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Hörst du ihr Rufen, ihr Flüstern?
Durch rauschende Blätter hindurch
Ihr Hauch an deinem Ohr,
Der keinen Zweifel lässt:
Mutter Erde erwacht,
Die Wilde, die Zarte
Die unumstößlich Neues schafft.
Ja, sie hat dich gefunden
Auf ihrer langen Reise durch die Zeit.
Blütenregen im Gepäck
Ein Fest
Wie tausend Jahre nicht.
Sie feiert ihre Wiedergeburt.
Als Schöpferin
In dir!

 

Weil wir gelernt haben, dass bestimmte Teile von uns nicht in Ordnung sind, haben wir sie ­verdrängt und versteckt – mit der Folge, dass wir damit unsere Lebensenergie beschnitten haben. Und wer traut sich schon, nach den Sternen zu greifen, wenn er glaubt, nicht liebenswert und wertlos zu sein? Zeit also, den Schmerz zu fühlen, den wir uns mit der Unterdrückung unserer „schlechten“ Seiten täglich selbst zufügen, und endlich unser gesamtes Potenzial zuzulassen.

 

Vielen Menschen in unserer Gesellschaft wird es immer mehr bewusst, dass wir in einer absolut herausragenden Zeit leben. Als Menschheit scheinen wir vor fast unlösbaren Problemen zu stehen, die wir zum großen Teil selbst verursacht haben. Inmitten von Umweltverschmutzung und Kriegen scheinen wir als Kollektiv gefangen zu sein, Angst vor der Zukunft ist immanent in uns allen vorhanden. Als einzelne Menschen haben wir hingegen ein Bewusstsein mit einem hohen Grad an Individualität und persönlicher Freiheit entwickelt.  Auch wir Frauen haben gelernt, unsere männlichen Eigenschaften in einer auf Wettbewerb ausgerichteten Gesellschaft gewinnbringend einzusetzen. Das sind mitunter die Früchte der kämpferischen Frauenbewegung der siebziger Jahre. Wir haben das Privileg, uns mit unserer eigenen Vision zu beschäftigen. Wir sind Mitschöpferinnen der Gegenwart. Und wir dürfen unsere Kraft und unsere Sicht der Dinge in das tägliche Leben einweben!

Nun könnte man meinen, wir freien Menschen sind heute erfolgreich, unabhängig und also glücklich.
Und wir lieben und entfalten vollständig unsere Potenziale.

Stimmt das für dich?

Oder gehörst du zu den Menschen, die sich noch durch etwas gehemmt fühlen? Ahnst du, dass du etwas zu geben hast, aber weißt noch nicht was oder wie?

 

Die uralte Kraft der Seele

Wenn du ganz still wirst, kannst du vielleicht fühlen, dass heute viele Menschen gerade – so wie du – auf der Erde leben, die unermesslich viel  „Erfahrung“ haben. In dir lebt ein uralter Kern, eine Seele, die schon sehr weit gewandert ist und die nun bereit ist, sich zu erinnern!

Es ist jetzt die Zeit, in der uns die Trennung von unserer Seelenebene  immer bewusster wird. Die Schleier werden immer durchscheinender. Wir alle ­spüren mehr und mehr, wie groß die Sehnsucht in uns ist.

Die Sehnsucht danach, dich fallen zu lassen in die große kraftvolle göttliche Geborgenheit! Die Sehnsucht danach, aufzublühen mitten im Schoße der Mutter Erde! Die Sehnsucht danach zu erkennen, was du zu geben hast.

Trotzdem sind wir alle unvorbereitet! Viele von uns ersticken fast im Wahnsinn des alltäglichen Überlebenskampfes und der Informationsflut.

Was sollen wir tun? Wie oder wo sollen wir beginnen, wohin uns wenden? Und: Wie können wir unsere Aufgabe auf der Erde finden und erfüllen?

Klar ist: Nun ist die Zeit, unser ganzes Potenzial unserer Gemeinschaft aus bewussten Menschen und somit Mutter Erde zur Verfügung zu stellen. Paradoxerweise sind es gerade unsere „Schwächen“ und Schattenaspekte, die uns dabei den Weg weisen.

 

So bist du nicht liebenswert

Schon als Kinder wurde uns beigebracht, unsere Schwächen so gut es geht zu verstecken. Zumindest die Eigenschaften, die den Eltern ein Dorn im Auge waren. Und vielleicht haben wir auch versucht, unsere Kinder vor ihren „Schwächen“ zu bewahren.
Unweigerlich haben all diese Kinder irgendwann mit ihren versteckten und ungeliebten Eigenschaften das Gefühl, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.

Sie glauben: So wie sie sind, sind sie nicht richtig, nicht gut genug, nicht liebenswert. Wieso sonst sollten sie Teile von sich verbergen müssen? Das Ergebnis sind Erwachsene, die sich nicht mit allen ihren Seiten und mit ihrem ganzen Sein angenommen fühlen. Das Verbergen des Teiles von uns, der nicht „gut genug“ ist, kostet uns als Erwachsene viel Kraft. Kostbare Lebenskraft, die wir bräuchten, um unseren selbstbestimmten Lebensweg beHERZt und mutig zu gehen.

Was ist jedoch in den Eigenschaften verborgen, die wir als Kinder unterdrücken mussten? Was, wenn wir frei alles leben dürften?
In dem wunderbaren Märchenbuch: „Die Wolfsfrau“ weist uns Clarissa Pinkola Estés auf zwei Formen von Verleugnung der eigenen Wildnatur hin, die jedem Menschen innewohnt: das äußere gesellschaftliche Exil und das innere emotionale Exil. In beiden ist die wilde, freie Seele gefangen. Sie wählt das Märchen vom hässlichen Entlein (von Hans Christian Andersen) als das bei uns wohl bekannteste Beispiel für den Mythos von der Angst, nicht richtig oder nicht gut genug zu sein: Der junge, noch graue Schwan, der in der Gemeinschaft der Enten groß wird, wird hier von allen als hässliches Entlein gehänselt und ausgestoßen. Das hässliche Entlein muss sich schließlich auf eine einsame Suche nach einem Ort machen, an dem es leben kann. Dabei gerät es immer wieder in Gemeinschaften, die es ob seiner Andersartigkeit verhöhnen und beschimpfen. Letztlich gibt sich das hässliche Entlein fast auf und ist bereit zu sterben. Erst nach der in seiner Natur bereits angelegten Transformation kann es in der Begegnung mit seinen wahren Artgenossen, den Schwänen, die eigene Schönheit entdecken.

 

Das hässliche Entlein in uns

Der Schwan konnte sich in der Gesellschaft, die ihn verhöhnte und kritisierte, seiner Potenziale nicht bewusst werden. Es gab für ihn in diesem Umfeld keine Möglichkeit, seine Andersartigkeit als Stärke zu erkennen. Wir tragen wohl alle ein solches hässliches Entlein in uns. Wenn wir ehrlich sind, kennen wir alle ein Gefühl, schlechter zu sein als andere, nicht dazuzugehören. Nicht gut genug zu sein! Nicht geliebt zu sein um unserer selbst willen!

Was aber geschieht, wenn wir unsere sogenannten Schwächen ans Licht holen, sie aus dem Versteck befreien? Und wenn wir uns eine Gemeinschaft suchen, die uns unterstützt und unsere wahre Natur erkennen und wertschätzen kann?
Er-innere dich: Du bist zu diesem Zeitpunkt hier auf dieser Erde. Und diese ­Erde braucht dich. Sie hat schon immer auf dich gewartet und sie braucht dich genau so, wie du bist!

In der Kreisarbeit mit Frauen wurde uns in den letzten Jahren immer mehr bewusst, wie wichtig es ist, unser Inneres kennenzulernen und nicht im Außen nach den Lehrmeistern zu suchen. Nur wir selbst sind dazu in der Lage, unser Geschenk, unser Potenzial in die Welt zu tragen. Nie zuvor war es so essentiell wichtig, sich der uns innewohnenden Kräfte und Fähigkeiten bewusst zu werden und diese zum Wohle aller einzusetzen. Insbesondere die „weiblichen“, die lange versteckten und unterdrückten Qualitäten – sowohl in Frauen als auch in Männern – scheinen dabei eine Schlüsselrolle zu spielen.

 

Weibliche Qualitäten

Was sind „weibliche Qualitäten“, was sind unsere weiblichen ureigenen Impulse? Was ist das Geschenk des Weiblichen in Mann und Frau?

Wenn im Außen Krieg herrscht, so können wir zum Frieden beitragen, indem wir uns nach innen wenden, uns er-­innern: an die Sanftheit, die Anmut, die Schönheit, die Verspieltheit, oder ganz einfach die Fähigkeit, Leben zu tragen, zu gebären und zu nähren. Daran, ­einen anderen Menschen ganz und gar liebend zu umschließen ohne Urteil. Oder daran, einen anderen Menschen so fühlen zu können, als sei es unser eigener Leib. Daran, zart zu sein und zärtlich. Oder daran, empfänglich zu sein und offen. Und vielleicht sogar daran, dass wir verletzlich sind. Oder still, lauschend, scheu. Sind dies „Schwächen“ oder gar die weibliche Kraft?

Oft liegt unter dem Schmerz, zwischen den Lügen, hinter dem Vergessen und der Scham der Ort der Kraft. Ein Ort, von dem aus wir unsere vergessenen oder von uns selbst nicht erkannten Gaben und Geschenke in die Welt bringen können. In unsere Gemeinschaft, unseren „Clan“, unsere Familie. Eine Gemeinschaft, sei es ein Freundeskreis, eine Firma oder gar ein Land, ist erst dann eine gute und funktionierende Gemeinschaft, wenn sie die Gaben der Mitglieder erkennt, ehrt und auch nutzt und fördert. Viele unserer Gaben werden nicht erkannt, weil sie leise sind oder auch als Schwächen gelten. Viele werden aber auch nicht erkannt, weil sie für uns selbst unsichtbar sind. Wir erleben häufig in unseren Frauengruppen, dass andere Frauen ganz deutlich die Gabe einer Frau sehen, wie zum Beispiel ihre Fähigkeit, gut und liebevoll zuhören zu können, während die Frau selbst diese als „selbstverständlich“ ansieht.

 

Gaben erkennen und fördern

Es ist Zeit, uns mit unseren Gaben zu beschäftigen. Und uns dabei von unseren Gemeinschaften dabei unterstützen zu lassen. In indigenen Kulturen werden Kinder vom ganzen Clan beobachtet und ihre Talente erkannt. Sie werden dann von jenen in ihren Talenten gefördert und unterwiesen, die selbst dieses Talent haben. Ohne die Kenntnis und Ausbildung unserer Talente können wir unserer Gemeinschaft nicht dienen.

Vielleicht gibt es eine leise Stimme in dir: ein Wissen um die Kraft hinter all den Dingen. Zwischen Kriegen und dem Kampf um Geld und Macht wird ein Ruf immer lauter vernehmbar: Mutter Erde ruft ihre Kinder. Sie braucht jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns. Für unsere Gemeinschaft auf der Erde. Mutter Erde ist die Liebe, die uns nährt, die uns Schutz gibt, die uns trägt und die unser Boden ist. Sie ist nur in Vergessenheit geraten! Sie spricht mit uns Frauen auf einzigartige Weise durch unseren weiblichen Körper. Dort fühlen wir den Weg. Die Erde ist ein fühlendes Wesen so wie wir. Sie braucht unsere Aufmerksamkeit, unseren Respekt, unsere Wertschätzung, unser Fühlen, unser Mitgefühl, unsere Liebe. Sie braucht all unsere vergessenen und verdrängten weiblichen Schätze.

Menschen, die heute bereit sind zu fühlen, sind diejenigen unter uns, die beginnen die Schichten von Schmerz und Leid abzutragen. Je tiefer wir sinken, desto näher kommen wir uns.

 

Schwächen umarmen

Egal wo du stehst oder wie erfolgreich du in deinem Leben bislang warst: In deinem Leben herrscht vielleicht große Verwirrung – wie bei vielen von uns. Das Versprechen, wer wir sind und wer wir sein können, ist so unermesslich groß. Das zu erkennen kann manchmal mit großem Schmerz verbunden sein. Wir wandern zurück zur Quelle durch die Erinnerungen unserer Körper. Wir durchqueren Speicher von grausamen Gefühlen, Ansammlungen aus der Vergangenheit. Wir umarmen unsere Schwächen, und mitten im Schmerz fühlen wir, dass wir auf dem Weg sind, unwiderstehlich angezogen von der tiefen Sehnsucht, unser Herz ehrlich und wahrhaftig vollständig zu öffnen und die Liebe, die wir sind, zu leben. Es gibt kaum etwas Schöneres, als wenn wir uns selbst erkennen und unter tausend Tränen und Lachen wieder unseren Platz einnehmen.

Wir werden uns unserer Aufgabe bewusst.

Und kehren heim.


Abb: © goccedicolore – Fotolia.com

sind Ärztinnen und leiten das Zentrum für Weiblichkeit, ein ­Institut für Frauen. Sie widmen sich intensiv der Erforschung und Entfaltung der weib­lichen Heilweisen und Potenziale. In Seminaren und Gruppen eröffnen sie Frauen wieder den Zugang zu dem uralten weiblichen Heilungsinstrument des Frauenkreises. In einem geschützten Raum entfalten Frauen ihre Potenziale und erinnern sich gegenseitig daran, wer sie in Wahrheit sind: ­Mitschöpferinnen der Wirklichkeit, starke, liebende Frauen, die das Band der menschlichen Gefühle neu knüpfen um eine friedvolle, lebens­werte Zukunft zu ­gestalten.

 

Seminar des Zentrums für Weiblichkeit zum Thema „Ungeliebte Potenziale“ in Berlin: Ende 2014

Mehr Infos auf www.zentrumfuerweiblichkeit.de

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