheit und Beweglichkeit ein extrem kostbares Gut sind. Ich konnte mich allerdings nicht damit abfinden, nie wieder Kampfkunst und Körperarbeit zu praktizieren. Also begann ich Fachbücher zu lesen, habe vieles ausprobiert und langsam entdeckt, wie der Körper funktioniert, wie er gedehnt und wie Kraft aufgebaut wird. Ich habe tiefer in mich hineingespürt und festgestellt, wie bestimmte Mechanismen funktionieren. Ich habe geübt, geübt und geübt. Nach ungefähr 18 Monaten war mein Knie wieder voll beweglich. Als ich dann meine Danprüfung zum schwarzen Gürtel abgelegt habe, konnte ich sogar wieder auf einem Bein eine Kniebeuge machen. Ich habe in dieser Zeit wirklich viel verstanden. Dieses Wissen motiviert mich täglich neu und gibt mir Kraft und Disziplin.

Wie hat sich das auf deine eigene Praxis ausgewirkt?

Ich übte damals auch täglich Yoga. Irgendwann dachte ich mir: „Na, jetzt bist du so gelenkig, machst Spagat in alle Richtungen und extreme Bewegungen.

Aber wofür eigentlich?“ Da mir keine wirklich überzeugende Antwort einfiel, verlor ich von einem Moment auf den anderen das Interesse und meine Motivation. Irgendwann wurde mir dann allerdings klar, dass es nicht darum geht, die Verrenkungen extremer zu machen, sondern das Gefühl für den Körper und den Geist zu verstärken. Dadurch lernte ich die Asanas viel intensiver zu genießen, wie ein sehr gutes Essen. Man kann natürlich alles in sich reinschlingen und das war’s. Wenn ich aber sanft auf bewusstes Aufnehmen schalte, die Augen schließe und den Moment und meinen Atem wahrnehme, ganz gleich, ob ich Yoga übe oder ein tolles Essen vor mir habe, mache ich eine viel, viel stärkere Erfahrung. Und genau diese Intensität der Erfahrung ist es auch, die mich langfristig motiviert.

Wenn man sagt: „Heute fange ich mit Yoga an und ziehe das mal irgendwie so durch“, dann kann das durchaus nett sein. Am Anfang machen die Dinge ja immer Spaß und man ist motiviert. Doch diese Spaßkurve geht mit der Zeit immer weiter zurück und irgendwann ist sie beim Nullpunkt angelangt. Dann fällt sie noch darunter und schließlich hört man auf. Einfach darum, weil die Intensität nicht mehr steigt. Wenn ich mit Yoga anfange, ist es zunächst tatsächlich nur eine Übung. Doch dann geht es tiefer und tiefer und es entsteht ein wirklicher Genuss. Dieses Genießenkönnen ist allerdings eine Fähigkeit, die man entwickeln muss, und die erreicht man nur durch regelmäßiges Üben. Das ist Qualität, und Schülern zu dieser Qualität möglichst frühzeitig einen Zugang zu ermöglichen, ist eine der wichtigsten Aufgaben eines guten Lehrers. Es geht eben nicht nur um die rein technische Vermittlung einer Übung, sondern es wird immer auch die Erfahrung, die Persönlichkeit, Intensität, Begeisterung und das Wissen des Lehrers an die Übenden weitergegeben. Diese tiefe individuelle Energie des Lehrers ist es, die Übende dazu motiviert, dauerhaft dranzubleiben.

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